»Schon ein bisschen trist«

Ist der Landsberger Wochenmarkt zu teuer?

Landsberger Wochenmarkt am Hauptplatz
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Trotz Sonne eher trist: Der Landsberger Wochenmarkt könnte mittwochs noch ein paar Stände vertragen. Die Stadt ist bei der Zulassung aber äußerst streng.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landsberg – Ein sonniger Samstagmorgen. Der Gang zum Wochenmarkt auf dem Hauptplatz ist ein Genuss: frisches Gemüse und Obst, Käse, Brot oder auch Fisch und Speck machen den Gaumen wässrig. Dennoch, die wenigen Stände verlieren sich auf der weiten Fläche. Ein breiteres Angebot würde die Attraktivität steigern – wovon sowohl Händler als auch Kunden profitieren, die Stadt nicht zu vergessen. Doch nicht jeder Fierant darf auf dem Wochenmarkt verkaufen. Ganz abgesehen davon, dass der Markt einer der teuersten überhaupt ist.

„Ich zahle hier sicher doppelt so viel wie für den Viktualienmarkt in Dießen oder den Dorfmarkt in Schondorf“, urteilt der Käseverkäufer, der zweimal pro Woche mit seinem Wagen den Wochenmarkt besucht. In Landsberg sei es schon „sehr teuer“. Pro Halbjahr zahle er knapp 1.300 Euro für Strom und Standgebühr. In Herrsching hingegen beispielsweise nur 360 Euro pro Jahr.

„Der Markt hier ist weitaus teurer als alle anderen Märkte, die wir besuchen“, urteilt auch der Verkäufer am Olivenstand. Immerhin sei man in Weilheim und Schongau, aber auch in Ulm, Garmisch oder Kempten unterwegs. Positiv am Landsberger Wochenmarkt ist für ihn hingegen der Termin am Mittwoch: „Viele andere Märkte konzentrieren sich aufs Wochenende.“ Allerdings sei es finanziell kaum machbar, den Wochenmarkt am Mittwochvormittag und dazu den Bauernmarkt am Donnerstagnachmittag zu besuchen.

Zu den hohen Standgebühren kommt noch die Parkgebühr für das Auto. „Dafür, dass wir unser Auto am Infanterieplatz abstellen dürfen, zahlen wir 120 Euro im Jahr“, berichtet der Verkäufer vom Olivenstand. Oder man zahlt halbtageweise fürs Parkhaus, „sechs Euro bis zum Mittag“, sagt der Fierant, der seit Neuerem aus Tirol mit Speck und Olivenöl auf dem Markt steht. Er nimmt auf dem Rückweg noch den Markt in Garmisch mit. Oder den in Niederndorf in Tirol. Auch im Vergleich zu diesem zahle er in Landsberg mehr als das Doppelte.

Die Standgebühr für einen zehn Meter langen Obst- und Gemüsestand beträgt für den Landsberger Wochenmarkt – 50 Tage im Jahr – 2.625 Euro. Denn die Gebühr für einen ‚Standmeter‘ liegt momentan bei 5,25 Euro pro Tag – und steigt jedes Jahr zum 1. Januar um drei Prozent. Im Vergleich: Die Markthalle Dießen erhebt in der Halle 4,50 Euro je Standmeter, auf dem Vorplatz nur 2,50 Euro. Auf dem Markt in Schondorf werden lediglich 1,50 Euro pro Meter fällig. In Utting zahlen die Verkäufer zwei Euro pro Meter.

Selbst der schicke Viktualienmarkt in München scheint günstiger zu sein. Hier wird allerdings nach Umsatz gerechnet. Die Händler zahlen je nach Lage zwischen 1,5 und 3,5 Prozent des Jahresumsatzes. „Es gibt aber eine monatliche Mindestgebühr, die nicht unterschritten werden darf“, informiert die Pressesprecherin der Landeshauptstadt Maren Kowitz. Sie variiere bei den Lebensmittelständen je nach Größe und Lage zwischen 172,50 und 1.012 Euro pro Monat. Rechnet man die Mindestgebühr aufs Jahr hoch, kommt man auf 2.070 Euro – für einen Stand, der sechsmal pro Woche im Herzen von München verkaufen kann. Und will ein Händler nur ab und zu auf dem Viktualienmarkt seinen Stand aufbauen, zahlt er laut Markthallen-Gebührensatzung pro angefangenen Quadratmeter von 11 Euro in der Ladenreihe bis zu 16,90 Euro im Schlachthof – allerdings pro Monat.

Was der Weiler Käseverkäufer zudem am Landsberger Wochenmarkt kritisiert: dass schon seit Längerem fast keine neuen Stände dazukommen würden. Er sei jetzt schon seit 25 Jahren mit dabei. Viele Neue „außer dem Tiroler“ habe er aber nicht gesehen.

Dass es nicht einfach ist, von der Stadt als Marktverkäufer angenommen zu werden, hat auch Theresa Kummer zu spüren bekommen, die mit ihrem Angebot unverpackter Lebensmittel alias „Tante Resi“ momentan nur auf die Warteliste gekommen wäre – und deshalb ihre Waren ohne Verpackung auf dem Wochenmarkt nicht anbieten wird (der KREISBOTE berichtete).

Die Warteliste

Momentan erteile man wegen der Coronakrise keine neuen Zulassungen, sagt Simone Sedlmair von der Pressestelle der Stadt. „Hinzu kommt, dass wir am Samstag bereits fast keinen Platz mehr zu vergeben haben.“ Am Mittwoch wären aber noch Plätze frei. Verkauft werden dürfen auf dem Wochenmarkt „Lebensmittel des täglichen Bedarfs“, Fleisch kleinerer Tiere und Fisch, kein Alkohol. Es gebe eine Warteliste, auf der je nach Angebot – Obst & Gemüse, Fleisch/Wurst – diverse Händler stehen. „Wenn ein Händler kein Interesse mehr hat, rutscht aus dieser Kategorie jemand nach.“ Aber eben nicht einer, der etwas anderes verkaufen möchte. In der Vergangenheit habe man deshalb Fieranten abgelehnt, „da das angebotene Sortiment nicht in den freiwerdenden Markt-/Standplatz gepasst“ hat.

Er hätte nichts gegen ein bisschen Konkurrenz, sagt dazu der Käsehändler. Natürlich würde er das im Umsatz merken. Aber mit der Zeit kämen bei einem größeren Angebot sicher auch mehr Kunden. „Ansonsten ist es hier am Hauptplatz manchmal ja schon ein bisschen trist.“
Susanne Greiner

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