Mehr Raum für die Kultur

Interview: Wie will Stadtrat Tom Bohn die Landsberger Kultur fördern?

Landsberg – Es wird still um die Kultur. Veranstaltungen werden abgesagt, Ausstellungen sind nicht möglich, Konzerte noch reine Illusion. Vermehrt werden Rufe laut, auch die Kultur in den Wegen aus dem Shutdown zu berücksichtigen. Doch wie wird die Situation für Künstler und Kulturschaffende ‚danach‘ sein? Der KREISBOTE sprach mit dem FDP-Stadtrat und Snowdance-Chef Tom Bohn.

Tom Bohn will weniger Bürokratie in der Kultur.

Wie sehen Sie die momentane Lage für die Kultur?

Tom Bohn: „Es ist für mich erstaunlich, für wie wenig systemrelevant die Kultur hierzulande gehalten wird. Wer diesen Satz nicht versteht, sollte sich einmal fragen, wie er die Quarantäne ohne Bücher, Filme, Musik und darstellende Kunst gemeistert hätte.“

Und wie beurteilen sie die Situation der Künstler – sowohl darstellend als auch bildend –, wie die der Kulturschaffenden auch Kulturvermittler, also beispielsweise Veranstalter?

Bohn: „Ich habe beobachtet, dass sich zur Zeit viele Kreative zurückziehen – an ihren Werken und Konzepten arbeiten und hoffen, dass der Shutdown schnell vorübergeht. Dass unsere Gesellschaft in dieser Krise massenweise die Ergebnisse kreativer Arbeit konsumiert, sich aber im Gegenzug nicht ausreichend für deren Schöpfer interessiert, ist ein emotionales und intellektuelles Armutszeugnis.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Aufgaben des Stadtrats in Bezug auf das Thema Kultur? Kann die Stadt die Kultur verstärkt fördern?

Bohn: „Durch die harten Auflagen des Shutdowns wird unsere Gesellschaft ‚nach Corona‘ natürlich katastrophal hohe, finanzielle Belastungen zu bewältigen haben, das ist klar. Ich denke, wir können uns als Kreative deswegen keine große Illusionen über staatliche Zuwendungen machen. Es wird Eigeninitiative gefragt sein. Und Konzepte, die sich durch Publikumsinteresse refinanzieren lassen. Wer als Künstler auf öffentliche Zuwendungen hofft, wird wohl in den nächsten drei bis vier Jahren noch häufiger enttäuscht werden, als es schon in der Vergangenheit der Fall war.

Welche Akzente möchten Sie im Stadtrat setzen? Ihr Wahlkampf hatte ja das Thema Kultur als Schwerpunkt?

Bohn: „Ich erarbeite gerade ein Konzept, das den Kreativen und Veranstaltern hier mehr Platz zur Eigeninitiative lässt. Die Stadt sollte jetzt von der Überregulierung der Kultur durch die Behörden Abstand nehmen und wieder mehr öffentlichen Raum für Künstler, Kreative und deren Veranstalter schaffen. Also unbürokratisch und finanziell unaufwendig mehr Präsentationsflächen in Landsberg zur Verfügung stellen. Dann findet man als Kreativer auch besser zu seinen ‚Kunden‘. Auch über die Stadtgrenzen hinaus.“
Susanne Greiner

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