Handwerker gesucht!

Junge Flüchtlinge könnten helfen

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An den Beruflichen Schulen Landsberg werden Flüchtlinge fit für eine Berufsausbildung oder für dauerhafte Beschäftigungen gemacht – mittlerweile in drei Klassen

Finning – Der Nachwuchsmangel im Handwerk ist eines der zentralen Themen auf der Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft Landsberg gewesen. Dazu hatte Kreishandwerkermeister Michael Riedle eigens Georg Schlagbauer in den Staudenwirt nach Finning geladen. Der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern konnte den Meistern aus übergeordneter Sicht über die Situation der Handwerkerschaft in Bayern berichten.

Rund 4000 Lehrstellen könnten in diesem Jahr in ganz Bayern nicht besetzt werden, betonte Schlagbauer. Deshalb wolle man nicht nur in Mittelschulen, sondern verstärkt auch an Realschulen und Gymnasien für die 130 Handwerksberufe werben. Der HWK-Präsident warb auch dafür, junge Flüchtlinge für das Handwerk zu begeistern. Damit helfe man nicht nur, diese zu integrieren, sondern bekämpfe auch den Fachkräftemangel. Bisher habe man gute Erfahrungen mit den jungen Flüchtlingen gemacht. „Sie lernen schnell deutsch und sie sind fleißig“, so Schlagbauer.

„Wir haben in einer Aktion Handwerksbetriebe angeschrieben, ob sie sich vorstellen könnten, Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen“. Die Reaktion sei überraschend positiv gewesen, resümierte der Handwerkskammerpräsident. Viele der Unternehmen könnten sich das vorstellen. Bedingung sei aber, dass die jungen Menschen gut deutsch könnten und dass ihr Aufenthalt für die Ausbildungszeit und auch danach gesichert sei. Sinnvoll sei auch, eine Kontakt- und Betreuungsstelle einzurichten, an die sich sowohl die Betriebe als auch die Auszubildenden bei Problemen wenden könnten.

Der Handwerkskammerpräsident warb zudem dafür, auch schwächeren deutschen Schülern eine Chance zu geben – beispielsweise wenn sie keinen Schulabschluss hätten. Außerdem sollte das Handwerk weiterhin versuchen, junge Mäd- chen für handwerkliche Berufe zu begeistern. Der „Girls Day“ sei dafür ein geeignetes Instrument.

Über viele Zukunftsthemen müsse man ohne Scheuklappen reden, forderte der Münchener Handwerkschef, schließlich sei der Nachwuchsmangel nicht das einzige Problem. Handwerker müssten sich auch mit Digitalisierung beschäftigen: das Schlagworte dazu laute „Handwerk 4.0“. Das Internet zwinge auch die Handwerker zu Veränderungen. Hier seien vor allem die jungen Meister in den Betrieben gefragt, betonte der Kammerpräsident. Darüber hinaus müsse man die Gründerkultur verbessern, denn man registriere einen Rückgang bei den Handwerksbetrieben.

Ein Drittel aller Familienbetriebe würden in den nächsten Jahren an Nachfolger übergeben. Deshalb sei es wichtig, das Problem mit der Erbschaftssteuer zu klären. Schlagbauer kritisierte, dass beispielsweise bei dieser Steuerregelung nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes auch das private Vermögen der Erben mit eingerechnet würde. Das sei wie eine zusätzliche Vermögenssteuer. „Unser Ziel ist es, mittelständische Unternehmen zu erhalten.“

Auf den Nägeln brennt den Handwerksbetrieben nach Aussage ihres Präsidenten auch das vieldiskutierte Thema Mindestlohn. „Die 8,50 Euro seien nie das Problem gewesen“, sagte Schlagbauer. Es sei vielmehr die Bürokratisierung, die Sorgen bereite und zusätzliches Geld koste. Schlagbauer forderte eine pragmatische Aufzeichnungspflicht. Auch eine stabile Stromversorgung und stabile Energiepreise seien für das Handwerk wichtig.

Siegfried Spörer

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