Plastik-Fasten ist jetzt angesagt

Eine Initiative will den Plastikabfall in Dießen halbieren

+
Werben für „Plastik-Fasten in Dießen“ (v. links): Uschi Wacke vom Gewerbeverband, die Initiatoren Miriam Anton und Sonja Maria Kröner sowie Gewerberefernt Thomas Hackl.

Dießen – Öko-Shaming und Konsum-Fasten haben die Grünen zum Trend erkoren. Flug-Shame, Kleider-Fasten und vieles mehr, angeheizt vom „Greta-Effekt“, brachte ihnen den Ruf als Verbots- und Spaßverderber-Partei ein. Bei einem liegen die Welt- und Klimaretter hundertprozentig richtig: Die Plastik-Flut muss eingedämmt werden. Mit rund 14 Millionen Tonnen Plastik verbraucht in Europa kein anderes Land so viel wie Deutschland. Dass 75 Prozent davon in den Weltmeeren landen, nimmt man zur Kenntnis, kauft aber weiterhin im Supermarkt Wurst in Plastik und eingeschweißte Gurken.

Am Ammersee-West­ufer soll dieses Übel jetzt angegangen werden. Miriam Anton und Sonja Maria Kröner haben die Initiative „Plastik-Fasten in Dießen“ ins Leben gerufen. Nach ihrer erfolgreichen Aktion „Plastiktütenfreies Dießen“ konnten sie dazu wieder Bürgermeister Herbert Kirsch, den Gewerbeverband und die Bildungseinrichtungen ins Boot holen. Mit einem plakativen Flyer, der an die 6.100 Haushalte in Dießen verteilt wird, ruft man dazu auf, den örtlichen Pro-Kopf-Plastikmüll von 35 Kilogramm im Jahr zu halbieren. Ein Zehn-Punkte-Programm gibt Anregungen zum Plastik-Fasten:

Zum Einkaufen solle man Stofftaschen und Körbe mitbringen und für die Wurst- und Käsetheke Dosen. Unverpacktes Obst und Gemüse sowie Milchprodukte und Getränke besser im Glas kaufen sowie auf Einwegbecher und Frischhaltefolie verzichten. Statt Wasser in Plastikflaschen sei unser Leitungswasser genauso erfrischend zu genießen. Schließlich empfiehlt der Flyer Putzmittel aus Essig und Natron selbst herzustellen und statt Duschgel in Plastik einfach nur Seife zu verwenden. Zum Schluss der Rat, Gebrauchtes statt Neues zu kaufen und Reparieren anstatt Wegwerfen.

Zum Start der Plastik-Fasten-­Aktion verteilten Miriam Anton, Sonja Maria Kröner, Uschi Wacke vom Gewerbeverband und Gewerbereferent Thomas Hackl Flyer an Passanten und Flaneure in den Dießener Seeanlagen. Dabei wurde das Titel­bild als echter Eyecatcher gelobt. Es zeigt den historischen Raddampfer „Dießen“, voll beladen mit buntem Plastikmüll. Nicht auszudenken, wenn der Müll im Ammersee landet. Die Idee dazu hatte Sonja Maria Kröner, von Berufs wegen kreativ als Drehbuchautorin und Filmregisseurin (Filmpreis für „Sommerhäuser“). Sie warben auch für die Auftaktveranstaltung von „Plastik-­Fasten in Dießen“. Am 27. September referiert ein Greenpeace-Aktivist im Dießener Bahnhof zum Thema.

Anton und Kröner sind nicht die einzigen, die dem Plastikwahn dem Kampf angesagt haben. Auch in Utting und Finning haben sich ähnliche Initiativen gebildet. Am 11. Oktober spricht in der Uttinger „Jolle“ eine Abfallwirtschaftsexpertin über die Verwertungswege von Plastik, und am 28. Oktober ist der Verbraucher-Service Bayern zu Gast im Finninger „Staudenwirt“. Die Idee macht also Schule. In Windach planen Ehrenamtliche gerade, sich am ebenfalls am „Plastik-Fasten“ zu beteiligen.

Miriam Antons Appell an die Bürger: „Machen Sie mit. Wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leistet, sparen wir gemeinsam viele Tonnen an Plastikverpackungen ein.“ Allein in Dießen wurden im letzten Jahr 368 Tonnen Plastikmüll in die Gelben Tonnen entsorgt. Diese Zahl wolle man mittelfristig halbieren.
Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

Wenn die Kunst am Ammersee zu teuer wird
Wenn die Kunst am Ammersee zu teuer wird
Ein glänzendes Adventskonzert der Stadtkapelle Landsberg 
Ein glänzendes Adventskonzert der Stadtkapelle Landsberg 
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Landsberg: Obertongesang mit Huun Huur Tu
Landsberg: Obertongesang mit Huun Huur Tu

Kommentare