"Massive" Nachfrage an Waffen

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Schreckschusspistolen gehören zu den „Freien Waffen“, die Joachim Krebs in seinem Waffengeschäft in Landsberg anbietet. Seit Silvester ist die Nachfrage bei ihm gestiegen.

Landkreis – 50 bis 60 Personen stehen auf der Warteliste von Joachim Krebs, der in Landsberg ein Waffengeschäft betreibt. Sie alle wollen Pfefferspray kaufen – doch das ist deutschlandweit ausverkauft. Gleichzeitig steigt auch die Zahl derer, die sich eine Schreckschuss­pistole zulegen wollen. Auch das Landratsamt merkt diesen Trend seit Wochen deutlich: Hier werden immer mehr Anträge für den sogenannten „Kleinen Waffenschein“ gestellt.

Einen „massiven Anstieg“ an Anträgen für den Kleinen Waffenschein bestätigt Pressesprecher im Landratsamt Wolfgang Müller. Im Jahr 2014 waren insgesamt 20 von der Behörde ausgestellte Genehmigungen zu verzeichnen. In diesem Jahr seien schon 23 solcher Anträge beim Landratsamt eingegangen. Über die Gründe dafür könne man nur mutmaßen, so Müller. Für Joachim Krebs steht allerdings fest: „Nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht ging die Nachfrage nach oben.“ Offenbar hätten die Leute seitdem ein größeres Bedürfnis nach Sicherheit.

Eine Schreckschusspistole kann grundsätzlich jeder ab 18 Jahren kaufen. Einzige Voraussetzung: Er muss eine schriftliche Belehrung mit Legitimation durch Lichtbildausweis unterschreiben. Dann darf er die Waffe in seinen eigenen vier Wänden besitzen. Auf offener Straße hingegen darf die Schreckschusspistole nicht ohne weiteres mitgeführt werden. „Das ist eine echte Straftat“, erklärt Wolfgang Müller. Dafür ist der Kleine Waffenschein nötig. Für einen Antrag für den Waffenschein muss der Antragsteller keine Begründung angeben, wie Müller ausführt.

Vom Landratsamt werden dann die Registerauszüge auf Vorstrafen untersucht. Zudem muss der Antragsteller „körperlich und geistig geeignet“ und darf weder alkohol- noch drogenabhängig sein. Die behördliche Erlaubnis kostet etwa „60 Euro aufwärts“, so Müller. Der Verkauf von Schreckschusspistolen sei in seinem Laden seit Beginn des Jahres um das Dreifache gestiegen, so Krebs. Ein Drittel der Käufer seien hier Frauen. Um etwa das Hundertfache angestiegen ist dagegen, laut Krebs, der Verkauf von Pfefferspray. Und zwar so, dass er bereits eine Warteliste führen muss, da das Abwehrmittel zwischenzeitlich in ganz Deutschland vergriffen ist. Beim Kauf von Pfefferspray lägen aber ganz eindeutig die Frauen vorne, so Krebs.

Wer eine Schreckschusspistole bei ihm kauft, der erhält auch eine Empfehlung von dem 56-Jährigen: Zur Abschreckung reiche in der Regel eine Platzpatrone, beispielsweise um einen Einbrecher in den eigenen vier Wänden zu verjagen. Außerdem sollte man die Handhabung der Waffe üben und die Technik verstehen. „Sonst bringt das im Ernstfall auch nichts“, so Krebs. Etwas anders sieht das Franz Kreuzer, Sprecher der Polizei Landsberg: Solche Schreckschusspistolen stellen aus seiner Sicht nur einen „vermeintlichen Schutz“ dar.

Auch vom Schuss mit einer Platzpatrone zur Abschreckung würde er abraten: „Das kann in die Hose gehen, wenn Sie auf einen rücksichtslosen Täter treffen“, so Kreuzer. Auch das in letzter Zeit viel verkaufte Pfefferspray sieht der Polizeihauptkommissar kritisch: Auch damit müsse man umgehen können. Im Endeffekt müsse das aber jeder für sich selbst entscheiden, so der Polizeisprecher.

Astrid Erhard 

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