"Europa - quo vadis?"

IPPNW-Tagung in Landsberg: ein Treffen der Generationen

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Die Botschaft nach außen tragen: Am Samstag demonstrierten Mitglieder von IPPNW und FFF gemeinsam für eine atomwaffenfreie Welt und für die Umwelt.

Landsberg – Es ist ein Treffen der Generationen: Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW hatte am Samstag zur Tagung „Europa – quo vadis?“ eingeladen. Auffallend jung waren die Schüler von Fridays for Future. Denn Atomgegner stammen meist aus der Generation, die gegen das Wettrüsten in seiner Hochphase auf die Straße ging. Überschneidungen gibt es aber. Zum Beispiel in einer Forderung beider Gruppen: globale Gleichheit.

„Wir müssten die Welt auf ein Level bringen“, so Dominik Sell von FFF. Das höre sich „abgespaced“ an, dennoch sei es die Grundvoraussetzung, um das Klima zu retten. Soziologe Stephan Lessenich stimmte zu. „In vielen Belangen muss es weniger werden.“ Dabei sei ‚Wachstum‘ nur eine Metapher für Kapitalismus. Das Ziel, allen die gleichen Überlebensbedingungen zu gewähren, widerspreche dem kapitalistischen Produktionswesen, das „beides, Überfluss und Armut benötigt“. Globale Gleichheit bedürfe einer „völlig anderen Welt. Ich will die.“

Dass Grenzen Umwelt- und Friedensarbeit beschränkten, sah Moderatorin Sabine März-Lerch bereits innerhalb Europa als erwiesen: „Was machen wir mit unseren Nachbarn?“ Dr. Till Bastian, Arzt und ehemaliger Vorstand von IPPNW, verwies auf Atomkraftwerke, die in Frankreich und Tschechien gebaut würden. Insgesamt sah Bastian jedoch am Beispiel der Atomwaffen ein Verbot als Mittel der Wahl. Der Druck zu den Verboten müsse von unten kommen, war Lessenich überzeugt. Man werde dennoch Interessen schädigen, auch die des Einzelnen, der sich nicht vorschreiben lassen wolle, wie schnell er auf der Autobahn fahre. Es werde ein „knallharter Kampf. Und es wird alles andere als kuschelig!“

Auf die Arbeit im Kleinen wies ein Zuhörer hin: „Wir haben im Landkreis ein prima Klimaschutzkonzept. Aber im Kern ist nichts passiert.“ Man solle die Politiker direkt angehen und fragen, warum nichts geschehe.

Die Sensibilisierung von unten funktioniere bei Umwelt, nicht aber beim Kampf gegen Atomkraft, hakte März-Lerch nach. Niemand sei bei Aufkündigung des INF-Vertrags auf die Straße gegangen. Der Mensch brauche persönliche Betroffenheit, war sich Lessenich sicher. Dass nicht nur Inseln im Pazifik versinken, sondern ein „Tornado das Dach meiner Vorstadtvilla wegträgt“. Atomgegner seien vor allem in den 80ern sichtbar gewesen: „Wenn es damals losgegangen wäre, dann bei uns“.

„Wie erreichen wir die große Masse?“, fragte einer der rund 130 Diskussionsteilnehmer. Beim nächsten Mal solle jeder fünf Leute mitbringen, so Lessenich. „Die bringen wieder jeder fünf mit. Das wird ganz schnell ganz groß.“

Man müsse die Botschaft nach außen tragen, so Tagungsorganisator Rolf Bader von (IPNNW) . Auch durch die anschließende Demonstration, bei der knapp 100 Teilnehmer durch die Altstadt zogen. Er hoffe zudem, dass OB Mathias Neuner bei „Mayors for Peace“ teilnehme, einer internationalen Organisation zur atomaren Abrüstung, 1982 gegründet von Hiroshimas Bürgermeister. Diese setze sich für eine Nuklearwaffenkonvention für eine atomwaffenfreie Welt bis 2020 ein. „Die Unterlagen liegen auf Herrn Neuners Tisch bereits.“
Susanne Greiner

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