Interaktiv durch die Präsentation

Exotisch: Unterschiedlichste Tierpräparate geben einen Einblick in die Fauna der ersten Missionsgebiete der Benediktiner.

Im Schatten der neugotischen Kirche, hinter einer fast unscheinbaren Türe mit der Aufschrift „Museum“ wird der Besucher des Missionsmuseums St. Ottilien in eine fremd wirkende, auch für den modernen Betrachter fast exotische Welt entführt. In eine Welt, in der unterschiedlichste Exponate die Lebensumstände der Einwohner in den ersten Missionsge­- bieten dokumentieren.

Zu sehen sind Gerätschaften aus dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika, darunter zahlreiche Speere, aber auch Körbe und andere Behältnisse, Haushaltsutensilien aus Südafrika, Kunst- und Kulturgegenstände, Kleidung, Spiele und Musikinstrumente aus Korea sowie Objekte aus dem Umfeld asiatischer Religionen. Nicht zuletzt bringen präparierte afrikanische Tiere – vom Affen bis zum Löwen –, die man um 1910 vor einer auf die Wand gemalten Steppe vermeintlich lebensnah arrangierte, nach wie vor nicht nur Kinderaugen zum Leuchten. Gleiches gilt für die umfangreiche Sammlung von Vögeln, Schmetterlingen und Reptilien, die in ihren Schaukästen im Untergeschoss den Besucher empfangen. Anschauungsmaterial Jahr für Jahr kommen tausende Gäste in das Museum nach St. Ottilien. Dabei hatten die ersten Missionare die ethnologischen und zoologischen Objekte ursprünglich nur als Anschauungsmaterial für ihre Mit­- brüder in ihr Heimatkloster gebracht. Diese sollten sich mit den zu missionierenden Gebieten beschäftigen und – soweit dies Anfang des 20. Jahrhunderts überhaupt möglich war – auf die fremden Länder und Kulturen einstimmen können. Die rasch wachsende Sammlung nahm bereits wenige Jahre nach der Ordensgründung 1887 einen festen Platz im Klosterareal ein. Passende Räumlichkeiten erhielt sie jedoch erst mit der großen baulichen Erweiterung der noch jungen Abtei und so bezog sie im Jahre 1911 die noch heute genutzten Räume im Süden der Anlage. Schon in den ersten Bauplänen hatte man rund 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche vor­ge­sehen. Zusätzlich entstand eine eigene Präparationswerkstatt für die von den Missionaren übersandten, teilweise selbst erlegten Tiere. Schrittweise machten die Missionsbenediktiner die Sammlung in der Folge der Öffentlichkeit zugänglich, um ihren Alltag in Afrika und Korea, ihre dortigen Lebens- sowie Arbeitsumstände einem breiteren Publikum zu vermitteln. Dies nicht zuletzt mit dem Ziel, das Interesse für die Mission zu wecken, die Spendenfreudigkeit zu erhöhen und eigenen Ordensnachwuchs zu gewinnen. Als das Museum 1922 vollständig und dauerhaft für die Allgemeinheit geöffnet wurde, präsentierte man viele der Exponate bereits in Vitrinen. Der in München am Völkerkundemuseum tätige Ethnologe P. Dr. Meinulf Küsters OSB (1890 -1947) versah darüber hinaus einige Objekte mit bis in die Gegenwart unveränderten knap­- pen erläuternden Texten. In die Jahre gekommen Heute ist die Ausstellung in konservatorischer wie didaktischer Hinsicht deutlich „in die Jahre gekommen“. Der kundige Besucher kann dennoch neben kunst- und kulturhistorisch wertvollen Exponaten auch Gegenstände entdecken, die aufgrund fortschreitender Modernisierung in Afrika und vor allem Asien schon lange aus dem dortigen Alltag verschwunden sind: Gerätschaften aus dem heutigen Tansania zur Holz- und Metallbearbeitung, Kalebassen zum Tragen von Wasser, Hüte und andere Kleidung aus Korea. Darunter mischen sich hochinteressante Stücke wie eine koreanische Weltkarte aus dem 19. Jahrhundert, von der weltweit nur noch eine einzige ähnlich vollständig erhalten ist, oder 800 Jahre alte asiatische Keramiken. Der Charme des Althergebrachten kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Museum mit seiner Ausstellung nun dringend einer Neupräsentation in ausstellungstechnischer wie auch konzeptioneller Hinsicht bedarf. Der Einbau eines Aufzuges in die Räumlichkeiten soll älteren oder in ihrer Mobilität eingeschränkten Besuchern die Besichtigung erleichtern. Der Umbau des Eingangsbereiches wird das Mu­- seum der Ottilianer attraktiver machen. Durch kleinere bauliche Eingriffe versucht man außerdem, ein konservatorisch günstigeres Klima zu schaffen. Erst inventarisieren Am Anfang steht jedoch vorrangig eine exakte Inventarisierung aller Objekte mit ihrer jeweiligen Geschichte und einstigen Funktion. Die ersten Arbeitsschritte haben dabei bereits manches Glanzlicht erkennen lassen. Leider musste man dabei aber auch feststellen, dass viele Exponate restauriert oder zumindest im Bestand gesichert werden müssen. Die gesamte Präsentation wird behutsam den Erfordernissen eines modernen Museums angepasst. Eine ausführlichere Beschriftung, erklärende Fotos und die Vorführung kurzer Filmsequenzen aus dem reichen Archiv der Erzabtei sowie interaktive Computerstationen sind geplant. Auch soll der Besucher in Zukunft mehr über die Geschichte des Klosters selbst, der Missionsbenediktiner sowie ihrer Arbeit – einst und jetzt – erfahren können. Demnächst wird im Internet die Website www.missionsmuseum.de über die Fortschritte von Sanierung und Umgestaltung berichten. Die Museumskommission St. Ottiliens erhofft sich, dass nach dem Abschluss der Arbeiten das Museum für jeden Besucher an Attraktivität gewinnt. Bis dahin gibt es aber noch eine große Anzahl von Aufgaben zu bewältigen, die nicht zuletzt finanzieller Unterstützung bedürfen. Die Öffnungszeiten des Missonsmuseums St. Ottilien: täglich von 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, in den Sommermonaten bis 18 Uhr.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Aufbruch in die Romantik
Aufbruch in die Romantik

Kommentare