Gibt es unbekannte Daten?

Im Inselbad Landsberg ganzjährig Essen und Feiern

Terrasse Inselbad beim Saubermachen
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Die Terrasse des alten Gebäudes ist bereit für die Öffnung. Im geplanten Neubau nach der Sanierung, die 2023 abgeschlossen werden soll, könnte die Gastro ganzjährig öffnen. Im Hintergrund ist der Abbau des Sprungturms zu sehen.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Landsberg – Das Inselbad soll im Bestand saniert und aufgewertet werden – soviel steht seit vier Jahren fest. Ob im Zuge der Maßnahmen eine Ganzjahresgastronomie entstehen kann, die auch als Veranstaltungsort nutzbar wäre, will die Stadt jetzt prüfen lassen. Der Beschluss fiel im Pandemieausschuss nach längerer Diskussion, wobei ein grundsätzliches Problem zutage trat. Eine Handvoll Ratsmitglieder gehört dem Verwaltungsrat der Stadtwerke an und weiß mehr, als in öffentlichen Stadtratsdiskussionen gesagt werden darf. Das sorgte für Irritationen.

Für die Landsberger ist das Inselbad seit jeher ein Juwel, dessen Charakter gewahrt werden soll. Aus Sicht der Stadtentwicklung wird seine Bedeutung noch steigen, wenn das Quartier am Papierbach fertiggestellt ist und der Lady-Herkomer-Steg als neuer Altstadtzugang in unmittelbarer Nähe des Inselbads anlandet. Der gesamte Bereich zwischen Lech, Sportanlagen, Infanterieplatz und dem Freibad erfahre dann „einen deutlichen Bedeutungszuwachs als verkehrlicher und sozialer Stadtraum“, wie es im Sachvortrag hieß.

Dem Inselbad komme bei der Neugestaltung der Ankunftssituation eine zentrale Funktion zu. Eine reine Sommernutzung der Gastronomie sei vor diesem Hintergrund nicht mehr zeitgemäß. Da ohnehin ein neues zweigeschossiges Gebäude angedacht ist, könnte neben einem Kiosk im Erdgeschoss eine Ganzjahresgastronomie im Obergeschoss entstehen. Im Zuge des Planungsprozesses sei jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Möglichkeit zu prüfen, erklärte OBin Doris Baumgartl (UBV) und bat dafür um „ein klares Votum“.

Markus Salzinger (UBV) verstand nicht, dass man darüber überhaupt diskutieren müsse („es verschlägt mir die Sprache“). Eine Gastronomie in der „absoluten Toplage“ des Inselbads – „das funktioniert, kein Risiko“. Ganz anders sah es Christian Hettmer (CSU). Zum einen fehlten ihm eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und „der Beweis“, dass eine reine Sommernutzung nicht sinnvoll wäre. Zum anderen sei es nicht Aufgabe der Stadt, eine Gastronomie zu betreiben.

Unbekannte Daten?

Mehrfach ließ Hettmer durchblicken, dass er als Mitglied des Verwaltungsrats der Stadtwerke über Informationen verfüge, die zeigen würden, dass die Idee nicht funktionieren werde. „Die Daten gibt es, aber sie sind hier nicht bekannt.“ Baumgartl warf ihm vor, mit solchen Äußerungen Unsicherheit zu schüren, für die es keinen Anlass gebe.

Auch Dritter Bürgermeister Felix Bredschneijder (SPD) fand, Hettmer würde in vorliegende Daten Dinge „hineingeheimnissen“. Berechnungen über eine Ganzjahresgastronomie gebe es schlicht noch nicht. Im übrigen habe er keine Lust, „permanent Stadt gegen Stadtwerke zu spielen“. Bredschneijder ist ebenfalls Mitglied im Verwaltungsrat, die Oberbürgermeisterin ist dessen Vorsitzende.

Ob sich eine ganzjährig betriebene Gastronomie positiv oder negativ auf die Finanzsituation des Bades auswirken würde, ist eine Schlüsselfrage. Würden Pachteinnahmen generiert, die die Bilanz aufbessern, oder würde die Stadt ein noch größeres Defizit riskieren als bisher, für das sie letztendlich selber geradestehen müsste? Indes will Baumgartl nicht alles am Geld festmachen. Zwar sei das Kommunalunternehmen Stadtwerke dazu verpflichtet, die Tiefgaragen und das Inselbad wirtschaftlich und sparsam zu führen. Eine Verpflichtung zur Kostendeckung bestehe aber nicht und eine Gewinnerzielungsabsicht schon gar nicht. Beide Betriebe – Tiefgaragen und Inselbad – dienten öffentlichen Zwecken, nämlich der Daseinsvorsorge beziehungsweise der Gesundheitsförderung.

Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) – auch er Mitglied im Verwaltungsrat und demnach im Besitz der von Hettmer angesprochenen Daten – wollte sogar noch weiter gehen. Er fand die Idee einer Gastronomie „zu kurz gesprungen“ und wünschte sich im Inselbad-Gebäude zusätzliche Angebote wie Physiotherapie, Spa und Fitnessstudio – nach dem Motto „mehr Mieter, mehr Benefit“. Eine Weiterentwicklung des Bades zum Wellness-Center war allerdings von den Landsbergern in der Bürgerbefragung von 2017 abgelehnt worden, wie Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) erinnerte.

Letztendlich fiel ein einstimmiger Beschluss, dem auch Hettmer zustimmen konnte. Die Stadt „befürworte“ eine Nutzung als Ganzjahresgastronomie mit der Möglichkeit, öffentliche Veranstaltungen durchzuführen. Die Stadtwerke sollen nun im Zuge der Planungen entsprechende Alternativen erarbeiten und dem Stadtrat vorlegen.

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