In Eresing wird's manch einem zu eng

Isana will ins Fuchstal - Entscheidung über Gewerbegebiet vertagt

+
Darum geht’s: Soll hier an der B 17 ein Gewerbegebiet entstehen?

Fuchstal – Eine schnelle Ausweisung kann man sich abschminken! Vor allem wegen offener Fragen zur Verkehrsbelastung oder auch dazu, welche Hallen dort gebaut und wofür sie genutzt werden, ist das Thema Gewerbegebiet an der B 17 zwischen Römerkessel und Hohenwart vertagt worden. Bürgermeister Karg sagte in der öffentlichen Sitzung keinen Namen, sondern sprach nur von einem Interessenten aus dem Landkreis. Der KREISBOTE hat recherchiert und erfahren, dass es sich bei dem Betrieb um die Isana Naturfeinkost GmbH mit Sitz in Eresing handelt.

Isana vertreibt ungefähr 240 Produkte in Deutschland und Europa, ja sogar bis nach Dubai, wie Walter Lutz (64) von der Geschäftsführung erklärt. Er kommt aus Burggen vom Gut Dessau, das ebenfalls Bio-Waren zur Produktpalette der Isana Naturfeinkost GmbH beisteuert.

Insgesamt vermarktet der Betrieb unter dem Namen bio-verde 240 Produkte. Er gehört zu den führenden Anbietern biologischer Feinkost in Europa. Drei Viertel sind aus eigener Herstellung. Ein Viertel ist Importware. Der tägliche Warenausstoß beträgt cirka 20 Tonnen an Naturfeinkosterzeugnissen, informiert das Unternehmen auf der eigenen Homepage.

Walter Lutz war neulich einer von zahlreichen Besuchern bei der abendlichen Gemeinderatssitzung in Fuchstal. „So viele Zuhörer ham mer schon seit 15 Jahren nimmer g’habt“, stellte Bürgermeister Erwin Karg zu Beginn der Sitzung im Rathauskeller fest. Dann betonte er: „Zuhörer ham kein Rederecht“. Gleich dreimal hatte er diesen Satz ausgesprochen.

Als es nach einer halben Stunde um die Ausweisung des Gewerbegebietes westlich der B 17 zwischen Römerkessel und Hohenwart ging, wurde es doch emotional. Nicht nur Gemeinderäte äußerten klar ihre Meinung. Vielmehr kamen aus den Besucherreihen Zwischenrufe. Einer lautete: Die Gemeinde ließe sich da unter Druck setzen. Einem Anwohner, der sich trotz mehrfachen Hinweises nicht zurückhielt, bedeutete Bürgermeister Karg den Weg zur Tür; er verwies ihn des Saales. Eine andere Frau verließ wütend das Sitzungszimmer. „Wir sehen uns noch“, rief sie Karg zu.

„Wir befassen uns schon seit längerem mit dem Gewerbegebiet“, führte Rathauschef Karg in das Thema ein und erinnerte daran, dass man im Gremium schon einen grundsätzlichen Beschluss für Gewerbeflächen an der B 17 gefasst habe. Eine Firma aus dem Landkreis Landsberg sei auf ihn zugekommen und habe sich erkundigt. Dieser Betrieb habe schon Flächen erworben, und zwar mehr als die Hälfte in dem 13 Hektar großen Gewerbegebiet, wo der Gemeinde nur der südliche Bereich gehört. Karg berichtete, dass weitere fünf Betriebe Interesse an Gewerbeflächen gezeigt haben – meist in einer Größenordnung zwischen 4.000 und 6.000 Quadratmetern. Die Gemeinde hat eine Option auf ein Grundstück im Süden des Gewerbegebietes.

"Null Reserve"

Gemeinderat Heinz Nehrenheim (Seestall) meldete sich als erster zu Wort. Es sei nicht „zielführend“, große Flächen zuzubetonieren. Auch sei zu hinterfragen, was große Hallen der Gemeinde Fuchstal brächten und wie viele Arbeitsplätze dort geschaffen werden. Bürgermeister Karg erklärte, im Gemeindegebiet von Fuchstal gebe es ansonsten „null Reserve“ bei Gewerbeflächen.

Franziska Welz (ebenfalls Seestall) bekundete, die Verkehrsbelastung auf der B 17 zwischen Landsberg und Schongau sei in diesem Abschnitt mit 15.000 Fahrzeugen am Tag sehr hoch. Die Situation an der Einmündung der Staatsstraße 2055 zur B 17 beim Römerkessel sei jetzt schon angespannt. Weiteres Gewerbe brächte eine Zuspitzung. Auch sei eine Baumreihe in diesem 13 Hektar großen Areal schützenswert.

Dr. Walter Reitler (Gemeinderat aus Seestall) verlangte eine Basis „für eine fundierte Entscheidung“. Einen Handel von Lebensmitteln solle man nicht pauschal ablehnen. Johannes Wolffhardt war der Meinung, dort solle kein Standart-Gewerbegebiet entstehen, sondern was „innovatives Grünes“.

Werner Schmid äußerte sich kritisch zum Verbrauch der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche: „Bloß weil er was bauen will, sollen wir ihm nachspringen“, kommentierte er die Anfrage aus dem Lebensmittelbereich und fügte hinzu: „Wir müssen umdenken.“

Christoph Kneißl war der Meinung, man solle in erster Linie für heimische Interessenten Gewerbeflächen ausweisen. Erwin Karg antwortete, die Gemeinde habe nur eine Option auf ein Grundstück im Süden der 13 Hektar großen Fläche, das zudem nur von Norden her an die St 2055 angebunden werden könne. Stephan Völk vertrat die Ansicht, man solle ein Gewerbegebiet an der B 17 nicht generell „verteufeln“.

Im Nachgang zur Sitzung spricht Heinz Nehrenheim von „Salamitaktik“. Den früheren Grundsatzbeschluss zum Gewerbegebiet an der B 17 dürfe man keinesfalls zu hoch hängen. Daraus könne man nicht ableiten, dass es jetzt an der Zeit sei, einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan zu fassen und den Planungsauftrag zu vergeben. „Das geht nicht“. Erst müssten die Informationen zum konkreten Vorhaben auf den Tisch, sagte er auf Nachfrage des KREISBOTEN.

Das wird noch geschehen. Man wird einen Vertreter der Isana Naturfeinkost GmbH zu einer Sitzung in den Fuchstaler Gemeinderat einladen.

Johannes Jais

Auch interessant

Meistgelesen

"Carmina Burana" auf dem Landsberger Hauptplatz
"Carmina Burana" auf dem Landsberger Hauptplatz
Ruethenfest erobert die Stadt
Ruethenfest erobert die Stadt
Und wieder siegt das Gute
Und wieder siegt das Gute
Auszeichnung der besten Mittelschulabsolventen des Landkreises
Auszeichnung der besten Mittelschulabsolventen des Landkreises

Kommentare