KREISBOTEN-Serie "Systemrelevant und (nicht) schlecht bezahlt

Mit Achtung vor dem Tier

+
Der 21-jährige Franz Hoiß ist schon Landwirt, jetzt macht er eine Metzgerlehre in St. Ottilien.

St. Ottilien/Eching – Der Beruf des Metzgers ist in der Öffentlichkeit mit Vorurteilen behaftet und gesellschaftlich nicht hoch angesehen. Nach dem Motto: „Jeder schmeißt gerne eine Wurst auf den Grill, aber keiner will wissen, woher sie kommt.“ Franz Hoiß (21) aus Eching hat diesen Beruf ergriffen und ist nun im dritten Lehrjahr in der „Klostermetzgerei“ St. Ottilien. Gerade jetzt in Krisenzeiten ein wichtiger Job. Für den KREISBOTEN sprach Dietrich Limper mit dem Azubi. Mit dabei war Lehrlingswart Ronny Spindler.

Herr Hoiß, wie kamen Sie denn auf die Idee, eine Ausbildung zum Metzger zu machen?

Franz Hoiß: „Ich habe schon eine Ausbildung zum Landwirt gemacht. Und bereits als Dreijähriger habe ich meine ersten weißen Gummistiefel bekommen und daheim auf dem Hof wurden Schweine geschlachtet. Aber da unser Hof ziemlich klein ist, kann ich da nicht arbeiten und habe mich deshalb für eine zweite Lehre entschieden. Mir ist es einfach auch wichtig, zu wissen, wo das Fleisch herkommt und wie es verarbeitet wird. Und weil ich schon eine Lehre gemacht habe, verkürzt sich meine Ausbildung um ein Jahr und ist Ende August zu Ende.“

Wie hat Ihr Umfeld auf diese Entscheidung reagiert?

Hoiß: „Alle haben das sehr positiv aufgenommen und freuen sich, dass sie nun eine Person haben, mit der sie über das Thema Fleisch sprechen können. Bis jetzt hat sich noch niemand gegen meine Ausbildung ausgesprochen.“

Wie oft und wie viel wird in der Klostermetzgerei geschlachtet?

Hoiß: „Wir schlachten montags circa zehn Schweine und zwei Lämmer. Und zwei bis drei Großvieh im Laufe der Woche.“

Wissen Sie, wo die Tiere herkommen und haben Sie Kontakt zu den Bauern und Züchtern?

Hoiß: „Die Schweine für unsere Metzgerei in St. Ottilien kommen aus einem Strohschweinehotel in Steinach, die Rinder sind alle aus dem Kloster St. Ottilien und die Lämmer kommen von Dünzelbach. Also alle aus der Region. Wir schauen uns auch die Betriebe an, wo die Tiere herkommen und halten engen Kontakt zu den Landwirten.

Wie sehen denn Ihre Arbeitszeiten aus?

Hoiß: „Ich fange um halb sechs an, da habe ich Glück, denn die meisten Metzger fangen um vier Uhr an. Aber dafür bin ich um 14 Uhr daheim und kann viele andere Dinge tun. Ich bin sehr aktiv im Vereinsleben in Eching. Feuerwehr, Schützenverein, Blaskapelle und im Moment widme ich mich dem Sport und gehe laufen.“

Als Metzger muss man wahrscheinlich auch fit sein, oder?

Hoiß: „Ja, das ist schon eine Grundvorausetzung, denn es ist keine leichte Arbeit. Es kann anstrengend sein und man darf es nicht unterschätzen.“

Wo und wie oft mussten Sie zur Berufsschule gehen? Und wo liegen die Schwerpunkte?

Hoiß: „Es gibt elf Mal im Jahr eine Woche Blockunterricht an der Schule für Metzgerhandwerk in München. Es geht viel ums Zerlegen und die Wurstproduktion. Man lernt alles über die verschiedenen Fleischteile.“

Was macht in der Ausbildung am meisten Spaß?

Hoiß: „Das mag nun komisch klingen, aber für mich ist es das Schlachten an sich. Ich mache das mit Achtung und Respekt gegenüber den Tieren.“

Sie sind nun während der Corona­krise in einem systemrelevanten Beruf. Wie nehmen Sie das wahr?

Hoiß: „Also bei uns läuft es ganz normal weiter. Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist in unserem Hofladen gestiegen. Der Verkauf an den Endverbraucher ist mehr geworden. Aber ich merke jetzt auch in der Krise, dass mein Job gefragt ist.“

Was halten Sie von der Biofleisch-Debatte?

Hoiß: „Bio ist immer eine Möglichkeit, aber ist nicht für alle zur Verfügung zu stellen. In der Landwirtschaft hat man mit Bio geringere Erträge und davon könnte man die Weltbevölkerung nicht ernähren.“

Werden Sie im September übernommen? Was werden Sie machen?

Hoiß: „Nein, übernommen werde ich nicht und so bin ich zu dem Entschluss gekommen, ein Praktikum im Ausland zu machen. Es geht für vier Monate nach Norwegen. Dort hat ein Deutscher einen landwirtschaftlichen Betrieb und ich lerne schon fleißig Norwegisch.“

Warum sollten junge Leute dieses Handwerk ergreifen?

Hoiß: „Ich war positiv überrascht, wie vielfältig dieser Beruf ist. Man kann auch seine Kreativität ausleben, wenn man Wurstprodukte herstellt. Außerdem ist der Job krisensicher und in der Lehre nicht schlecht bezahlt. Im dritten Lehrjahr bekomme ich 1.030 Euro brutto. Der Beruf hat einen viel zu schlechten Ruf. Jeder kann ein Praktikum und sich ein Bild machen.“

Ronny Spindler: „Es war eigentlich geplant, dass ich in die Schulen gehe und dort das Berufsbild des Metzgers und der Metzgereifachverkäuferin vorstelle. Ich hatte schon einen Termin, aber der fällt wegen der Corona-Krise natürlich aus. Ich möchte einfach aufklären und ein bisschen Bewegung in die Sache bekommen, damit sich die jungen Leute mehr Gedanken machen.“
Dietrich Limper

Auch interessant

Meistgelesen

Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Die Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Neues Zuhause gesucht: Helfen Sie diesen liebenswerten Vierbeinern!
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Utting: Drei Millionen für „Haus der Kinder“
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company
Landsberg: Sommerunterhaltung mit „Mandragola“ und Moreth Company

Kommentare