Sie wollen nur spielen

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 Die ImproLLetten zum Thema Weltmeisterschaft im Kartoffelschälen: Das Schälmesser in der einen, die Kartoffel in der anderen Hand wird mit neidischem Blick die Technik des Gegners ausgespäht.

Landsberg – Sechs Spieler, alle tragen schwarz, eine kleine Bühne, keine Requisiten; Mehr brauchen die „ImproLLetten“ nicht, um ein Feuerwerk an Spielwut und guter Laune zu erzeugen. Am Samstag gab’s sie im Wirtshaus am Spitalplatz zu bewundern. Improvisationstheater, das ganz nah am Zuschauer ist: Stichworte vom Publikum werden sofort in kleine Szenen umgesetzt, mit viel Humor und großer Mimik. Zwei Zuschauer durften sogar auf der Bühne die Puppen tanzen lassen.

„Jetzt fängt’s gleich an!“ Zwei Touristen freuen sich auf das berühmte Glockenspiel des Münchener Rathauses. Eine kleine Szene, die die ImproLLetten nach dem Zuschauerstichwort „Marienplatz“ spielen. Nur wenige Sekunden, dann friert die Szene ein, einer der beiden Schauspieler wird ausgewechselt und aus der bestehenden Situation entsteht etwas völlig Neues: Eine Krankenschwester, die rabiat ein Transplantat einsetzen will, ein Mann der einen Heiratsantrag macht.

Oder zwei Gegenstände und ein Genre. Mit Nudelholz, Sense und Stummfilm kann sich jeder ausmalen, was für amüsante Szenen entstehen. Wenn dann das Genre zum Science Fiction wechselt, schließlich zum Horrorfilm, können die sechs Schauspieler zeigen, wie wandlungsfähig sie sind. Nicht zu vergessen die Hexen, die beim historischen Ereignis „Hexenverbrennung“ auftreten: Die schöne Hexe aus dem Osten und die hässliche aus dem Westen – wobei die Hässliche Vorteile hat: „Ich komm von der oberbayerischen Seiten! Und die Schönen verbrennens immer zuerst!“

Ein Fest für die Lachmuskeln sind auch die Weltmeisterschaften im Kartoffelschälen, bei dem sich das Ehepaar Escobar als Konkurrenten gegenübersteht. Highlight ist aber „Marionetten-Bewegen“: Zwei Zuschauer dürfen auf der Bühne zwei Schauspieler-„Puppen“ bewegen. Stichwort dazu: Bogenschießen. Dass es gar nicht so leicht ist, Robin Hood und seine Marian die Pfeil-und-Bogen-Bewegungen nachahmen zu lassen, zeigt sich an den obskuren Verrenkungen, zu denen die „Puppen“ veranlasst werden.

Den furiosen Schluss macht das Nachspielen von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Während Musiker Ingo das altbekannte Thema des Weihnachtsklassikers klimpert, gibt die Truppe Aschenbrödel samt Schwestern, Stiefmutter und Prinz. Ja, sogar ein märchenfremder Frosch taucht auf, der nur unter großen Mühen wieder weichen will. Manch einer scheint das Märchen tatsächlich noch nicht zu kennen. Und wenn sich die Mannschaft dann dem Zeitraffer verschreibt und das Aschenbrödel mit seinen drei goldenen Nüssen letztendlich in sechs Sekunden auf die Bühne bringt, zeigt das wahre Spielfreude.

Die ImproLLetten wurden von Steffi Wieczorek und Daniela Moritz, beide in Landsberg lebend, gegründet. Der nächste Termin, die sechs Improvisationskünstler hautnah zu erleben, wird im Januar sein – und wieder auf der publikumsnahen Bühne des Wirtshaus am Spitalplatz.

Susanne Greiner

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