Spenden sollen helfen

Wenig Verbindung zur Bockshaut

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Aus Sicherheitsgründen abgestützt: die Decke über dem Hauptschiff der Pfarrkirche St. Ulrich.

Eresing – Der Kirche St. Ulrich steht eine kostspielige Innenrenovierung bevor. Da die Pfarrgemeinde dafür fast eine halbe Million Euro selbst aufbringen muss, startet sie demnächst eine großangelegte Spendenaktion.

St. Ulrich gehört zu den bedeutenden Gotteshäusern der Region, „sogar ganz Oberbayerns“, betont Pfarrer Thomas Wagner. Die Kirche trägt die Handschrift des berühmten Rokokobaumeisters Dominikus Zimmermann, dessen 250. Todestag (16. November) die Stadt Landsberg mit einer Veranstaltungsreihe gedenkt. Zimmermann, Baumeister der weltberühmten Wieskirche und der Landsberger Rathausfassade, leitete die umfangreiche Umgestaltung des Eresinger Kirchengebäudes. Damals entstanden unter anderem Stuckarbeiten von Nikolaus Schütz und Fresken von Franz Martin Kuen. „Doch Zimmermann war bekannt dafür, dass er auf die Gestaltung mehr Wert legte als auf die Ausführung“, sagt Kirchenpfleger Peter Loy. Das bekommen die Eresinger jetzt zu spüren.

Im Zuge der Außenrenovierung, die so gut wie abgeschlossen ist, wurden Schäden an den Balken über dem Kirchenschiff festgestellt. Zwischen der sogenannten Bockshaut und der Putz- und Malschicht besteht keine wirksame Verbindung mehr, große Teile der Deckengemälde lagen bereits hohl und waren akut absturzgefährdet. Laut Loy weist einiges darauf hin, dass die Bockshaut von vornherein zu dünn aufgebracht wurde. Bevor in der Kirche ein Unglück passieren konnte, wurde der gesamte Innenraum eingerüstet und die Decke abgestützt.

Im Rahmen der Renovierung soll nun die Statik instand gesetzt werden. Danach müssen Risse gekittet und der Putz ausgebessert beziehungsweise erneuert werden. Außerdem stehen Maßnahmen an der Malschicht der Deckenbilder sowie weitere Ausbesserungsarbeiten an.

Die Elektroinstallation muss ebenfalls überarbeitet werden. In diesem Zuge will man auch gleich die Beleuchtungssituation verbessern und die vorhandene Bankheizung erneuern. Und schließlich ist die Installation einer kontrollierten Fensterlüftung vorgesehen, um die Feuchtigkeit im Kirchenraum zu reduzieren. Alles zusammen dürfte nach aktueller Kostenschätzung rund 650.000 Euro kosten.

Die Diözese Augsburg, die bereits den Löwenanteil der Außenrenovierung getragen hat, zahlt für die Innenarbeiten nur noch etwa 150.000 Euro. Aus Eigenmitteln der Kirchengemeinde kommen 30.000 Euro. Bleibt eine Lücke von 470.000 Euro, die man über Spenden und Zuschüsse von Stiftungen zu finanzieren hofft.

Patenschaft und mehr

Eine Arbeitsgruppe hat bereits verschiedene Ideen für Spendenaktionen entwickelt. So können Bürger finanzielle Patenschaften für einzelne Heiligenfiguren übernehmen oder für die Sanierung der Deckengemälde einen Anteilsschein erwerben. Bei Festen, insbesondere dem Ulrichsfest am 4. Juli, soll es eigens hergestellte Spezialitäten wie Ulrichsbrot oder Ulrichsbier geben, deren Erlös der Sanierung zufließt. Auch die Ministranten wollen mithelfen, und in den örtlichen Geschäften sollen Spendenboxen zum Aufrunden einladen.

Pfarrer Wagner ist bewusst, wie sensibel das Thema Geld für kirchliche Bauten in der Öffentlichkeit geworden ist. „Der Bischof von Limburg hat den Kirchen keinen Gefallen getan“, so Wagner in Anspielung auf Tebartz-van Elst und seine finanziellen Eskapaden. „Das schlägt sich nieder bis in unsere Gegend.“ Wagner betont, dass es sich bei den Maßnahmen in St. Ulrich nicht um eine Luxussanierung handelt, „sondern um den Erhalt einer wertvollen Kirche“.

Für die Eresinger Bürger soll es am 5. Juni eine eigene Informations-Veranstaltung zu dem Thema geben.

Ulrike Osman

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