„Würden auch an Weihnachten impfen“

Impfungen im Landkreis Landsberg vielleicht schon an Weihnachten?

Tower-Gebäude Fliegerhorst bei Penzing
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Das Impfzentrum im Gebäude des ehemaligen Towers auf dem Fliegerhorst bei Penzing ist fertig. Vielleicht finden erste Impfungen bereits an Weihnachten statt.

Landsberg– Vielleicht sind auch im Landkreis Impfungen bereits an Weihnachten möglich? Das Impfzentrum im Fliegerhorst bei Penzing sei eigentlich fertig, berichtet Landrat Thomas Eichinger im Pressegespräch. Momentan gebe es nur noch Probleme mit der Software. Nächste Woche soll aber ein Probelauf – mit funktionierender Software – stattfinden. Und im Anschluss könnten die ersten Personen der Risikogruppe über 80 Jahre geimpft werden.

Ein wenig Bauchschmerzen bereiteten ihm die verfügbaren Impfdosen, so Eichinger. Deutschlandweit werden rund 600.000 des Impfstoffes von Pfizer/Biontech ausgeliefert, davon kämen rund 100.000 wohl nach Bayern, rechnet Eichinger. „Das, was dann im Landkreis verfügbar sein wird, wird wohl nicht für alle Menschen über 80 reichen.“ Dennoch werde man die betreffende Personengruppe über die Gemeinden kontaktieren. „Wir hoffen natürlich auch auf eine ausreichende Resonanz, dass genügend Menschen da sind, die sich impfen lassen wollen.“ Wann der Rest der Bevölkerung geimpft werden könne, wisse man noch nicht genau. Ab Februar stehe wohl auch der Impfstoff von Moderna zur Verfügung, hofft Eichinger. Wenn der Impfstoff, der normalerweise bei -70 Grad gekühlt werden muss, im Impfzentrum ankomme, habe man maximal vier Tage Zeit, ihn anzuwenden. „Wir scheuen nicht davor zurück, gegebenenfalls auch an Weihnachten zu impfen.“

Vor Ort seien zwei stationäre Teams, das THW unterstütze mit 60 Mann, die in zwei Schichten arbeiten. Betrieben wird das Impfzentrum von den Johannitern Oberbayern. Und damit Der Fliegerhorst besser erreichbar ist, werde man eine Buslinie einrichten, verspricht Landrat Thomas Eichinger.

Das Pandemiezentrum sei weiterhin auch logistisch wichtig. Man benötige zudem aber noch eine Möglichkeit der Unterbringung für Patienten, die keine akute klinische Behandlung mehr benötigten, aber noch infektiös seien – sozusagen eine Überlaufstation, um beispielsweise Menschen zu versorgen, die aufgrund ihrer Infektion mit dem Coronavirus nicht zurück ins Pflegeheim könnten. Dafür sei man momentan mit den Nachbarlandkreisen im Gespräch. Ein Problem seien hierbei die gesetzlichen Gegebenheiten, die momentan nur eine Unterbringungsmöglichkeit für maximal zehn solcher Personen vorsehe. Eichinger sieht Psychosomatische Kliniken als Möglichkeiten, dort diese Menschen vorübergehend unterzubringen. Aber auch ein Hotel wäre generell möglich. „Das Problem ist aber auch hier das fehlende Personal.“

Aufgrund des Katastrophenfalls habe das Landratsamt auch wieder den Pandemie-erprobten Versorgungsarzt Dr. Markus Hüttl ins Team gerufen. Er helfe dabei, grundsätzliche Abläufe in den verschiedenen Institutionen dem momentanen Geschehen anzupassen – ein nicht immer einfacher, aber notwendiger Prozess. „Er fordert viele Veränderungen, die die Gewohnheiten aufbrechen.“ Man wolle aber nicht der Entwicklung hinterherlaufen, sondern im Vorhinein auf Experten setzen, um gut gerüstet zu sein. „Man muss jetzt vom Ergebnis her denken.“

Mit der Unterstützung Dr. Hüttls und Dr. Thomas Weilers, Ärztlicher Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz in den Landkreisen Starnberg, Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg, sei es gelungen, das Klinikum Landsberg so umstrukturieren, dass Betten für die Behandlung von Corona-Patienten freigehalten werden könnten, „mit einem Schwerpunkt auf der Intensivbehandlung“. Der Landkreis werde hier zu einer Art ‚Kontrollorgan‘: „Wir schauen über die Einrichtungen drüber – das eigene Haus und andere.“

Auch die Infektambulanz und das Infektmobil könnten in den kommenden Tagen wieder an den Start gehen, so Eichinger. Man wolle sich „nicht ins Geschäft der Hausärzte mischen“, aber allen Menschen rechtzeitig und ausreichend helfen können. Ebenfalls werde man über Verschärfungen der Maßnahmen in den Pflege- und Seniorenheimen nachdenken müssen.

Er bleibe bis zum 23. Dezember im Büro, so Eichinger. Weihnachten verbringe er im engen Familienkreis. Sorgen habe er in Bezug auf die Menschen, die aufgrund von Isolation und Distanz psychische Probleme entwickelten. Die Maßnahmen seien somatisch notwendig, psychisch jedoch auch problematisch. „Wir haben eindeutig mehr psychische Auffälligkeiten.“ Deshalb trage Weihnachten für ihn dieses Jahr zwei Gesichter: die Ruhe und Nähe zur Familie. Andererseits aber auch das Wissen über einige, die sehr alleingelassen seien.
Susanne Greiner

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