Zu wenig Impfstoff

Impfungen: Der Unmut im Landkreis Landsberg steigt

Landrat Thomas Eichinger im Wartebereich des neuen Impf-Gebäudes in Penzing.
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Erst vor Kurzem ist das Impfzentrum in Penzing umgezogen - um mehr impfen zu können. Ohne Impfstoff wird das aber schwierig.

Landkreis – Für die Impfzentren in Bayerns Landkreisen gibt es Sockelbeträge: ein Minimum an Impfdosen, das einem Impfzentrum pro Woche garantiert wird. Dass selbst diese Sockelbeträge Schall und Rauch sind, zeigt sich momentan beim Impfzentrum in Landsberg. Wurden am Montag vergangener Woche noch Lieferprognosen von wöchentlich 3.600 Impfdosen seitens des Ministeriums angegeben, waren es zwei Tage später nur noch 2.796 – weitaus weniger als der Sockelbetrag. Denn der liegt für das Impfzentrum Penzing bei 3.250 Impfdosen.

Auch für Juni werde man nicht die gewünschte Menge an Impfstoff erhalten, leitete Landrat Thomas Eichinger die Pressekonferenz ein, deren Grundtenor wütende Resignation war. Der vielerorts seitens Politikern gerühmte Impfturbo versandet offensichtlich auf dem Weg in die Realisierung. „Woher kommt die Euphorie der Politiker?“ fragte sich Impfzentrumsleiter Peter Rasch. Und nannte dazu die bisher prognostizierte Mengensteigerung der Impfdosen im Juni um sagenhafte 50 auf 3.625.

Wie unzuverlässig selbst diese Prognosen seien, habe sich ja bereits anhand der versprochenen Mengen für die vergangenen Woche gezeigt. Von den gelierten 2.796 Dosen müsse man zudem noch die Zweitimpfungen abziehen – sodass man letztendlich bei 1.400 Erstimpfungen pro Woche lande. Gehe es in diesem Tempo weiter, „macht mir mein Job auch an Weihnachten noch viel Freude“, so Rasch zynisch.

Mit ein Grund für die Reduzierung sei, dass statt 600 Dosen von Johnson & Johnson nur 50 gekommen seien. Zudem die Einschränkung dieses Impfstoffes auf Menschen über 60 Jahren. Eigentlich habe man damit die Menschen in den Notunterkünften versorgen wollen – die meistens weit unter 60 Jahre alt seien.

Planung unmöglich

Durch die Schwankungen der Lieferungen sei eine Planung kaum möglich. Auch was die personelle Besetzung des Impfzentrums angehe, gab Rasch zu bedenken. So habe er letzte Woche mehr Personal eingeplant, als eigentlich notwendig war. „Das ist auch eine Verschwendung von Steuergeldern.“

Ein weiteres „Ei, das man uns gelegt hat“, ist laut Rasch die Information, dass der Zweitimpftermin bei AstraZeneca vorgezogen werden könne – was in der Software BayImco nicht möglich sei. Man könne Termine tatsächlich nur nach hinten verschieben. Erkläre man das den Anrufern, reagierten diese erzürnt, „teils unverschämt“.

Momentan sei man im Landkreis am Ende der Priorisierungsgruppe 2 angekommen, berichtete Rasch. Hier habe man 16.032 Personen registriert, 12.931 seien einmal geimpft, 2.761 seien eingeladen. In der Prio 3 habe man 13.340 Personen registriert. Grundschul- und Kitapersonal seien alle einmal geimpft, die Lehrer weiterführender Schulen würden demnächst eingeladen.

Mit Stand 11. Mai lag die Impfquote im Landkreis bei 31,35 Prozent bei den Erstimpfungen – bayernweit waren es 33,9 Prozent – und bei den Zweitimpfungen bei 8,7 Prozent – bayernweit 9,2 Prozent. Wie viele Personen im Landkreis sich impfen lassen wollen, ist nur scher abzuschätzen, da viele sowohl beim Hausarzt als auch beim Impfzentrum registriert seien, so Eichinger. Zudem impfe man auch Personen, die nicht im Landkreis lebten, hier aber arbeiteten. Manche Personen hätten sich doppelt über die Software BayImco registriert – was auch dazu führe, dass bereits Geimpfte dann nochmals einen Aufruf zum Impfen erhielten informierte Rasch. Denn BayImco könne diese Dubletten nicht herausfiltern.

Sand im Getriebe

Auf die Frage, warum der Landkreis so wenig Impfstoff erhalte, konnten Eichinger und Rasch keine Antwort geben: Man bekomme keine „echten Informationen“. Starnberg erhalte wohl mehr, da dort viele Krankenhäuser seien, vermutete Eichinger, andere Landkreise mit höheren Inzidenzwerten hätten wohl auch mehr Impfdosen erhalten.

Allerdings seien die Impfzentren durch die Übergabe der Impfungen an Hausärzte „ein Stück aus der Reihe genommen“, urteilte Eichinger. Hier habe der Freistaat „sein Versprechen nicht gehalten“, sei doch im April noch angeordnet worden, die Impfzentren auszubauen. So könnte das Impfzentrum auf dem Fliegerhorst nach dem Umzug in das neue Gebäude (der KREISBOTE berichtete) eigentlich 7.000 Impfungen pro Woche durchführen. Die Anfrage, warum an Feiertagen nicht geimpft werde, sei insofern nichtig. Man könne jetzt schon mangels Stoff die Tage nicht mit Terminen ausfüllen.

Ein Landkreis erhält ein an der Einwohnerzahl gemessenes Kontingent an Impfdosen. Impfen mehr Hausärzte, bleibt weniger für die Impfzentren. Auch das könne ein Grund sein, dass Starnberg mehr Impfstoff erhalte, vermutet Eichinger. Denn dort sei die Hausarztdichte wesentlich dichter als im Landkreis Landsberg – oder generell im ländlichen Bereich. „Das ist eine Bevorteilung Stadt über Land.“

Die Impfung seitens der Hausärzte hätte zudem zu einer hohen Intransparenz geführt. Jeder kenne jemanden, der eigentlich nicht priorisiert, aber dennoch bereits vom Hausarzt geimpft worden sei, sagte Eichinger. Zudem trage die seit Montag abgeschaffte Impfpriorisierung aller Impfstoffe bei den Hausärzten zu einer laut Eichinger „Ungerechtigkeit“ bei. Die Impfhierarchie halte er weiterhin für sinnvoll. Sie aufzubrechen, sei „ein politischer Fehler“, der zurecht bei der Bevölkerung für Unmut sorge.

Was wird aus Penzing

Seitens der BImA habe man bisher keine Zusage bekommen, dass man die für das Contact Tracing Team angemieteten Räume auf dem Fliegerhorst über den 30. September hinaus verlängern könne. Der Betrieb des Impfzentrums habe der Freistaat bis 30. September garantiert, auch die Kostenübernahme. Wie es danach weitergehe, sei ungewiss. Laut Biontech-Hersteller sei ein Auffrischung der Impfung nach einem Jahr zu empfehlen. Und diese könne nicht durch die Hausärzte allein gestemmt werden, ist Eichinger überzeugt.

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