Dem Standard gerecht werden

Im Kreisseniorenheim Vilgertshofen wird erweitert – in Greifenberg erst einmal abgerissen 

Kreisseniorenheim Greifenberg
+
Eine „Aneinanderreihung von Erweiterungsbauten“: Das Kreisseniorenheim Theresienbad wird den Pflege-Ansprüchen nicht gerecht. Beim Umbau muss auch abgerissen werden.

Landkreis – Das Kreisseniorenheim Theresienbad in Greifenberg ist nicht mehr up to date: Es mangelt am Brandschutz. Barrierefreiheit ist fast ein Fremdwort. Auch der Zuschnitt der Zimmer und die Anordnung der Bereiche generell entspreche nicht mehr den aktuellen Anforderungen, legte Landrat Thomas Eichinger (CSU) im Kreisausschuss dar. Diese Anforderungen legt das Pflege- und Wohnqualitätsgesetz (PfleWoqG) fest. Und ab 2024 müsse man sie auch nachweisen können. Der Kreisausschuss beschloss ein Konzept zur Sanierung des Heimes – wobei ‚Sanierung‘ hier auch Abriss bedeutet. In Vilgertshofen sieht die Lage besser aus: Dort hat der Landkreis das angrenzende Pilgerheim gekauft und baut so die Pflegeplätze aus. 

Man wolle als Landkreis den Bedarf an Pflegeplätzen „in guter Qualität“ garantieren, so Eichinger. Das sei keine gesetzliche Aufgabe des Landkreises, eher eine „moralische“. Das PfleWoqG schreibe dabei generell größere Zimmer vor. Im Zuge der Baumaßnahmen werde man dann auch den Brandschutz ertüchtigen.

Es seien nicht nur bauliche Themen, die die Großsanierung des Theresienbades bedingen, betonte Bernhard Lachner, Abteilungsleiter Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung. Sondern auch darum, das Seniorenheim attraktiv zu gestalten, um ausreichend Pflegepersonal gewinnen zu können – beispielsweise durch Mitarbeiterwohnungen im Gebäude.

Hochbauamtsleiter Christian Kusch umriss das Grundpro­blem des Theresienbads: „Das Gebäude ist ursprünglich nicht als Pflegeheim gebaut worden.“ Sondern als Unterbringung für Senioren, die noch agil seien. Mittlerweile stehe aber die Pflege im Mittelpunkt. Und diesen Bedarf könne man nicht decken. Eine weitere Schwierigkeit sei die „Aneinanderreihung von Erweiterungsbauten“ des Heims. Eine Sanierung allein sei hier nicht zielführend, man müsse einen „Ersatzbau“ andenken. Ein Abriss der ganzen Anlage sei aber nicht im Gespräch. Auch bei der Größe der Bäder – oder besser gesagt der geringen Größe –sei eine Sanierung nicht machbar: „Die Bäder messen 1,75 auf 1,77 Meter. Ein Rollstuhlfahrer benötigt aber schon einen Radius von 1,50 Meter.“ Zudem erschwerten Schwellen und Stufen in den Zimmern das Gehen.

Die Kosten setzt Lachner bei sechs Millionen Euro für die Brandschutzsanierung an. Für den Bau generell rechne er mit rund 30 Millionen Euro. Mit der Fertigstellung des neuen Baus sei frühestens 2026 zu rechen. Pro Pflegeplatz –man plane rund 100 Plätze – könne man bis zu 60.000 Euro Förderung erhalten.

Man müsse hier schnell entscheiden, betonte Landrat Eichinger. Die alternative sei nur die Schließung des Heimes. Der Landkreis wolle sich jedoch seiner Verantwortung im Bereich Pflegeplätze nicht entziehen, das sei eine „Tradition“. Wolle man die erhalten, müsse man hier bauen.

Renate Standfest (Grüne) regt an, im Rahmen der Neubauten auch Kurzzeit- und Tagespflegemöglichkeiten mitzudenken. Das unterstützte auch der Leiter der Kreisseniorenheime Thomas Söldner. „Die Lebensphase Alter ist vielschichtig.“ Er befürworte ein „niederschwelliges Angebot“ mit einer „Öffnung ins soziale Leben: Manche brauchen auch nur ein Mittagessen.“ Eine Dezentralisierung wie von Standfest vorgeschlagen sah er vorerst nicht: „In Greifenberg sollte man größer denken.“

Gebaut und erweitert werden kann auf dem Grundstück in südwestliche Richtung, auch der gesamte Wald dort gehört dem Landkreis. Aber auch eine „Anbindung an die Gemeinde“ sei wünschenswert, sagte Wilhelm Böhm (CSU).

Geplant sei eine sofortige Einleitung des VgV-Verfahrens, sodass man im Herbst den Auftrag an ein Architekturbüro geben könne, legte Kusch dar. 2022 werde man mit der Brandschutzsanierung starten, von 2023 bis 2026 solle dann das noch zu erstellende Gesamtkonzept umgesetzt werden. Der Kreisausschuss stimmte dieser groben Planung einstimmig zu.

Pilgerheim im Umbau

Die Seniorenunterkunft in Vilgertshofen steht besser da. Hier hat der Landkreis ein angrenzen­des ehemaliges Pilgerheim erworben und baut dort Zimmer für die Pflege, aber auch Mitar­beiterwohnungen ein. Diese würden vom Heimleiter verwaltet – und sollten so flexibel gestaltet sein, dass sie bei Bedarf auch zur Pflege herangezogen werden können.

Insbesondere gehe es darum, den Anteil an Einzelzimmern zu erhöhen, um so eine qualitativ hochwertige Pflege anbieten zu können. Zudem solle der Arbeitgeber attraktiver werden – indem Mitarbeiterwohnungen gebaut werden. Momentan seien pro Stockwerk im Zwischenbau zum Pilgerheim drei Zimmer geplant, zwei weitere im Kopfteil des neuerworbenen Baus. Die Zimmer sollten dabei eine Größe von 15 Quadratmetern haben. Wenn man Tandembäder baue – also ein Bad für zwei Einzelzimmer – könne man noch mehr Zimmer generieren, so Kusch. Dem widersprach jedoch Söldner: Ein Einzelbad sei heute schon meist gewünscht. Allein die Belegung der zwei durch ein Bad verbundenen Zimmer werde zur Herausforderung.

Mit zum neuen Gebäude gehöre ein 400 Quadratmeter großer Garten. Hier sei geplant, einen „geschützten Bereich“ für Demenzkranke einzurichten.

Im Gegensatz zum Theresienbad will der Landkreis den Ausbau des neuen Gebäudes selbst planen. „Wir holen uns aber einen Fachplaner mit ins Boot“, versicherte Kusch. Es sei aber wichtig, das jetzt noch leerstehende Gebäude so schnell wie möglich zu nutzen.

Der Kreisausschuss stimmte der vorgestellten Planung für den Umbau des Pilgerheims ebenfalls einstimmig zu.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dießens »Anschlag auf den Tourismus« am See
Dießens »Anschlag auf den Tourismus« am See
Corona im Landkreis Landsberg: Weiterer Todesfall
Corona im Landkreis Landsberg: Weiterer Todesfall
»Es ist schon sehr pittoresk in Landsberg!«
»Es ist schon sehr pittoresk in Landsberg!«
Dürfte klappen: ein großes Fest zum 900-Jährigen von Utting
Dürfte klappen: ein großes Fest zum 900-Jährigen von Utting

Kommentare