Patronen, Schwarzpulver, Panzerbrandgranate

Illegales Munitionslager bei 71-Jährigem aus dem Ammerseeraum 

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24.735 Patronen fand man bei einem 71-Jährigem aus dem Landkreis Landsberg.

Landsberg – Die Liste der Anklagepunkte klang dramatisch. Wegen Verstößen gegen das Waffen-, das Sprengstoff- und das Kriegswaffenkontrollgesetz stand jüngst ein 71-Jähriger vor dem Schöffengericht Landsberg. Der Mann hatte in seiner Wohnung Unmengen an Munition sowie explosionsgefährliche Stoffe und Teile einer Kriegswaffe aufbewahrt. In der Verhandlung saß dann jedoch kein durchgeknallter Waffennarr, sondern ein sympathischer Eigenbrötler.

Der Sportschütze flog im vergangenen Jahr aus seiner Wohnung im Ammerseeraum – er hatte eine Mieterhöhung verschwitzt und monatelang zu wenig bezahlt. Von dem Verfahren, das letztlich zur Zwangsräumung führte, wollte er nichts mitbekommen haben, doch im Mai 2019 rückte zur Räumung eine Gerichtsvollzieherin mitsamt Polizei an. Die Beamten staunten nicht schlecht, als sie in der Wohnung auf ein Patronenlager, drei Kilo Schwarzpulver, 26,5 Kilo Nitrocellulosepulver und eine Panzerbrandgranate stießen, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt. Auch Schusswaffen und Kampfmesser, ein Bajonett und eine Schreckschusspistole besaß der Mann.

All diese Dinge waren ordnungsgemäß in zwei Safes verschlossen. Der Mann legte auch die entsprechenden Genehmigungen vor: Waffenbesitzkarte, sprengstoffrechtliche Erlaubnis sowie die Erlaubnis zum Wiederladen. Als Mitglied in einem Schützenverein hatte er jahrelang Kurse gegeben, wie leere Patronenhülsen wieder einsatzfähig werden. Nur waren alle seine Genehmigungen wenige Wochen vor der Zwangsräumung abgelaufen. „Ich hätte sie beim Landratsamt neu beantragen müssen“, räumte der 71-Jährige ein. „Daran hatte ich diesmal nicht gedacht.“

Unter den 24.735 aufgefundenen Patronen befanden sich 3.289, die er nicht hätte besitzen dürfen. Auch die Gesamtmenge überschritt das Erlaubte. Am schwersten ins Gewicht aber fiel eine 18 Zentimeter lange Patrone für eine Panzerbrandgranate. „Ich wusste nicht, dass sie unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fällt“, gab der 71-Jährige an.

„Ihr Leben ist, vorsichtig ausgedrückt, etwas chaotisch“, beschied Richter Alexander Kessler dem nicht vorbestraften Angeklagten. Seitdem er seine Wohnung verloren hat, lebt der Rentner in einem Holzhäuschen auf seinem Grundstück. Ein zugelassenes Wohngebäude ist die Hütte nicht, eine Meldeadresse hatte er ebenfalls nicht. Im Grunde sei er obdachlos, berichtete der ehemalige Facharbeiter. Es gefalle ihm aber gut in dem Häuschen, das er nur mit einer zugelaufenen Katze teilt.

„Der Angeklagte ist ein enormer Sammler“, sagte Staatsanwältin Birgit Milzarek-Sachau in ihrem Plädoyer. Dass er den Großteil seiner Patronen legal habe besitzen dürfen, relativiere die gut 3000 illegalen „ein bisschen“. Dennoch sah die Anklagevertreterin hier potentiell eine „enorme Gefährlichkeit“. Sie forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung – und genauso lautete dann auch das Urteil. Außerdem muss der 71-Jährige 1.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen – und sich unverzüglich an seinem Wohnort anmelden.
Ulrike Osman

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