Dekan Oliver Grimm im KREISBOTEN-Interview

Seelsorge in Zeiten von Corona

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Alles andere als einfach: Seelsorge in Zeiten von Corona.

Landsberg – Nicht nur auf Messen, sondern auf viele Bereiche in der Seelsorge wirken sich die Einschränkungen in Zeiten des Coronavirus aus. Das betrifft auch Erstkommunion, Krankenkommunion, Sterbe­sakramente, Requien und Beisetzungen. KREISBOTEN-Mitarbeiter Johannes Jais sprach darüber mit Dekan Oliver Grimm vom Kapitel Landsberg. Und der verrät schließlich auch, welche zwei „Persönlichkeiten“ im Pfarrhof sich darüber freuen, dass der Pfarrer mehr Zeit für sie hat.

Herr Dekan, was machen Sie als Pfarrer, wenn aufgrund des Coro­na­virus vorerst keine Gottesdienste mehr stattfinden: lesen, beten, Büroarbeit erledigen, entspannen oder die Messe im stillen Kämmerlein lesen?

Grimm: „Bei uns finden alle Gottesdienste, für die eine Intention gewünscht wurden, zu den üblichen Zeiten statt – allerdings ohne Gottesdienstgemeinde. Die Glocken läuten wie gewohnt zum Gottesdienst und zur Wandlung. Die Gläubigen wissen so, dass ihre Heilige Messe gefeiert wird und können ‚im Geiste‘ geistlich dabei sein. Ein Priester feiert jeden Tag die Heilige Messe. Am Sonntag feiere ich den Pfarrgottesdienst für alle Pfarreien meiner Pfarreiengemeinschaft um 10 Uhr in der Kirche in Asch – nichtöffentlich.“

Ist das Pfarrbüro noch besetzt?

Dekan Oliver Grimm, Pfarrer im Fuchstal und Leiter des Dekanats Landsberg.

Grimm: „Im Bistum Augsburg sind seit Mittwoch, 18. März, alle Pfarrbüros für den Publikumsverkehr geschlossen. Von den drei Sekretärinnen in der PG Fuchstal beziehungsweise dem Dekanat Landsberg schaut eine Mitarbeiterin täglich vorbei und erledigt E-Mails, gibt die neuesten Verlautbarungen von Augsburg weiter, bearbeitet die Post, plant Termine uns so weiter...“

Zu welchen persönlichen Kontakten kommt es in der Seelsorge noch?

Grimm: „Wenn ich zu einem Sterbenden gerufen werde, gehe ich selbstverständlich hin. Telefonate werden geführt, Termine werden abgesagt oder verschoben beziehungsweise neu vereinbart. Telefonate mit Kranken oder alten Menschen sind jetzt besonders wichtig. Besuche mit der Krankenkommunion – üblicherweise jeden Monat einmal – mache ich zurzeit nicht; es sei denn, es wird ausdrücklich gewünscht.“

Wenn jemand die Krankenkommunion wünscht oder wenn Angehörige den Pfarrer zu einem Sterbenden rufen: Wie halten Sie Nähe, wie wahren Sie Abstand?

Grimm: „Bei den Sterbesakra­menten werde ich – bislang war es noch nicht der Fall – den gebotenen Abstand halten, aber die vom Ritus vorgesehenen Handlungen mit Handauflegung und Salbung natürlich einhalten. Wichtig scheint mir, den Kontakt kurz zu halten. Die Dauer des Kontakts ist relevant für die Höhe des Infektionsrisi­kos. Und wichtig ist, die Hygiene­regeln einzuhalten. Das gilt aber auch sonst. Generell ist mir wichtig, Sterbende öfter kurz als einmal lang zu besuchen – meist fehlt die Kraft für lange Kontakte. Gleiches gilt für das Gespräch mit den pflegenden Angehörigen – es sei denn, es wird signalisiert, dass ein Gespräch gewünscht wird.“

In welcher Form werden Requien und Beisetzungen gehalten?

Grimm: „Requien werden derzeit nicht gefeiert. Die Beisetzung im Freien wird im kleinen Kreis mit den nächsten Angehö­rigen wie gewohnt gefeiert. Das Requiem kann auf Wunsch der Angehörigen später angesetzt werden.“

Und was wird heuer aus den Erstkommunion-Feiern in den Pfarreien?

Grimm: „Alle Erstkommunionfeiern sind auf Anordnung der Diözese bis zum 26. April 2020 abzusagen. Im Fuchstal haben wir aus Gründen der Gleichberechtigung auch die Erstkommunionen am 3. Mai abgesagt. Wenn wieder geplant werden kann, setzen wir die Feiern an Sonntagen an. Aber nur mit einer Probe und der Beichte vorher und in etwas ‚abgespeckter‘ Form. Im Juli soll in der größten Kirche der Pfarreiengemeinschaft ein Dankgottesdienst mit allen Kindern, die möchten, stattfinden.“

Welche Sorge treibt Sie um bei all den Einschränkungen wegen des Coronavirus?

Grimm: „Ältere und kranke Menschen können besonders jetzt noch mehr vereinsamen. Es gilt den Kontakt so gut als möglich zu halten – das gilt nicht nur für Seelsorger, sondern für alle, die ihnen verbunden sind oder sein wollen! Im schlimmsten Fall können einzelne Menschen ganz auf sich allein gestellt und damit überfordert sein. Da brauchen wir alle ein ‚waches Auge‘. Dem Miteinander in den Familien kann das Mehr an Zeit und Kontakt gut tun – aber auch Konflikte erst deutlich machen. Ich hoffe sehr, dass alle damit auf eine gute Weise umgehen können beziehungsweise das lernen. Eine große Sorge bezüglich der Einschränkungen ist die Leichtfertigkeit, mit der manche Mitmenschen damit umgehen – oder zumindest diesen Eindruck erwecken oder das sogar wollen. Allzu viel ‚cool sein‘ oder sein wollen mit neuen, ungewohnten Situationen scheint mir bedenklich.“

Es heißt, dass man dieser Zeit auch Positives abgewinnen kann: Was gehört für Sie als Seelsorger dazu?

Grimm: „Ich habe schon meinen Schreibtisch-Container ausgemistet! Jetzt habe ich die Zeit, das Stundengebet für die mir Anvertrauten zu den entsprechenden Zeiten zu verrichten. Zeit für Telefonate ist jetzt da. Die Ostergottesdienste müssen auch heuer vorbereitet werden. Und: Es gibt im Pfarrhof in Asch zwei Persönlichkeiten, die sich über die momentanen Gegebenheiten sehr freuen: Meine zwei Katzen genießen es, dass ihr Zweibeiner endlich mal mehr Zeit für sie hat.“
Johannes Jais

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