"Immer am Ball bleiben"

Jahrzehntelang die Stadt erforscht und erklärt: Annemarie Fichte und Sieglinde Soyer

Landsberg, das romantische Städtchen am Lech, ist ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Eine wunderbare Art des Kennenlernens sind die zahlreichen Stadtführungen, die in nahezu alle Winkel der Altstadt führen. Wie sich die Stadtführungen langsam entwickelten und was sich in den letzten Jahrzehnten geändert hat, erzählen zwei Stadtführerinnen der „ersten Stunde“, Annemarie Fichte und Sieglinde Soyer.

Fichte und Soyer sind mit Erika Hartmann und Mechthild Huber (der KREISBOTE berichtet über ihre Wirtshausführung) die dienstältesten Gästeführerinnen Landsbergs. Annemarie Fichte war gar die erste weibliche Stadtführerin, als sich die Idee, Stadtführungen anzubieten, gerade durchsetzte. „Das war 1979, ich war im Urlaub in Lüneburg und war so begeistert von einer Stadtführung, dass ich nach meiner Rückkehr zu Oberbürgermeister Hamberger ging und fragte, ob ich auch so etwas machen kann“, erzählt sie. Dieses Angebot stieß auf begeisterte Zustimmung, gab es doch damals nur zwei Studenten, die sich der Touristen annahmen – soweit es ihre Zeit erlaubte. Gemeinsam mit Volks­- schullehrer und Chronist Herbert Regele und dessen Sohn Christoph erarbeitete Fichte „ihre“ erste Stadtführung. Einen regelrechten „Boom“ erlebten die Stadtführungen 1983/84 mit der Themenführung „Nostalgie zur abendlichen Stunde“, einer szenischen Führung, in der drei Stadtführer im historischen Gewand aus „ihrer“ Zeit berichten – die „Geburtsstunde“ der Erlebnisführungen. „Dazu kamen oft mehr als 150 Teilnehmer“, erinnert sich Annemarie Fichte. Und diese Führung war weit über die Grenzen der Lechstadt hinaus bekannt. Bayernweit zog sie die Menschen an, noch Jahre später wurde Annemarie Fichte auf die Nostalgie-Führung angesprochen, einmal sogar während eines Rom-Aufenthalts. „Das war eine sehr schöne Zeit, wir waren ein tolles Trio und der Zusammenhalt war sehr gut“. 1985 stieß Sieglinde Soyer zu den Stadtführern. Auch sie griff den Gedanken der Themenführungen auf. „Landsberg ist eine so schöne mittelalterliche Stadt, da dachte ich, man müsste eine spezielle Mittelalter-Führung machen.“ Gemeinsam mit Iris Kern, einer „Magd“ und einem „Nachtwächter“ lockte sie die Menschen „Auf ins Mittelalter“, eine Einladung, der Interessierte bereits seit 24 Jahren nachkommen. Neuer Verein Seit drei Jahren ist Sieglinde Soyer Vorsitzende des neu gegründeten Vereins „Landsberger Gästeführer e.V.“. Bei der Programmgestaltung war es ihr Ziel, eine spezielle Führung für jedes Viertel der Stadt anzubieten. Ein wichtiges Anliegen ist ihr auch, die Kinder mehr mit der Geschichte ihrer Stadt vertraut zu machen, daher bietet der Verein auch spezielle Kin­der­führungen an – ebenfalls thematisch aufgebaut. „Die Leute wollen nicht mehr nur Jahreszahlen erklärt bekommen, sie wollen etwas erleben“, fasst Annemarie Fichte den programmatischen Wandel zusammen. Beide sind mit ganzer Leidenschaft dabei, denn bei aller Freude steckt eine Menge Arbeit dahinter. Rund ein Jahr dauert es, bis eine neue Stadtführung ausgearbeitet ist, ein Jahr voller Lesen, Recherchieren, Ler­nen und Ausprobieren. Doch Annemarie Fichte, die aus gesundheitlichen Gründen eigentlich weniger Führungen annehmen wollte, überlegt sich schon neue Konzepte. „Man muss immer am Ball bleiben, auch im Alter“, betont sie. Auch Sieglinde Soyer, deren Lieblingsbeschäftigung das Ausarbeiten neuer Führungen ist, hat Weiterbildungen und ein Studium absolviert, das sie in ihre künftige Arbeit einbringen will. Eine philosophische Führung mit Kindern steht als nächstes auf ihrem Plan. Doch im Augenblick ist sie noch als „Stadthex“ und „Mit Pauken und Trompeten“ unterwegs, doch auch sie will sich langsam zurückziehen. „Wir ,Alten‘´ haben die Stadtführungen aufgebaut, jetzt muss die Jugend zum Zug kommen“. Ganz loslassen werden die langjährigen Gästeführerinnen wohl nicht, haben sie doch noch viele Ideen.

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