Nach dem Vorbild von "Silicon Valley":

"Industrial Maker Space" für Landsberg

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Für Kreative, Start Ups und Innovationsteams baut der Schondorfer Unternehmer Thomas Dittler am Penzinger Feld derzeit einen „Industrial Maker Space“ zur Realisierung ihrer Ideen.

Landsberg – Nach dem Vorbild von Silicon Valley entsteht derzeit am Penzinger Feld im Osten der Lechstadt ein einzigartiges Projekt. Im sogenannten „Industrial Maker Space“ haben Kreative, Innovatoren und Start Ups die Möglichkeit, unter einem Dach ihre Ideen von der Planung bis zum fertigen Produkt zu verwirklichen. Der Schondorfer Unternehmer Thomas Dittler will mit diesem Projekt technologie-orientierte Tüftler fördern und im Land halten.

Von der Garage zum weltweiten Milliarden-­Konzern. Wer kennt sie nicht, die Entstehungsgeschichten von Apple, Hewlett Packard, Google oder Amazon. Der Gründungsmythos dieser Firmen steht heute als Archetyp für nahezu die gesamte IT-Welt. Jeder Smartphone- oder Tablet-User weiß von Steve Jobs und Steve Wozniak, die 1976 in der elterlichen Anwesen die ersten Apple-Computer zusammen bastelten und den Grundstein für den heute größten IT-Konzern der Welt legten.

Heute müssen Visionäre und Gründer nicht mehr in Garagen ihre Ideen ausbrüten. Sie zieht es zumeist ins Silicon Valley, dem weltweit bedeutendsten Standort der IT- und High-Tech-Industrie. Über 7.000 Firmen mit einer halben Million Mitarbeitern in 30 Städten am südlichen Ende der San Francisco Bay im Westkalifornien arbeiten und forschen an der Zukunft der digitalen und technisierten Welt. Darunter Weltkonzerne wie Apple, HP, Intel, Microsoft, Google, facebook, eBay, Amazon oder Tesla.

Erste Adresse

Es muss aber nicht immer Amerika sein, wo neue Soft- und Hardware, Vermarktungsideen oder geniale Erfindungen und Produkte entstehen. „Auch in Deutschland gibt es genügend kluge Köpfe, wie der Schondorfer Unternehmer Thomas Dittler weiß. Er will ihnen die Chance zur Verwirklichung ihrer Ideen bieten. Für Innovationsteams von Industrieunternehmen, Start Ups und Kreative aus dem süddeutschen Raum kann die erste Adresse für die Realisation ihrer Visionen künftig Landsberg am Lech heißen.

Thomas Dittler (links) und Architekt Edgar Bürger sind zufrieden: Der Bau des „Industrial Maker Space“ im Landsberger Osten verläuft wie geplant.

Am Penzinger Feld, gegenüber dem InCenter, entsteht gerade für fünf Millionen Euro ein „deutschlandweit einzigartiges Projekt“ (Dittler), eine Art Mini-Silicon Valley unter einem Dach. Thomas Dittler baut hier einen „Industrial Maker Space“ nach der Definition „Denken führt nur mit Handeln zum Erfolg“. Mit „Industrial“ bezeichnet er die Ausrichtung auf professionelle Serienfertigung von Produkten mit dem Ziel des wirtschaftlichen Erfolgs.

„Maker Space“ nennt er die benötigte Infrastruktur, die den zeitgemäßen Anforderungen von innovationsorientierten Machern genügt. Man erstellt hier quasi ein komplettes Geschäftsmodell von der Idee über die konkrete Planung bis hin zur Serienreife, Herstellung von Prototypen in der 3D-Technologie oder gar der kompletten Produktion. Die Anregung zu diesem Zukunftsprojekt, um das andere Städte Landsberg gewiss beneiden werden, fand Thomas Dittler im Silicon Valley, wo er geschäftlich oft zu tun hat.

Rundum durchdacht

Im ersten Bauabschnitt entsteht unter der Regie des Schondorfer Architekten Edgar Bürger am Penzinger Feld ein futuristisches Gebäude mit 2.200 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. 800 Quadratmeter sind für Büroflächen, Konferenzraum und Cafeteria vorgesehen und 1.400 für Prototyping und Produktion. Der Komplex ist logistisch durchdacht mit einer Umfahrt, Lkw-Dock und zwei Frachttoren.

Die Produktionshalle mit einer für hohe und dynamische Punktlasten ausgelegten Bodenplatte ist befahrbar. Für optimale Bedingungen sorgen ein barrierefreier Zugang, eine arbeitsfreundliche Beleuchtung sowie Lüftung, Sonnenschutz und Wärme beziehungsweise Kühlung. Das gesamte Gebäude ist konzipiert auf eine hohe Energie-Effizienz, die 50 Prozent besser sei als die sogenannte KfW 55-Richtlinie. Das Dach wird komplett mit einer Solaranlage bestückt, die auf Eigenverbrauch durch einen 150 kWh-Batteriepuffer ausgelegt ist, auch für die angeschlossenen Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge.

Rund um die Uhr

Die Raumaufteilung in Produktion und Büro wird jeweils nach den Projekterfordernissen hochflexibel gestaltet. Die hier tätigen Gründer und Innovatoren nutzen die gesamte Infrastruktur auf einer sogenannten „time&space-share basis“. Es gibt keine festen Büros, Arbeits- oder Produktionsplätze, man nutzt Räume, Geräte und Maschinen nach den individuellen Bedürfnissen. Feste Arbeitszeiten gibt es für die Nutzer nicht, der Zutritt zum Komplex erfolgt über eine 365/24/7-Sicherheitslösung. Wenn einem Gründer zuhause mitten in der Nacht oder am Sonntag ein Geistesblitz kommt, ist der Zugang zum Gebäude kein Problem, um gleich loszulegen.

Zeitgemäß ist auch die VoIP- Kommunikation. Jeder Nutzer des Maker Spaces bringt seine eigenen mobilen Geräte wie Notebook, Tablet oder Smartphone mit. Damit kann flexibel überall im Komplex gearbeitet werden – auch in der großzügigen Cafeteria, ein lichter und begrünter Platz zum Erholen und Durchatmen. Voraussetzung ist natürlich ein konstant schneller High Speed-Internetzugang. Diese für Industrie und Gewerbe heutzutage überlebensnotwendige „Grundversorgung“ mit inzwischen Standard-Glasfaser-Anschlüssen ist im Gewerbegebiet Penzinger Feld bisher nicht vorgesehen, wie Thomas Dittler im Exklusiv-Interview mit dem KREISBOTEN bedauerte: „Das ist für die Landsberger Unternehmer nicht akzeptabel. Es wäre wünschenswert, wenn die Stadt hier lösungsorientiert im Sinne des Standortes agiert und in die Schaffung zukunftsorientierter Rahmenbedingungen investiert.“ Bis das soweit ist, sorgt Dittler für einen redundanten Highspeed-Internet-Zugang parallel via Satellit und terrestrischer Direktanbindung an den Internetknoten in Frankfurt/Main.

Dass Thomas Dittlers Konzept in jede Richtung zukunftsorientiert ausgelegt ist, zeigt auch die Installation einer E-Mobility-­Ladeinfrastruktur mit acht Schnellladestationen direkt am Gebäudekomplex. „Das bauseitige Lastmanagement und die Anschlüsse an das öffentliche Stromnetz müssen dem Rechnung tragen. Hier befinden wir uns gerade mit den Stadtwerken Landsberg in konstruktiver Abstimmung“, berichtet der Unternehmer.

Bereits Anfang November soll „Deutschlands erster Industrial Maker Space“ seinen Betrieb aufnehmen. Wobei hier keine Flächen vermietet werden. Thomas Dittler bietet im Rahmen einer Zusammenarbeit oder Partnerschaft die projektbezogenen Voraussetzungen und die Innovationskultur gleichzeitig sechs bis zwölf Start Ups, etwa 20 individuellen Innovatoren und vier bis acht Firmen oder Innovationsteams. Den Start Ups und Innovatoren ermöglicht er den Zugang zum Prozess-Know How sowie zu Werkzeugen und Anlagen, um die Produktideen umzusetzen, ebenso wie eine Validierung aus Vertriebs-, Service- und Kundensicht, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Viel Freiraum

Technologie-intensiven Firmen und Teams bietet Thomas Dittler nach eigenen Aussagen ein „modernstes Arbeitsumfeld mit einer professionellen Innovationswerkstatt und den notwendigen Freiräumen“. Schwerpunkt auf der digitalen Kette: etwa die Design-Prototyp-Testserie mit der additiven Fertigung durch 3D-Druck. Mit 60 bis 80 Personen und bis zu 200 Veranstaltungen in den Konferenzräumen sei der erste Bauabschnitt ausgelastet.

Dieter Roettig

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