Vom Milchvertrieb über Superpumpen bis zur vierbeinigen Mähmaschine

BIGHub-Finale in Holzhausen: Schaf-Sharing überzeugt

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Freude bei den Siegern des BIGHub-Innovationswettbewerbs im BVS-Bildungszentrum Holzhausen: Links das Pumpenteam der „Jungen Wilden“, rechts die Damen des Schaf-Sharings und in der Mitte der Dießener Professor Dr. Manfred Hoffmann mit A2-Rohmilch.

Holzhausen – Die Sieger im Ideenwettbewerb „Innovationen für die Region“ des vom Am­mer­see Denkerhaus mit Partnern initiierten Innovationsforums BIGHub stehen fest: In der Kategorie „Neue alte Hasen“ gewann das Projekt „Vertrieb von A2-Milch“, bei den „Jungen Wilden“ kam das „c-Stream Projektteam“ mit innovativen, fluidfördernden Pumpen für mobile Anwendungen auf Platz 1 und den Publikumspreis des Start­up-Festivals gewann das Projekt „Schaf-Sharing“ aus Garmisch-Partenkirchen.

Der „Pitch“ von am Ende zehn Teilnehmern des Ideenwettbewerbs mit Jury-Entscheid und Publikumsvoting war am Samstag in Holzhausen der vorläufige Höhepunkt des Innovationsforums Mittelstand „BIGHub“. In den vergangenen neun Monaten hatten die Initiatoren in der sechs Landkreise (Landsberg, Bad Tölz-Wolfratshausen, Fürstenfeldbruck, Miesbach, Starnberg, Weilheim-Schongau) umspannenden Region begonnen, ein nachhaltiges Netzwerk zur Entwicklung einer Innovations- und Startup-Kultur im ländlichen Raum aufzubauen.

Der zum Jahresbeginn gestartete Wettbewerb war dabei ein Kernelement. Aus 46 Bewerbungen waren im März 15 Kandidaten ausgewählt und von Experten gecoacht worden (wir berichteten). Beim großen Finale im BVS-Bildungszentrum Holzhausen stellten sich schließlich zehn von ihnen dem Jury-Entscheid und Publikumsvoting.

A2-Rohmilch

Der Vertrieb von A2-Tiefkühlrohmilch mit Hilfe eines „Gefriermilch-Ab-Hof-Verkauf“-Modells inklusive digitaler Bestellpraxis ist Gegenstand des Siegerprojekts in der Kategorie „Neue alte Hasen“. Vorgestellt wurde es vom Dießener Professor Dr. Manfred Hoffmann, Emeritus der HS Weihenstephan, und von Andreas Gerold, „Zum Zoberbauer“ in Oberammergau. Gerold ist seit 2015 Betriebsleiter des gepachteten elterlichen Hofes, seit März 2018 „staatlich geprüfter Wirtschafter für ökologischen Landbau“ und will im März 2019 den „Landwirtschaftsmeister“ abschließen.

Die A2-Milch direkt vom Hof zu vertreiben, wurde in erster Linie als Reaktion auf zunehmende Lebensmittelunverträg­lichkeiten vorgestellt. Das Modellprojekt soll mit hohem Innovationsgrad bei der Technologie zur Lösung der Probleme von Casein-Allergikern beitragen. Das Team sieht ein wachsendes Marktpotential aufgrund der ständig steigenden Probleme mit ungeklärten Milchunverträglichkeiten. Das Projekt zeichne eine große Duplizierbarkeit aus, da viele Landwirte über Erweiterung des bestehenden Ab-Hof-Verkaufs neues Einkommen generieren könnten, befand die Jury.

Bei dem vorgestellten Modell handelt es sich um einen bäuerlichen Familien-Betrieb mit 31 Hektar reinem Grünland und 28 Kühen. Auch dort bestehen Probleme durch stark schwankende, niedrige Markt-Milchpreise und erschweren die Einzelhoflage, aber auch die inzwischen starke Konkurrenz den Ab-Hof-Verkauf und damit eine Steigerung der Einkommen. Mit dem Konzept fokussiert sich das Team auf spezielle Tiefkühl-Milch, um weit verstreute Spezialkäufer bedienen zu können. Eine zwei- bis dreimonatige Haltbarkeit soll seltene Einkäufe ermöglichen, die Online-Bestellpraxis „Just-in-time-Angebote“ der speziellen A2-Milch.

Die Jury erkannte sowohl diverse ökologische Ansätze an, wie etwa durch die angekündigte Rücknahme kompostierbarer Verpackungen, den Einsatz eigenen Solarstroms in der Gefriertechnik, als auch betriebs­wirtschaftlichen Nutzen. So verspricht die sichere Versorgung von Kunden mit A2-Milch Vorteile für Kunden und Milchbauern. Eine stabile Einkommensergänzung für den Landwirt wird genauso ermöglicht wie neue Chancen zum Verkauf von Beiprodukten im Ab-Hof-Verkauf.

Innovative Pumpe

In der Kategorie „Junge Wilde“ setzte sich das c-Stream-Projektteam mit drei jungen Ingenieuren – Lukas Römhild, Mathis Müller und Andreas Müller – durch, in dem sowohl Kompetenzen in Elektro- und Fertigungstechnik als auch Betriebswirtschaft abgedeckt sind. Am Strascheg Center for Entrepreneurship der Hochschule München entwickelt das c-Stream-­Team innovative Fluidförderpumpen für den mobilen Anwendungsbereich, deren Größe und Gewicht gegenüber konventionellen Förderpumpen um ein Vielfaches geringer ausfallen. Die c-Stream-Pumpe verspricht die bestehende Fördertechnik zu revolutionieren und das Gewicht um den Faktor 7 sowie auch das notwendige Pumpenvolumen um den Faktor 10 zu verringern.

Die Erfinder sind überzeugt, dass die c-Stream-Förderpumpe in den meisten Anwendungsgebieten den bisher dort einge­setzten Pumpentypen technisch überlegen ist – mit vielfältigen, „nie dagewesenen“ Möglichkeiten in der Produktgestaltung. Die Handhabbarkeit verschiedenster Produkte könnte durch ein ergonomisches Gewicht verbessert, der Geldbeutel bei Kunden durch einen effizienten Betrieb geschont und bei Herstellern das Image durch den Einsatz von innovativer Technologie gesteigert werden.

Schaf-Sharing

Den Publikumspreis im BIGHub-Ideenwettbewerb gewannen „Sieben Frauen und drei Schafe“. Die Schöpferinnen der Schaf-Sharing-Idee sind Nachbarinnen, die interdisziplinär zusammengesetzte „Schaf-Sharing-Gemeinschaft“ und „die Schaferer“ des „Vereins zum Erhalt der historischen Bau- und Landschaftsstruktur in Garmisch-Partenkirchen“: Ursula Höger, Susanne Beyer, Elisabeth Peter, Lisa Rühl, Kim Rotfuss, Verena Tuchscherer und Christine Wedler.

Sie wollen in ihrer Heimatregion sowohl Einheimische als auch Besucher mit dem Thema Natur noch mehr in Berührung bringen: nicht nur auf einsamen Bergwiesen, sondern auch mitten im Ort, wo man es vielleicht nicht erwarten würde. Sie möchten mit ihren Schafen gewünschten Nachhaltigkeits­aspekten vor Ort nachkommen, die Gemeinschaft und den nachbarschaftlichen Zusammenhalt stärken, aber auch zu Entschleunigung, zu mehr Naturnähe im Gegensatz zur allgegenwärtigen Digitalisierung beitragen, Schafe statt Maschinen als alternative Form der Flächenpflege etablieren. Ihr sympathisches Projekt betrachten die Initiatorinnen als Beitrag zu Landschaftspflege und Erhalt der Kulturlandschaft. Sie wollen ein Bewusstsein schaffen, grüne Flächen länger wachsen und blühen zu lassen, um Artenvielfalt und Lebensräume für Insekten und Singvögel zu bewahren.

Das Team fand große Akzeptanz mit seiner Innovation einer „ökologisch tierischen Grünflächenpflege im urbanen Raum“. Dabei besuchen die Schafe je nach Situation die Flächen ein oder zweimal im Jahr, dies jeweils wenige Tage bis maximal zwei Wochen lang. Bezahlt werden der Transport der Tiere sowie das Aufstellen und Entfernen der temporären Weidezäune. Für Garmisch-Partenkirchen, aber auch andere Orte, die trotz städtischen Charakters über eine Vielzahl privater und öffentlicher Grünflächen verfügen, biete das Schaf-Sharing eine echte Chance.

Das mit dem Zuschauerpreis ausgezeichnete Team würdigte übrigens den BIGHub-Ideen­wettbewerb als „eine echte Chance, uns in managementbezogenen und betriebswirtschaftlichen Fragen umfassend beraten zu lassen und das Projekt von Anfang an auf eine gute Basis zu stellen.“ 

red. Bearbeitung: Dieter Roettig

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