Die Fußgängerzone auf Probe kommt

Anlieger-Mehrheit gegen Fußgängerzone in Dießen

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Mussten viel Kritik einstecken bei der Infoveranstaltung zur Fußgängerzone Mühlstraße (von links): Vize-Bürgermeister Peter Fastl, Uschi Wacke vom Gewerbeverband, Planer Robert Ulzhöfer und Geschäftsleiter Karl Heinz Springer.

Dießen – Zwei bittere Pillen hat Dießens derzeit amtierender Bürgermeister Peter Fastl bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema „Temporäre Fußgängerzone Mühlstraße“ schlucken müssen: Die Anlieger sträuben sich mehrheitlich gegen die probeweise Einführung, die eines Tages vielleicht doch endgültig bleibe. Und sie hätten wegen der planerischen „Salamitaktik“ das Vertrauen gegenüber der Marktgemeinde verloren. Äußerst temperamentvoll ging es zu bei der Diskussionsrunde im proppenvollen Gasthof „Unterbräu“, die von Vorwürfen und Rechtfertigungen geprägt war. Trotz aller Bedenken entschied sich der Marktgemeinderat am Montag nach der Veranstaltung mit nur einer Gegenstimme für die probeweise Einführung.

Vize-Bürgermeister Fastl widersprach den Befürchtungen der Anlieger, dass die Gemeinde eine dauerhafte Fußgängerzone in der Mühlstraße plane. „Es geht doch nur um eine saisonale Testphase von Samstagmittag bis Sonntagabend und an Feiertagen. Mehr nicht!“ Und dazu wolle man die Meinung der Anlieger vor der endgültigen Entscheidung des Gemeinderates einholen. Viele der Gremiumsmitglieder waren anwesend und konnten sich ein Bild machen von der aufgeheizten Stimmung der „Mühlstraßler“.

Man habe Mühlstraße und Untermüllerplatz nach der Umgestaltung ganz bewusst zu einem verkehrsberuhigten Bereich als Spielstraße gestaltet, betonte Fastl. Tatsächlich aber werde auf der Straße meist schneller als erlaubt gefahren und Langzeitparker würden die Stellplätze für die Kunden der Geschäfte blockieren. Und schließlich werde die Mühlstraße von Autofahrern als Abkürzung vom Marktplatz zum Bahnhof genutzt.

Eine Bürgerinitiative um Irmi Hofheinz und Franz Sanktjo­hanser hatte davon die Nase voll und sammelte Unterschriften für ein Bürgerbegehren, um Mühlstraße und Untermüllerplatz dauerhaft völlig autofrei halten. Das Bürgerbegehren konnte von Bürgermeister Herbert Kirsch vorerst noch auf Eis gelegt werden und man schlug als Kompromiss die probeweise Einführung einer temporären Fußgängerzone in den Sommermonaten vor. Den Auftrag für eine „bürgernahe Lösung“ erhielt die Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr.

Diese Ausarbeitung stellte Planer Robert Ulzhöfer jetzt in der Versammlung vor. So habe man nach Abwägung diverser Möglichkeiten die sinnvolle Minimallösung einer Fußgängerzone zwischen Kino und Brunnenstraße favorisiert. Das Durchfahrtsverbot von Samstagmittag bis Sonntagabend werde nicht nur direkt vor Ort, sondern auch großzügig im Gemeindegebiet beschildert.

Bewohner der Mühlstraße mit Garagen und Stellplätzen könnten Ausnahmegenehmigungen beantragen. Als Sperrung für den allgemeinen Verkehr stünden absenkbare oder umklappbare Poller zur Diskussion, die Anwohner mittels elektronischer Zugangskarte oder Dreikantschlüssel bedienen können. Das betreffe etwa 100 Bürger und maximal 60 Fahrzeugen. Die Testphase soll zu Christi Himmelfahrt (10. Mai) mit dem Töpfermarkt beginnen.

Über Sinn und Unsinn der temporären Fußgängerzone wurde im Anschluss heftig diskutiert. Flanierende Fußgänger könnten sich lediglich an den Schaufenstern der ohnehin an Wochenenden und Feiertagen geschlossenen Geschäfte sowie bei schönem Wetter an der Außengastronomie erfreuen. Und an der Situation mit den ohnehin zu wenigen Parkplätzen ändere sich nichts. Der vom Planer ins Feld geführte P&R-Platz am Bahnhof sei kein Kompromiss, da er im Sommer von den Seglern belegt ist. Bürgermeister Fastl warf ein, dass man im kommenden Jahr den Parkplatz nördlich der Markthalle erweitern werde.

Bevor man an eine wenn auch nur temporäre Fußgängerzone denke, solle die Gemeinde doch erst einmal ihre Hausaufgaben machen, forderte Gastronom Michael Risch. Es fehle nach wie vor ein Parkleitsystem und die Beschilderungen im Ort seien noch mangelhaft. Oft auch gestellte Frage: Warum führt man nicht endlich eine Einbahnstraßenregelung in der Mühlstraße ein, die den Verkehr hier entzerren würde. Und mit den Seeanlagen gäbe es doch in Dießen ohnehin eine riesige Flaniermeile ohne Verkehr. Die nur ein paar hundert Meter lange Fußgängerzone am Wochenende in Mühlstraße würden nichts bringen.

Dieter Roettig

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