Eine Herberge für Adebar

In Dießen gibt es eine neue Heimat für eine Storchen-Familie

Franz Sanktjohanser und Renate Alton
+
Storchen-Fans pilgern gerne in die Moosstraße, wo Franz Sanktjohanser und Renate Alton im Garten ihres Hauses einen Horst aufgestellt haben.
  • Dieter Roettig
    vonDieter Roettig
    schließen

Dießen – Wohnraum ist knapp in der Marktgemeinde Dießen. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Meister Adebar und seine Familie. Damit nicht alle Riesenvögel in das benachbarte als „Storchendorf“ bekannte Raisting abwandern, hat Fuhrunternehmer und Gemeinderat Franz Sanktjohanser kurzerhand die Initiative ergriffen. Er stellte in seinem Garten in der Fischerei einen 12,5 Meter hohen Horst auf, wie man die Storchen-Nester nennt.

Vom Balkon aus können Franz Sanktjohanser (70) und seine Partnerin Renate Alton (69) aus nächster Nähe ihr Weißstorchenpaar beobachten, das sich nach der Überwinterung in Afrika hier erneut gefunden und niedergelassen hat. Für den hoffentlich bald zu erwartenden Nachwuchs werden fleißig Äste und Moos zum Ausbau angeflogen, damit die Storchenmama gut geschützt ihre Eier ausbrüten kann. Franz Sanktjohanser hofft auf viele Küken hier und in den beiden anderen Nestern in Dießen, die er fast täglich inspiziert. Eines befindet sich auf dem Spitzenbergerhaus in der Herrenstraße, das andere auf dem Dach der Liebfrauenschule beim Marienmünster.

Nachdem die Storchenbrut in den letzten Jahren durch Dauerregen, Hagel und Schafskälte ziemlich dezimiert wurde, ist „Storchenpapa“ Sanktjohanser guter Hoffnung, dass in diesem Jahr viele Jungvögel schlüpfen und überleben werden. Damit man sie langfristig beobachten kann, werden sie von Experten des Landesbundes für Vogelschutz beringt. Sind die Eltern zur Futtersuche ausgeflogen, geht es mit Hilfe der Feuerwehr Dießen hoch zu den Kleinen, die noch nicht fliegen und flüchten können.

An das Turteln und Klappern der Störche haben sich die Nachbarn längst gewöhnt, sind es doch unüberhörbare Zeichen für den Frühlingsbeginn. Es lockt auch täglich Schaulustige vor das Anwesen in der Fischerei. Bis vom Seniorenstift Augustinum kommen die Adebar-Fans, für die Franz Sanktjohanser eigens eine Sitzbank aufgestellt hat. Denn der prächtige Stelzvogel steht nicht nur für Kindersegen, sondern gilt als „Krafttier für positive Veränderungen und stärkende Impulse für die Gesundheit“.

Wissbegierige Kinder dürfen sogar mit Renate Alton auf den Balkon des Wohnhauses, um fast hautnah das Leben der Störche zu beobachten. Geduldig beantworten die Storchen-Pflegeeltern alle Fragen wie zum Beispiel nach den Fressgewohnheiten: „Bereits in aller Herrgottsfrüh fliegen die Störche los zur Nahrungssuche. Frösche, Kaulquappen, Regenwürmer, Grashüpfer, Eidechsen und sogar Mäuse sind ihre Leibspeisen.“ Sind die Jungen geschlüpft, verfrachten die Eltern die Leckerbissen in ihrem Kehlsack und bringen sie zu den Jungen. Warum Störche nur hoch auf Dachfirsten, Kaminen oder speziellen Horsten leben, ist eine weitere viel gestellte Frage. Franz Sanktjohanser: „Mit ihrer Flügelspannweite von gut zwei Metern fliegen die Störche ihre Nester von unten an. Und zum Starten lassen sie sich die vier bis fünf Kilo schweren Vögel ein Stück aus dem Horst fallen und öffnen dann erst ihre Schwingen, um majestätisch davon zu segeln.“ Schließlich könne man von dem hohen Horst aus Feinde wie den Rotmilan sowie um das Nest konkurrierende oder um das Weibchen buhlenden Störche leichter abwehren.

Ihren privaten Horst haben sich Franz Sanktjohanser und Renate Alton rund 5.000 Euro kosten lassen, wozu die Nachbarn nachträglich mit einer Spendenaktion 1.600 Euro beigesteuert haben. Erst musste ein Statikplan erstellt werden und die Baugenehmigung bei Gemeinde und Landratsamt eingeholt werden. Die fast 13 Meter hohe Eisenstange samt Korb ist eine Spezialanfertigung und wurde in ein tiefes Fundament eingesetzt und mit fünf Kubikmetern Beton bombenfest fixiert. Keinen Cent bereut das Paar für die Investition, Störchen hier eine Heimat zu geben.

Überhaupt hat Tierliebe einen großen Stellenwert in der Familie. Zur Familie gehören Kater Karli (12) und Husky-Hündin Yuma (5). Wenn Franz Sanktjohanser mit ihr seine tägliche Gassi-Runde durch die Seeanlagen macht und Bekannte trifft, heißt es nicht etwa „Wie geht es dir?“, sondern „Was machen deine Störche?“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Landsberg: Landratsamt beantragt Lockerungen ab Montag
Corona im Landkreis Landsberg: Landratsamt beantragt Lockerungen ab Montag
Jetzt werden in Eching die Mücken gezählt
Jetzt werden in Eching die Mücken gezählt
»Es ist schon sehr pittoresk in Landsberg!«
»Es ist schon sehr pittoresk in Landsberg!«

Kommentare