Der Huosigau feiert groß

Sehnsucht nach der Heimat

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Unmittelbar nach der Weihe im Marienmünster kreuzten sich die Standarten des Huosigaus (vorne) und des Lechgaus dreimal zum Standartengruß.

Dießen – Ein Taumsommer, weiß-blauer Bilderbuchhimmel und tausende Menschen im bayerischen Ge­wand: Die Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau, gegründet im Jahr 1911, weiht ihre erste Gaustandarte. „Ein wahrhaft festlicher Tag nimmt jetzt seinen Anfang.“

Sepp Kaindl, der Vorsitzende der Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau kündigt den feierlichen Anlass im voll besetzten Marienmünster an, während draußen auf der Klosterwiese weit über 1000 Teilnehmer das Ereignis über eine Großleinwand verfolgen. Kaindl wünscht allen, „ein Stückchen Heimat mitzunehmen“, von jenem Tag, der so einmalig ist im Leben.

Wohl kein Besucher der zweistündigen kirchlichen Feier ging unberührt von dannen. Allein der Einzug der Fahnen und Standarten, der kein Ende zu nehmen schien, besaß die Aura des Einzigartigen. Elf Gauvereine aus dem Bayerischen Trachtenverband – das ist die Hälfte aller bayerischen Trachtengaue – begrüßte Kaindl mit ihren Standarten. Dazu kamen über 40 Vereinsfahnen – alle im Altarraum. Die Bairische Singmesse erklang, gestaltet von den Starnberger Fischerbuam, dem Hochberghauser Klarinettenquartett, dem Starnberger Dreigsang und der Pöckinger Zithermusi sowie den Dettenschwanger Weisenbläsern. An der Orgel Michael Beyrau.

Die Festlichkeit erreichte ihren Höhepunkt mit der Enthüllung der Huosigau-Standarte und ihrer Segnung. Seit Monaten mit Spannung erwartet, hatte sie kaum jemand bis dato gesehen: Im Mittelpunkt auf dunkelblauem kostbaren Textil das Gnadenbild von Andechs: „Unsere Liebe Frau, auf unsere Heimat schau“, steht in goldenen Lettern zu lesen. Die rote Seite zeigt das Huosigau-Zeichen, das symbolisiert, dass die Trachtler „Gutes Altes stets erhalten, gutes Neues mit gestalten.“ Vom Zauber der textilen Kunst bis zum reich verzierten Standartenausleger mit dem Bayerischen Löwen auf der Spitze, sind die Huosigauer fasziniert von ihrem neuen Symbol der Gemeinschaft.

Ein Ehrenband widmete unter anderem die Schirmherrin der Standartenweihe, Landtagsabgeordnete Renate Dodell der neuen Standarte, ein weiteres kam vom Patengau, dem Lechgau-Trachtenverband mit Vorsitzendem Franz Multerer. Für den Huosigau-Verein in Amerika, dem Trachtenerhaltungsverein Edelweiß Denver/Colo­- rado erwies Otto Groner der neuen Standarte die Ehre. Man spürte ihm die tiefen Gefühle an, während er sagte, die Gründungsmitglieder hätten ihre Heimat verlassen müssen, aber Tracht und Lebensgewohnheiten mitgenommen. Gorner war es auch, der vor 50 Jahren die bayerischen Trachtenvereine angeschrieben hatte auf der Suche nach Heimat-Anschluss und ist vom Huosigau aufgenommen worden.

Danach kreuzten sich die Huosigau- und die Lechgau-Standarte dreimal zum Standartengruß. Symbolische Gaben beendeten die Festlichkeit: Erde und Blumen als Zeichen der Verbundenheit mit der Heimat, Schuhe und Flöte für Tanz, Platteln „und als Zeichen für unsere Lieder und Spiele. Und wir bringen Brot und Wein für alles, was uns nährt und Kraft gibt für unser Ehrenamt und die Trachtensach’“, sagte Monika Bösl vom Huosigau-Vorstand.

Segen für die Standarte

„Wir feiern ein Fest der Heimatverbundenheit“, so Altabt Dr. Odilo Lechner von St. Bonifaz und Andechs. Auch freue er sich, das Symbol der Gemeinschaft und Verbundenheit zu segnen, „weil Dießen und Andechs seit alters zusammengehören.“ Er hielt fest, dass eine Standarte heute überaus zeitgemäß sei und zitierte aus einem Buch, das die Konsequenz der Moderne untersucht: Der Mensch sei nicht mehr eingebettet in seine Heimat, er sei ohne Wurzeln „überall und nirgendwo daheim“. Man erlebe die große Einheit der ganzen Welt, fuhr er fort und fasste das Ergebnis der Studie zusammen: „Wir wollen aber auch daheim sein“. Neben dem Entwurzeltsein, entstünde wieder eine große Sehnsucht nach einer neuen Verwurzelung, „das drücken wir durch unsere Tracht aus, durch die Pflege der Heimat mit ihrer Musik, ihren Tänzen und Liedern - und mit dem Gedankengut.“

Nach dem großen Festgottesdienst verteilten die Mitglieder vom Dießener Trachtenverein Wasser für alle. Mit Wasser war auch der marktgemeindliche Bauhof unterwegs, der die Straßen für den Festzug „gut wässerte“. Das bescherte Abküh­lung und brachte die 1800 Festzug-Teilnehmer, aber auch die Zuschauer, die den Weg über Hofmark, Marktplatz, Marienplatz, Jahnstraße Richtung Festplatz am See flankierten ganz gut über die Runden – bis sie im Festzelt mit jeder Menge Flüssigkeit versorgt wurden.

Parade am See

Neu und bisher einzigartig im Trachtenland Bayern war die Parade der Jugend: 500 Kinder und Jugendliche aus dem Huosigau und anderen Trachtenregionen dürften es gewesen sein, die der wüstenähnlichen Hitze trotzten und voller Heiterkeit und ausgelassener Fröhlichkeit durch die Seeanlagen tanzten und marschierten. Locker, lässig, heiter, jung. Die Kleinsten zogen sie in Leiterwagen mit oder trugen sie auf der Schulter. Es war kein Festzug, sondern eine Parade, mit der sie dem Publikum zeigten: „Schaugt’s her, wir lieben das Leben und unsere Heimat.“ „Es ist einfach zauberhaft“, strahlte Sepp Kaindl, „so mögen wir unsere Trachtenjugend.

Gewand-Schau

Dass alpenländisches Gewand immer mehr an Nachhaltigkeit gewinnt und vom Business über die Freizeit bis zur Extra-Tour überall auftaucht, ist bekannt. Gutes Anziehen im alpen­ländischen Raum leitet sich von den Trachten ab. Dem regionalen Gewand, das oft eine lange Geschichte hat, mit der Zeit überlebt und in der Gegenwart neu interpretiert wird. Hier spricht man von Tracht, an der man die einzelnen Vereine erkennt.

Wie vielschichtig und facettenreich die Tracht in den Huosigau-Vereinen ist, das präsen­- tierte Ulrike Promberger vom Trachtenverein Dießen. In den Nachmittagsstunden holte sie Trachtler auf die Bühne und erklärte dem Publikum, was alles zum guten Anziehen gehört. Vielbeachtete Auftritte zwischen Bierzelt-Gaudi und Blasmusik…

Beate Bentele


Huosigau feiert großes Fest am Ammersee

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