Der Lappen ist vorerst weg

Illegales Auto-Rennen auf der alten B17 bei Kaufering

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Autorennen nehmen auch im Landkreis Landsberg immer mehr zu. Zwei Beschuldigte klagten gegen den Führerscheinentzug - bekamen vor Gericht aber gerade nochmal die Kurve.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Landsberg – Weil sie ein illegales Autorennen veranstaltet haben sollen, wurden zwei junge Männer aus dem Landkreis per Strafbefehl zu Führerscheinentzug und Geldstrafen verurteilt. Dagegen zogen sie vor Gericht. Weil sich ihre Situation aber eher zu verschlechtern drohte, bekamen sie noch rechtzeitig die Kurve. 

War es überhaupt ein illegales Autorennen, was sich am Silvestertag 2020 auf der alten B17 zwischen Kaufering und Hurlach abspielte? Oder, wie die beiden Verteidiger Dr. Silke Ackermann und Stefan Ackermann nachzuweisen versuchten, nur eine Abfolge von riskanten Überholmanövern, weil man halt schnell ans Ziel kommen wollte? Vor Strafrichter Michael Eberle schwiegen die beiden Angeklagten, ein 21-jähriger Elektriker aus Landsberg und ein 22-jähriger Heizungsbauer aus dem südlichen Landkreis.

Dafür sagten zwei Zeugen gegen die Männer aus. Ein 40-Jähriger berichtete, er sei an jenem Tag gegen 16.30 Uhr etwa auf Höhe der Staustufenabfahrt von zwei schwarzen Autos – einem 5er BMW und einem Mercedes C300 – überholt worden. Mit 150 bis 170 Stundenkilometern seien die beiden an ihm „vorbeigeschossen“ und hätten danach weitere Fahrzeuge sowie sich gegenseitig überholt. Sie seien auch ein Stück nebeneinander hergefahren, wobei der Linke erst eingeschert sei, als Gegenverkehr auftauchte.

Der 29-jährige Fahrer eines Opels war ebenfalls von den beiden Angeklagten überholt worden und hatte die waghalsigen Fahrmanöver beobachtet. Von einem illegalen Rennen wollte er zwar nicht sprechen. Doch er hatte gesehen, dass ein entgegenkommender Pkw nach rechts ausgewichen sei, „weil er wahrscheinlich Angst gehabt hat“.

Kurz darauf entdeckte der 40-Jährige die beiden Raser-Autos an einer Tankstelle, die als Treffpunkt der Tuning-Szene gilt. Auch der Opel-Fahrer hatte hier gehalten, in der Schlange vor der Waschanlage. Der 40-Jährige benachrichtigte die Polizei und benannte den 29-Jährigen als weiteren Zeugen, nachdem er sich dessen Kontaktdaten hatte geben lassen.

Nach Abschluss der Ermittlungen kassierte die Polizei im Februar die Führerscheine der Beschuldigten ein. Per Strafbefehl wurden sie zu je 2.400 Euro Geldstrafe und elf Monaten Fahrverbot verurteilt. Weil die beiden dagegen Einspruch erhoben, landete der Fall vor dem Amtsgericht.

Richter Michael Eberle ließ nach der Zeugenvernehmung jedoch erkennen, dass das Urteil nicht im Sinne der Angeklagten ausfallen könnte. Im Raum stand sogar die „Einziehung der Tatmittel“, sprich, die Beschlagnahme der beiden Autos, für die die Angeklagten nach eigener Aussage hohe Kredite aufgenommen hatten.

So zogen die beiden beschuldigten Männer ihren Einspruch zurück und akzeptierten damit auch die Sanktionen aus dem Strafbefehl. Es sei ihm schon klar, dass die lange Zeit ohne Führerschein ihnen wehtäte, so Eberle. „Aber es ist unheimlich gefährlich, wie Sie gefahren sind.“ Sie sollten sich nicht mit derartigen Aktionen ihr Leben kaputt machen, gab er den beiden mit auf den Weg.

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