"Ich denk mir - Didelum!" Wilhelm-Busch-Abend

Wilhelm Busch: da denkt man spontan an die Streiche der bösen Buben Max und Moritz, die an diesem Abend freilich auch nicht fehlen durften. Doch wie vielseitig, amüsant und auch spannend die Verse und Prosa des Dichters sind, zeigte der bekannte Theater- und Filmschauspieler Karl Michael Vogler am Dienstag im Landsberger Stadttheater.

Als Dankeschön an alle, die das Landsberger Stadttheater unterstützen, als Geschenk für die, die das Theater lieben, hat Theaterleiter Alexander Netschajew diesen Abend geplant – ein wirklich wunderbares Geschenk. Bepackt mit einem Stapel liebevoll von Hand beschriebener Manuskripte betritt der Grandseigneur des deutschen Fernsehens, Karl Michael Vogler, die Bühne, nimmt an einem kleinen Tisch Platz und beginnt. Schon nach wenigen Worten zieht die ausdrucksstarke Stimme die Zuschauer in ihren Bann. Mühelos wie ein Zauberkünstler jongliert Vogler mit Buschs Versen, malt mit seinem lebendigen Vortrag ganze Szenarien in die Phantasie des Publikums. Es entstehen Schänken, Junggesellenwohnungen, Straßen, Spitzweg’sche Dichterstuben und Waldlichtungen. Ebenso plastisch werden die Figuren: der Junggeselle Tobias Knopp samt Dienstmädchen, ältliche Tanten, Lausbuben, die heimlich vom Wein naschen oder gar Diogenes in seiner Tonne. Die Liebchen, die Spießer und die Lumpen, sie alle versammeln sich auf der Bühne des Stadttheaters, herbeigezaubert von dem grandiosen Erzähler Karl Michael Vogler. Dabei zieht sich wie ein roter Faden das Thema des einsamen Junggesellen durch die Verse des überzeugten Hagestolzes Wilhelm Busch: „Schön ist, Junggeselle sein!“ – aber wer ist da, wenn es darum geht, die Hand zu halten, den Hemdknopf anzunähen oder am Grab zu weinen? Bittere Ironie wechselt mit „herzerfrischender Kaltschnäuzigkeit“ (so Vogler) und wird so zum blühenden Lebensoptimismus. Viel zu schnell scheint die Zeit vergangen zu sein, als Karl Michael Vogler nach immerhin eineinhalb Stunden seine Manuskripte wieder einpackt. Man geht nach Hause, zum Bücherschrank, zieht ein vielleicht vergessenes Buch heraus und taucht erneut ein in mehr als 100 Jahre alte Worte. In Worte, die immer noch „Flügel“ haben.

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