Aufregung in Pürgen:

Wasserschutzgebiet schlägt hohe Wellen

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Das Pürgener Wasserschutzgebiet soll deutlich größer werden.

Lengenfeld – Das Wasserschutzgebiet im Gemeindegebiet Pürgen wird erweitert. Das rief die Anwohner auf den Plan, die Nachteile befürchten. Betroffen sind 359 Grundstücke, die zukünftig im erweiterten Areal des Wasserschutzgebietes liegen. Nach den Anhörungen im Erörterungsverfahren kam es zu dem Wunsch nach einer Informationsveranstaltung, dem nun die Behörden folgten.

So saßen vorige Woche in der Lengenfelder Mehrzweckhalle 200 Bürger der geballten Kompetenz von Wasserwirtschafts­amt, Stadtwerken Landsberg, Landratsamt und dem Zweckverband der Pöringer Gruppe gegenüber. Im Vorfeld hatte es schon eine Reihe schriftlich eingereichter Fragen gegeben, die in der Veranstaltung mündlich behandelt wurden. Im Ergebnis argumentierten die Behördenvertreter, dass alles in der Praxis nicht so schlimm werde. Ihr Versuch die Anwohner zu beruhigen, fiel aber nicht immer auf fruchtbaren Boden.

Ein Ärgernis war, dass bislang keine Karte mit den neuen Grenzen des Wasserschutzgebietes veröffentlicht worden war. Das soll nun anderes werden. Der Vorsitzende des Zweckverbandes, Wilfried Lechler, versprach nach kurzer Beratung, dass die Karten und der Entwurf der neuen Verordnung mit den jeweiligen Zonen innerhalb von zwei Tagen auf die Internetseite von Pürgen eingestellt werden. Den unmittelbar betroffenen Grundstücksbesitzern wurde versprochen, dass sie die Karte auch als Print erhalten sollen.

„Wir sind die Dummen“, sagte ein betroffener Anwohner, „denn im Zweifelsfall müssen wir für die Kosten aufkommen“. „Wenn Probleme auftreten, wie beispielsweise bei den Abwasserkanälen oder bei Öltanks“. Anders als in der Landwirtschaft, wo Entschädigungen durch die Wasserversorger gesetzlich geregelt sind, müssen Anwohner für die sich aus der Verordnung ergebenden Maßnahmen selbst aufkommen. „359 Anwohner müssen für 60.000 Wassernutzer bezahlen“, monierte einer der Betroffenen. „Hier soll auf unsere Kosten saniert werden“.

Alle waren sich einig, dass verseuchtes Grundwasser das Schlimmste sei, was passieren könne, wie jüngst in Kaufering. „Grundwasser hat ein langes Gedächtnis“, betonte Eduard Eichenscher vom Wasserwirtschaftsamt in Weilheim. Er appellierte, man müsse grundsätzlich sorgfältig mit dem Grundwasser umgehen, egal ob man in einem Wasserschutzgebiet lebe oder nicht.

Die neue Verordnung regelt primär die Vorschriften für neue Bauvorhaben. Bereits vorhandene Gebäude unterliegen zunächst dem Bestandsschutz. „Bei üblicher Nutzung als Wohnbebauung haben sie nichts zu befürchten“, betonte der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes. Ihm sei beispielsweise kein einziger Fall einer Enteignung bekannt.

Allerdings werden auch die bereits bestehenden Gebäude einer Bestandsprüfung auf Risiken untersucht. Wie das ablaufen soll, konnten die Behördenvertreter allerdings nicht klar beantworten. Möglich sei eine Begehung von Haus zu Haus, wahrscheinlicher sei aber eine Fragebogenaktion.

Die neue Verordnung schreibt für geplante Vorhaben bei den Abwasserkanälen alle fünf Jahre eine Sichtprobe und alle zehn Jahre eine Druckprobe vor, deren Kosten nicht umlagefähig sind. Das heißt, diese Kosten müssen die Bauherren selbst bezahlen. Wie mit dem Bestand umgegangen wird, soll später festgelegt werden, betonten die Behördenvertreter. Gleiches gelte für vorhandene Heizöltanks und Wärmepumpenanlagen. Erdwärmepumpen seien nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Allerdings werden bei den verwendeten Medien – Flüssigkeiten in den Anlagen – strenge Vorschriften angelegt. Die neue Verordnung sieht vor, dass Bohrungen zum Beispiel für Brunnen vorher genehmigt werden müssen.

In der späteren Bestandsprüfung wird wahrscheinlich auch der Umgang mit dem Oberflächenwasser beispielsweise von Dachflächen oder versiegelten Flächen wie Parkplätzen oder Hofeinfahrten untersucht und bewertet werden. Eine Versickerung in tiefen Schächten soll nicht zulässig sein. Die Experten raten hier zu einer Versickerung über große Flächen. Hier könne es zu Nachbesserungen kommen, die aber in jedermanns Interesse sein sollte.

Da die neue Verordnung Kon­trollmaßnahmen vorschreibt, die geduldet werden müssen, befürchten Anwohner, dass Eigentumsrechte außer Kraft gesetzt werden. Die Behördenvertreter wiesen aber darauf hin, es gäbe auch eine Sozialbindung des Eigentums.

Zerstreut wurde von Regina Rapp vom Landratsamt die Befürchtung, dass die Grundstücke durch das Wasserschutzgebiet an Wert verlieren würden. Der Wert von Grundstücken sei von vielen Faktoren abhängig. Grundstücke, die heute schon in den Wasserschutzzonen lägen, hätten auch nicht an Wert verloren.

Dass die Grenzen des neuen Wasserschutzgebietes nicht willkürlich gezogen worden sind, erläuterte die Hydrogeologin Barbara Sperling in einem Fachvortrag. Eva Berchtold und Regina Rapp vom Landratsamt beantworteten Fragen zur behördlichen Praxis.

Vom Vorsitzenden des Zweckverbandes gab es den flammenden Appell, gemeinsam zu versuchen, eine Gesetzesänderung zu erreichen, in der die Kosten aus derartigen Maßnahmen nicht mehr von Einzelnen getragen werden müssen, sondern als Umlage von allen Wasserbeziehern. Ein Arbeitskreis soll die politische Arbeit übernehmen

Siegfried Spörer

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