Kaufering VII als "Erinnerungsort" im Internet

KZ-Außenlagerkomplex: Studenten präsentieren visuelle Umsetzung fürs Netz

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Fünf der sieben Studenten der Hochschule Augsburg, die das Projekt „Erinnerungsort“ entwickelt haben: (von links) Ruben Santoro, Patricia Urbas, Oliver Luxenhofer, Nina Landwehr und Daniela Hach. Es fehlen Tesselina Späth und Jessica Schneck.

Landsberg – Die Führungen im KZ-Außenlager Kaufering VII sind gut besucht. Geschichte direkt vor Ort zu erfahren, prägt sich ein. Aber manchmal würde man auch gerne ‚aus der Ferne‘ nachschlagen. Zu lesen gibt es einiges auf der Internetpräsenz der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung. Aber wie meistens bei komplexen Inhalten: alles sehr theoretisch. Wie dieses Wissen online erfahrbar gemacht werden könnte, zeigen am 8. September, dem Tag des offenen Denkmals, Studenten der Hochschule Augsburg: Sie präsentieren ihre interaktive Webanwendung „Erinnerungsort“ vor Ort: im KZ-Außenlager Kaufering VII.

„Angefangen hat das Projekt vor rund einem Jahr“, erzählt der Student Oliver Luxenhofer. Ihr Multimedia-Dozent, Professor Dr. Wolfgang Kowarschick, gab ihnen den „Denkanstoß“ für das im Studienplan vorgeschriebene Masterprojekt: digitale Medien in der Erinnerungskultur. Als erstes stand eine Führung in der Welfenkaserene an. Dann ging es ans Planen: Wie soll das Grundkonzept aussehen? Doch um zu sehen, was man machen will, ist es nötig, zu sehen was man hat. Also Daten. Die lieferte Welfenkasernen-Kenner Gerhard Roletschek. Und so entstand bei den Studenten die Idee, die Entwurzelung der Menschen zu visualisieren. „Deshalb gibt es bei dem Projekt eine Kartenebene, darüber liegt die Inhaltsebene und dazu existiert noch die Zitatebene“, erläutert Luxenhofer. Denn natürlich kommen auch die Zeitzeugen zu Wort. Um deren Aussagen zu finden hatte Luxenhofer in Dachau angerufen. Und die verwiesen ihn an den Präsidenten der Gedenkstätten-Stiftung Manfred Deiler.

„Mir gefallen diese engagierten Leute“, sagt der. „Die bringen andere Betrachtungsweisen, von denen wir und auch unsere Besucher profitieren.“ Weshalb er die Studenten gleich zu sich nachhause eingeladen habe. Und gefragt: „Was braucht ihr? Was können wir euch liefern?“ Er habe den Studenten nichts vorschreiben wollen. „Denn die können über den Tellerrand schauen, den wir noch haben.“

Die Webanwendung „Erinnerungsort“ startet mit einer interaktiven Karte samt Zeitleiste. Klickt der Anwender auf ein Ereignis, erscheinen Fotos sowie konkrete Daten. Auch die Bewegungsströme der Häftlinge werden visualisiert: in Linien vom Ausgangspunkt bis zum Außenlager, von Auschwitz bis Kaufering VII, samt Daten wie beispielsweise die Anzahl der Menschen. Darüber liegen die Zeitzeugenberichte. Wozu sich die Studenten fünf Einzelschicksale herausgepickt haben.

Der Tag des offenen Denkmals ist sozusagen der ‚Feldversuch‘ für die Studenten, die „Jungfernfahrt“ wie Luxenhofer formuliert: Im Gebäude 2 des Lagers Kaufering VII werden sie mit Laptops und Tablets – Strom gibt es dort nicht – neugierigen Besuchern Frage und Antwort stehen. Und natürlich ihr ‚Produkt‘ zum Ausprobieren freigeben – „Es wird keinen Frontalvortrag geben“, verspricht Luxenhofer lachend.

Die Webanwendung kann auf andere Erinnerungsorte übertragen werden, sagt Luxenhofer. Natürlich wäre es gut, wenn das Projekt in Landsberg Fuß fassen könnte. Möglich wäre wohl auch die Anwendung bei aktuellen Ereignissen wie den heutigen Flüchtlingsströmen. Eine Präsentation der Webanwendung in der Hochschule stieß bereits auf große Resonanz. Auch die Dozenten sind begeistert. Haben sie doch die Studenten mit einer glatten 1 belohnt. Eine Note, die bisher bei diesen Masterprojekten noch nie vergeben wurde.

Susanne Greiner

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