Wieder freie Fahrt für Brummis?

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Nicht nur das Lkw-Durchfahrtsverbot, sondern möglicherweise auch die Tempo 30-Regelung in der Iglinger Straße steht auf der Kippe.

Landsberg – Dieser Schuss ist kräftig nach hinten losgegangen: Weil eine Landsberger Familie in ihrer Straße unbedingt eine Sperrung für Lastwagen durchsetzen wollte und sich dabei auf das Lkw-Durchfahrtsverbot in der Iglinger Straße und der Ahornallee berief, steht genau dieses jetzt auf der Kippe.

„Die Regierung von Oberbayern hat die Unterlagen bereits angefordert und die Sperrung überprüft“, bestätigt Ernst Müller, Leiter des Amtes für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Eine Woche später sei schon die Stellungnahme bei ihm eingegangen – und die war eindeutig: Bereits in der Sitzung am heutigen Mittwoch (18 Uhr) wird Müller dem Ausschuss empfehlen, das seit 1999 geltende Durchfahrtsverbot aufzuheben – nicht auf sein Be­treiben hin, wie der Amtsleiter betont. „Für eine solche Sperrung gibt es sehr hohe Hürden“, so Müller, „wir haben das damals ohne Verkehrszählung einfach angeordnet, das ist durchaus im Grenzbereich.“ 

An dem Durchfahrtsverbot störte sich zwar 15 Jahre lang niemand – bis sich jetzt aber die Landsberger Familie aus einer anderen Straße gegenüber der Regierung darauf berief. Die Behörde hat der Stadt bereits mitgeteilt, dass „erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Anordnung“ bestehen, da die hohen Anforderungen an eine solche Maßnahme nicht gegeben seien. 

„Der alleinige Zweck, den Lkw-Verkehr aus diesem Stadtviertel herauszuhalten“ genüge jedenfalls nicht, teilte man offiziell mit, andere Gründe könnten nicht erkannt werden. Es dürfte auch nichts bringen, wenn der Bauausschuss die Aufhebung ablehnt. „So einfach ist das leider nicht“, erläutert Müller, „wenn wir sagen, das interessiert uns nicht und wir behalten die Sperrung bei, bekommen wir eine Anordnung von der Regierung.“ 

Ernst Müller setzt jetzt auf eine Verkehrszählung, falls das Verbot aufgehoben wird. „Entweder wird es nicht wesentlich mehr Schwerverkehr, dann wäre ja allen gedient. Und falls der Verkehr doch sehr erheblich zunimmt, könnte man versuchen, wieder eine Sperrung zu genehmigen.“ 

Mit ihrem Vorstoß zur Straßensperrung hat die Landsberger Familie die Bezirksregierung aber offenbar erst richtig auf den Geschmack gebracht. In München überprüft man inzwischen noch andere Anordnungen. Dabei soll es auch um Tempo 30 in der Iglinger Straße gehen. „Es stellt sich die Frage, wie groß der Anteil des Quell- und Zielverkehrs und wieviel überörtlicher Verkehr ist. Tatsächlich wandeln wir auch da auf einem schmalen Grat“, bestätigt Müller, der aber ankündigt: „In diesem Fall werde ich mich mit Händen und Füßen wehren.“ 

Die Geschwindigkeitsreduzierung habe bei den Autofahrern spürbar gewirkt. „Zu Beginn hatten wir bei Geschwindigkeitskontrollen noch 280 verwarnte Fahrzeuge pro Tag, jetzt sind es noch 60 bis 80, das sind nur zwei bis vier Prozent des Verkehrs. Wir haben da also durchaus etwas geschafft“, zeigt sich der Ordnungsamtschef zufrieden.

Christoph Kruse

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