Geschenk für "Saubären"

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Des einen Freud’ ist des anderen Leid…

Apfeldorf/Rott – Dass die Gemeinde Rott für ihre geplante Kläranlagenertüchtigung den Innovationspreis des Bayerischen Umweltministeriums erhält, stößt nicht überall auf Zustimmung – in Apfeldorf schon gar nicht. Dort wurde jetzt im Gemeinderat Kritik an der Entscheidung laut.

Wie berichtet, muss die Rotter Kläranlage ertüchtigt und fast vollständig neu gebaut werden. Da es sich dabei um ein innovatives Vorzeigeprojekt handelt, darf sich die Gemeinde über eine Fördersumme von 1,2 Millionen Euro freuen. Gemeinderat Heinrich Keller, Mitglied im Abwasserzweckverband Apfel­dorf-Kinsau ist, empfand es als ungerecht, dass die Nachbargemeinde eine Kläranlage „geschenkt bekommt“: Apfeldorf und Kinsau hätten die letzten Jahre über zahlreiche Verbesserungen an ihrer gemeinsamen Abwasseranlage vornehmen und diese aus eigener Tasche bezahlen müssen, zog er einen Vergleich.

Heinrich Keller

 „Wir haben jeden Umbauschritt nachweisen müssen, unsere Einleitewerte sind mittler­- weile einwandfrei“, betonte Keller. Er beschwerte sich, dass die Rotter stattdessen „über Jahrzehnte hinweg eine Dreckbrühe in den Rottbach einleiten ließen“ und nun „fürs Abwarten und Nichtstun“ jetzt auch noch 1,2 Millionen Euro bekämen. Reichlings VG-Geschäftsstellenleiter Wolfgang Hentschke, der wegen einer anderen Angelegenheit der Ratssitzung beiwohnte, erläuterte, dass Klär­- anlagenertüchtigungen nicht grundsätzlich förderfähig seien. Weiter wolle er sich zur Kläranlage Rott in der Sitzung nicht äußern. Zweite Bürgermeisterin Rosi Beinhofer hingegen stimmte in das Klagelied ein: Für die Rotter Kläranlage sei ja noch nicht einmal ein Spatenstich erfolgt. Zu beschwichtigen versuchte daraufhin Bürgermeister Georg Epple und verwies auf die noch ausstehende Förderzusage. Erst wenn diese vorliegt, könne Rott mit dem Bau beginnen. Keller jedoch ließ nicht locker. Er rechnete vor, dass das Umweltministerium für das Preisgeld ganze 24 Kläranlagen mit je 50000 Euro hätte unterstützen können, anstatt nur eine Anlage. Epple dazu: „Man kann bei so einem Preis eben nicht alle berücksichtigen.“ Der wütende Gemeinderat, Keller, ließ auch am Umweltministerium kein gutes Haar: Es habe mit Rott eine Gemeinde prämiert, welche die Ertüchtigung ihrer Anlage sehr lange hinausgezögert und dadurch den Rottbach als Vorfluter über lange Zeit hinweg stark verschmutzt habe. „Die größten Saubären kriegen alles geschenkt – das haut dem Fass den Boden aus.“ Im Jahr 2006, damals war die Rotter Anlage aufgerüstet worden, hatte das Wasserwirtschaftsamt Weilheim die Ge­- meinde Rott verpflichtet, ihre Kläranlage bis 2011 zu ertüchtigen, um die vorgeschriebene Nitrifizierung sicherzustellen. Die Lechraingemeinde hatte darauf eine Verlängerung beantragt, da eine solch große Investition sorgfältiger Überle­- gungen bedürfe. Die Anlage in Rott war bereits relativ früh, im Jahr 1980, gebaut worden – zu einer Zeit, als die Anforderungen noch nicht so streng waren wie heute.

Manuela Schmid

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