Denklingen, Eching, Egling, Finning und Riederau:

Sparkasse Landsberg-Dießen schließt weitere Filialen

Sparkasse Landsberg-Dießen - Filial-Schließungen
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Beschlossene Sache: Die Sparkasse Landberg-Dießen wandelt ihre Geschäftsstellen in Denklingen, Eching, Egling, Finning und Riederau zu „Selbstbedienungs-Standorten“ um.

Landkreis – Die Sparkasse Landsberg-Dießen zieht Ende Februar ihr Personal aus Denklingen, Eching, Egling, Finning und Riederau ab. Die dortigen Filialen werden zu Selbstbedienungs-Standorten. Die Zahl der Geschäftsstellen reduziert sich damit von 24 auf 19. Das beschloss der Verwaltungsrat der Sparkasse unter Vorsitz von Oberbürgermeistern Doris Baumgartl (UBV). Dort hat man offenbar zuvor um eine politische Lösung gerungen.

Bei den fünf Standorten, an denen künftig nur noch Bargeld und „SB-Dienstleistungen“ erhältlich sind, handelt es sich um Geschäftsstellen, in denen das Kreditinstitut bereits bislang seine Präsenz reduziert hatte; Mitarbeiter waren nur dienstags und donnerstags vor Ort. Auch in Issing, Kaufering (Albert-Schweitzer-Straße), Obermeitingen und Penzing gilt diese Zwei-Tage-Regelung. In acht Geschäftsstellen wird die Drei-Tage-Woche praktiziert.

Sparkassen-Chef Thomas Krautwald hatte zuvor die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden aufgesucht. Er sei dabei auf Verständnis, wenn auch nicht auf Begeisterung gestoßen, berichtete Krautwald im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Dass die Sparkasse Landsberg-Dießen vor Ort bleibt und immerhin jeweils ein Umbau zu einer SB-Geschäftsstelle stattfindet, habe man aber zumindest begrüßt.

Die Sparkasse verspricht, „im Gegenzug“ in den „weiteren Ausbau der Fach- und Beratungskompetenz und in eine moderne digitale Ausstattung“ zu investieren. „Hohe Beratungsqualität sowie umfassende Digital- und Servicedienstleistungen“, würden damit gesichert, heißt es in einer Pressemitteilung des öffentlich-rechtlichen Instituts, das von der Stadt und dem Landkreis Landsberg sowie der Marktgemeinde Dießen getragen wird. Eine unmittelbare Reduzierung der Zahl der Mitarbeiter schloss Thomas Krautwald gegenüber dem KREISBOTEN aus; allerdings würden Stellen „im Rahmen der Fluktuation“ nicht wieder besetzt, räumt er ein.

Hintergrund der Schließungen ist die stark zurückgegangene Kundenfrequenz, die regelmäßig von Gutachtern ermittelt und bewertet wird. Der Grund dafür ist, dass immer mehr Konto­inhaber das Internet-Angebot sowie die App der Sparkasse Landsberg-Dießen nutzen oder das Landsberger „KundenServiceCenter“ in Anspruch nehmen. Weitere Rückgänge durch vermehrte bargeldlose Zahlungen und Zurückhaltung der Kunden in der Corona-Zeit sind in die Analysen wohl noch nicht eingeflossen; sie dürften den Trend hin zum „virtuellen Bankgeschäft“ noch verstärken.
Werner Lauff

+++ Kommentar +++

Rückzug auf Raten

„Eine fusionierte Sparkasse Landsberg-Dießen zieht sich aus der Fläche zurück“, hatte Landrat Thomas Eichinger (CSU) warnend vorhergesagt, als er 2018 gegen die Zusammenlegung dreier Kreditinstitute aus der Region opponierte. Was aber geschieht nun? Auch die nicht-fusionierte Sparkasse Landsberg-Dießen zieht sich aus der Fläche zurück. Das wird durch den Beschluss des Verwaltungsrats, am 1. März 2021 den fünften bis neunten Standort zu schließen, klar sichtbar.

Doch das ist noch nicht einmal das komplette Bild. Die Gutachter hätten deutlich mehr Umwandlungen vorgeschlagen, heißt es aus dem Verwaltungsrat. Aber das Gremium habe das Thema „politisch abfedern“ wollen. Daher diesmal nur fünf Standorte. Doch die nächste Runde kommt bestimmt. Welche Geschäftsstellen betroffen sein könnten, kann man an der Zahl der Öffnungstage wohl bereits jetzt ablesen.

Scheuring, Igling, Greifenberg, St. Georgen, Denklingen, Eching, Egling, Finning und Riederau stehen für einen Rückzug auf Raten. Er ist nicht etwa Ausdruck erfolglosen Managements. Ganz im Gegenteil: Dem manchmal etwas schwerfällig wirkenden öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut ist es in den vergangenen Jahren gelungen, mit digitalem Service und telefonischer Beratung Zuwächse zu erzielen. Der Kreditbestand der Privatkunden ist 2019 um 6,3 Prozent gewachsen. Die Kundeneinlagen sind trotz minimaler Zinsen um 11 Prozent gestiegen. Der Bestand an Kunden-Wertpapieren nahm um 14 Prozent zu.

Die Sparkasse Landsberg-­Dießen kann die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis offenbar trotz des Verzichts auf lokale Präsenz binden und sogar neue Kunden hinzugewinnen. Die Corona-Pandemie dürfte den Trend zu mehr Kartenzahlungen und weniger Schalterkontakten noch verstärkt haben.

Banken und Sparkassen müssen sich den Herausforderungen „Digitalisierung“ und „Regulato­rik“ offensiv stellen. Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt. Das Problem sind nicht etwa Manager, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen; das Problem sind Politiker, die so tun, als gälte für die Sparkassen eine andere Betriebswirtschaft.

Die jetzige Entscheidung wäre eine gute Möglichkeit für die Verwaltungschefs und Mandatsträger gewesen, uns in dieser Hinsicht reinen Wein einzuschränken. Stattdessen haben sie die Verkündung der Maßnahmen dem Vorstand überlassen. Das ist politisch unklug – mehr Ehrlichkeit in Sachen Sparkasse täte gut.
Werner Lauff

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