Wappen-Klau in Dießen

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Im Dießener Rathaus ist man befremdet über den Hersteller eines T-Shirts mit dem Wappen der Marktgemeinde, das er ohne Genehmigung kommerziell verwendet.

Dießen – Ein dreister Fall von Wappen-Piraterie beschäftigt zur Zeit das Dießener Rathaus. Im Internet hatte ein Bürger ein T-Shirt mit dem Original Wappen der Marktgemeinde entdeckt, dazu der Spruch „Dießen am Ammersee – Dort wo meine Geschichte beginnt“. Für 21,55 Euro online zu bestellen. Per E-Mail fragte der User bei Bürgermeister Kirsch nach, ob denn jedermann das Wappen so ohne weiteres für kommerzielle Zwecke benutzen dürfe. „Natürlich nicht“ hieß die prompte Antwort.

Jetzt liegt der Fall bei Karl Heinz Springer, dem Geschäftsleiter der Ammersee-Gemeinde. Er stellte unmissverständlich klar, „dass die Verwendung des gemeindlichen Wappens selbstverständlich nur mit Genehmigung der Kommune zulässig ist.“ Und dies sei dem Hersteller der T-Shirts nicht bewilligt worden. Man werde sich umgehend mit der Firma in Heppenheim in Verbindung setzen und prüfen, ob weitere Schritte eingeleitet werden. In Artikel 4/3 der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern steht nämlich ganz klar, „dass Wappen der Gemeinde nur mit deren Genehmigung verwendet werden dürfen“.

In der amtlichen Beschreibung für das historische Dießener Wappen heißt es: „In Gold der stehende heilige Georg in silberner Rüstung mit roten Kreuz und rotem Waffenrock, die Rechte gestützt auf einem silbernen Schild mit rotem Kreuz, in der Linken das Kreuzbanner, links daneben ein senkrecht gestellter blauer Fisch“. Der heilige Georg ist der Patron des Augustinerchorherrenstifts Dießen, das im neunten Jahrhundert im Ortsteil St. Georgen erbaut wurde. 1140 überließen die Grafen von Andechs den Stift dem Ort Dießen. Der heilige Georg mit Schild und Fahne, begleitet von zwei Fischen, findet sich schon im ältesten Dießener Marktsiegel aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die späteren Siegel zeigen nur noch einen Fisch. Er soll auf die besondere Lage Dießens am fischreichen Ammersee hinweisen.

Wappen-Piraterie im kommerziellen Bereich kommt immer wieder vor. Nicht nur auf T-Shirts und allen möglichen Souvenirs. Ein bekannter Fall vor ein paar Monaten war der Kapselgigant Nespresso, der unerlaubter Weise eine Verpackung von Kaffeestangen mit dem Münchner Stadtwappen verziert hatte. Oberbürgermeister Dieter Reiter persönlich wies die Kapselfirma auf die widerrechtlich Nutzung des Stadtwappens für Werbezwecke hin. Das Unternehmen stimmte zu und entfernte die Verpackung umgehend aus seinem Sortiment.

Im Dießener Rathaus erwartet man das gleiche vom Hersteller der Wappen-T-Shirts. Der Bürger, der das Shirt im Internet entdeckt hatte, regt darüber hinaus an, dass der Hersteller für seinen „Wappen-Klau“ eine freiwillige Spende an eine wohltätige Dießener Organisation machen sollte. 

Dieter Roettig

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