Große Schnauze im Knast

22-Jähriger beleidigt Justizvollzugsbeamte und wird dafür verurteilt

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Wer in der JVA Landsberg (Foto) sitzt, kann sich weitere Strafen einhandeln. Diese Erfahrung hat jetzt ein 22-jähriger Münchener gemacht, der am Amtsgericht Landsberg zu weiteren vier Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wurde.

Landsberg – Selbst wer schon im Gefängnis sitzt, kann sich weitere Strafen einhandeln. Wenn er zum Beispiel Justiz­vollzugsbeamten gegenüber ausfällig wird, wie es ein 22-jähriger Münchener getan hat. Er saß bis Januar dieses Jahres wegen schweren Raubüberfalls und gefährlicher Körperverletzung in der JVA Landsberg und tat sich dort nicht gerade als Musterhäftling hervor. Jetzt stand er wegen Beleidigung vor dem Amtsgericht.

Der Vorwurf basierte auf einem Vorfall im letzten November. An diesem Tag wurde die JVA von Drogenspürhunden durchsucht und unter den Gefangenen herrschte „Unruhe“, wie ein 43-jähriger Justizvollzugsbeamter im Zeugenstand berichtete. Einige pfiffen laut, um die Hunde zu verunsichern – so auch der Angeklagte, wie ein Beamter beobachtete.

„Hören Sie auf und kommen Sie zu mir“, forderte er den Häftling auf. Der entgegnete, der Beamte könne ihn mal „am Arsch lecken“. Als der 43-jährige Wachmann hinzu kam und beide den 22-Jährigen auf seine Zelle bringen wollten, lieferte sich der Häftling eine längere Diskussion mit ihnen. In deren Verlauf beschied er den Beamten, „einen Schaden“ zu haben. „Ihr spinnt doch“, soll er außerdem gesagt haben.

Insgesamt war der Angeklagte offenbar ein eher schwieriger Häftling. Der 43-jährige Beamte beschrieb ihn als einen „typischen Jugendlichen“, der Grenzen austestete, öfter ungebührliches Verhalten an den Tag legte und Weisungen nicht befolgte. Er wurde wegen Störung der Anstaltsordnung, Beleidigungen und Ordnungsverstößen schon hinter Gittern disziplina­risch belangt und zu 21 Tagen Arrest verdonnert.

Auf der Anklagebank bestritt der Münchener, die Beleidigungen geäußert zu haben. Und gepfiffen habe er auch nicht. Als Entlastungszeuge trat ein ehemaliger Mithäftling auf, der bei dem Vorfall dabei war. Er könne „zu hundert Prozent ausschließen“, dass der 22-Jährige die Beleidigungen von sich gegeben habe, versicherte der 25-Jährige. Dann allerdings verplapperte er sich. Der 22-Jährige habe nur dagegen protestiert, auf seine Zelle zu müssen. Und er habe gefragt: „Warum soll ich aufhören zu pfeifen?“

Richter Michael Eberle hatte keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Justizvollzugsbeamten. Und es missfiel ihm, dass der Angeklagte keine Einsicht und keine Spur von Reue zeigte. „Sie müssen lernen, sich zu benehmen“, legte er dem Münche­ner ans Herz. Der tat das Gegenteil, fiel dem Vorsitzenden bei der Urteilsbegründung mehrfach ins Wort und erklärte, das Urteil auf keinen Fall zu akzeptieren. Es lautete auf vier Monate Haft ohne Bewährung.

Für den beschäftigungslosen 22-Jährigen ist das bereits die zehnte Vorstrafe. Und vermutlich nicht die letzte, denn in den vier Monaten seit seiner Entlassung aus der JVA Landsberg sind weitere Delikte hinzugekommen. Es erwartet ihn wohl als nächstes eine Anklage wegen Sachbeschädigung und Bedrohung.

Ulrike Osman

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