"Entschleunigung" im Ausschuss

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Mit 0:12 abgelehnt hat der Bauausschuss einen Zebra-Streifen an der Unterführung der Iglinger Straße.

Landsberg – Mit seiner letzten Äußerungen zum Thema „Iglinger Straße“ hatte Stefan Meiser (ÖDP) am Mittwoch vergangener Woche offensichtlich eine Rote Linie überschritten: Direkt nach dem Ende Bauausschusssitzung ist er von Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) mit scharfen Worten zurechtgewiesen worden.

Neuner („ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass keine Öffentlichkeit mehr hergestellt war“) hatte durchaus noch einige Zuhörer, als er auf Meiser zuging und dem ÖDP-Rat im persönlichen Gespräch ungewöhnlich deutlich die Meinung sagte. „Unmöglich“ seien dessen Äußerungen gegenüber Ordnungsamtschef Ernst Müller gewesen, er könne sie als dessen Chef so nicht hinnehmen.

Blitzer-Austausch

Was war geschehen? Nach langer erneuter Debatte um zusätzliche Verkehrsberuhigung in der Iglinger Straße wollte Petra Kohler-Ettner (CSU) wissen, warum über den Vorschlag, den Standort des Radarmessfahrzeug regelmäßig zu wechseln, nicht abgestimmt wurde. „Weil wir das ohnehin tun“, so Müller, der zuvor erläutert hatte, dass aus technischen Gründen nur drei Stellen für eine Aufstellung des „Blitzers“ infrage kämen. „Und zwischen denen tauschen wir ständig durch“.

Daraufhin ließ sich Meiser, selbst Anwohner der Iglinger Straße, zum folgenschweren Zwischenruf hinreißen: „Das stelle ich in Abrede, das stelle ich ganz offen in Abrede“. Das wiederum erzürnte Müller sichtlich. „Sie bezichtigen mich hier der Lüge, das ist nicht korrekt. Sie können bei mir die Liste einsehen, in der genauestens vermerkt ist, wann das Fahrzeug wo aufgestellt wurde.“

Bereits zu Beginn der Diskussion um den Brief der Bürgerinitiative „Für ein verkehrsberuhigtes Landsberg Nord-West“ hatte Meiser in Richtung Ernst Müller gemeint, diesem werde „ja oft nachgesagt, dass Sie die Dinge rechtlich auseinanderfieseln und wenig Energie auf eine Lösung verwenden“.

Tatsächlich hatte der Leiter des Amtes für Öffentliche Sicherheit und Ordnung viel Aufwand betrieben, um zu den sieben Einzelforderungen der Initiative Stellung zu nehmen – und war zu kritischen Ergebnissen gekommen. In den meisten Fällen sah die Mehrheit im Ausschuss das allerdings ähnlich und folgte Müllers Bedenken. Geänderte Ampelschaltungen an den Kreuzungen der Carl-Friedrich-Benz-Straße wurden einstimmig abgelehnt, die Aufstellung von Pollern oder Blumenkübeln wollten nur zwei der zwölf Mitglieder. Zwei der drei gewünschten Zebrastreifen (davon einer über die bestehende Fußgänger- und Radler-Unterführung) wurden gar mit 0:12 abgelehnt. Enger wurde es mit dem Fußgängerüberweg auf Höhe der Lindenallee – bei 6:6 Stimmen gilt aber auch dieser als durchgefallen.

Parkverbot aufgehoben

An eine Änderung – und somit einen Teilerfolg für die Bürgerinitiative – werden sich die Verkehrsteilnehmer künftig allerdings gewöhnen müssen: Mit 7:5 stimmte der Bauausschuss dafür, an einigen Stellen das bestehende Parkverbot aufzuheben. Damit müssen die Autofahrer künftig bei Gegenverkehr hinter abgestellten Fahrzeugen warten. So könne der Verkehr „entschleunigt“ werden, hatten die Anwohner argumentiert.

Dass damit der große Wurf noch nicht gelungen ist, war offenbar allen Beteiligten klar. „Wir wollen von einer autogerechten zu einer wohngerechten Straße, aber mit den vorge- sehenen Maßnahmen habe ich so meine Schwierigkeiten“, meinte etwa CSU-Rat Berthold Lesch und hoffte auf das Projekt „Soziale Stadt“, bei dem man in größerem Zusammenhang umbauen könnte.

Da warnte dann allerdings wieder für die Verwaltung Ernst Müller. „Die Iglinger Straße ist einmal als Kreisstraße ausgebaut worden. Die ,große Lösung’ ist ganz einfach, man müsste sie zur Wohnstraße zurückbauen.“ Dabei kämen aber auf die Anwohner wieder Kosten zu. „Wenn die Leute hören, um wieviel Geld es dabei geht, ist die Diskussion meistens schnell beendet.“

Christoph Kruse

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