Lagebericht zur Corona-Situation

Ist die Prio 2 im Landkreis Landsberg bis Ende Juni geimpft?

Landrat Thomas Eichinger
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Landrat Thomas Eichinger warnt vor der sich wieder verschärfenden Coronasituation.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – In vier Schulen hat es vor den Osterfeiertagen einen Coronaausbruch gegeben. Dennoch, in dieser Woche sind die Schulen offen – mit Wechselunterricht und Testpflicht für die Schüler, die am Präsenzunterricht teilnehmen wollen. Dass die Inzidenz seither wieder steigt, ist dabei nicht entscheidend. Denn Stichtag ist immer Freitag. Und am letzten Freitag lag die Inzidenz im Landkreis noch unter 100. Ein Lagebericht zur Corona-Situation.

„Was wir bei den Inzidenzwerten sehen, bildet nicht das reale Geschehen ab“, kommentierte Landrat Thomas Eichinger am Donnerstag das Absinken des Wertes auf 70,7. Bereits in der Nacht auf Donnerstag seien neue Meldungen positiver Fälle gekommen, ein Anstieg der Inzidenz deshalb vorhersehbar gewesen.

Zu starre Regeln

In Bezug auf den Start der Schulen im Wechselunterricht zeigte sich Eichinger besorgt: „Mir wäre Schließen eigentlich lieber.“ Das ständige Hin und Her verunsichere sowohl Lehrer als auch Eltern und Schüler. Aber hier sei man an die „festen, starren Regelungen in Bezug auf die Inzidenz“ gebunden. Der Inzidenzwert am Freitag, die ‚Freitagszahl‘ für die Schulen, gelte für die gesamte kommende Schulwoche – auch wenn die allgemeine Tendenz eine andere Richtung nahelegen würde. Und dieser Wert liegt heute bei 77,3.

Generell gebe es wohl die Möglichkeit, mittels einer Ausnahmegenehmigung seitens des Ministeriums von den eigentlich für die Woche geltenden Regelungen für Schulöffnungen abzuweichen. Diese Ausnahmen gebe es jedoch eigentlich nur ‚in der Theorie‘. Man habe die Erfahrung gemacht, dass eine Genehmigung nicht erfolge. Schon die Formulierung, dass „im Einzelfall“ Ausnahmen möglich seien, werfe Probleme auf, sagt FüGK-Leiterin Maria Matheis. „Sind nun ‚alle Schulen im Landkreis‘ ein Einzelfall?“

Die Infektionen an den Schulen fanden in der Woche vor den Osterfeiertagen statt. Daraufhin habe man direkt am Donnerstag 800 Schüler einem Reihentest unterzogen, berichtete die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Birgit Brünesholz. Und wegen der Feiertage den Kontaktpersonen Grad 2 einen Test angeboten, „um das Infektionsgeschehen gut abfangen zu können“. Sonst hätte man das eventuell nicht so schnell in den Griff bekommen. Es sei eine freiwillige Aktion des Amtes gewesen, ein Angebot. Aber die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes hätten sich darauf „extrem boshafte Äußerungen“ anhören müssen. „Wir lassen uns ungern so angehen“, so Brünesholz.

„Seit Ostern sind die Hausärzte in die Impfungen eingebunden“, berichtete Eichinger. Dabei stehe das Landratsamt außen vor. Geliefert bekommen die Arztpraxen den Impfstoff direkt über Großhandel und Apotheken. Eichinger zeigte sich „froh über diese dezentrale Struktur“, allerdings sei das Impfgeschehen damit nicht mehr transparent. „Wir erhalten von den Praxen keine Informationen, wer wann geimpft wurde.“ Zudem wisse man auch nicht, welche Praxis überhaupt impfe. Die Hausärzte meldeten die Zahlen an den KVB, informierte der Leiter des Impfzentrums Peter Rasch. Von dort gingen sie ans Ministerium. Seiner Ansicht nach seien die Angaben aber unglaubwürdig, zumindest, soweit er bisher gesehen habe. Auch habe er gehört, dass die Anmeldung der Ärzte beim Portal der KVB eher schwierig sei.

Problem AstraZeneca

„AstraZeneca macht alles kompliziert“, fasste Eichinger zusammen. Rasch berichtete von unschönen Szenen im Zusammenhang mit der Empfehlung, AstraZeneca nur noch an Personen über 60 Jahre zu verimpfen, die am 30. März gegeben wurde und am 31. März umgesetzt werden musste. Natürlich sei es deshalb zu Wartezeiten gekommen, „bedauerlich, aber nicht zu ändern“. Manche hätten auf diese Situation aber äußerst beleidigend reagiert und „jede Form von Takt und Anstand verloren“.

Rund 20 Prozent der Über-60-Jährigen lehnten eine Impfung mit AstraZeneca ab, sagte Rasch. Wenn kein anderer Impfstoff verfügbar sei, müsse so jemand wieder weggeschickt werden, auch wenn in der Anmeldung zum Termin noch ein anderer Impfstoff vermerkt gewesen sei. Auch viele, die jetzt einen Termin buchen könnten, würden das wegen des schwedisch-britischen Impfstoffes nicht tun. So verschiebe sich die Priorisierung, da rücke über die Software BayIMCO auch mal jemand aus Gruppe 3 auf. Auch für Personen, die eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten hätten, aber unter 60 seien, werde für die Zweitimpfung nur Moderna oder BioNTech verwendet. Dennoch, AstraZeneca bleibe im Impfzentrum nicht liegen.

Fehlender Stoff

Ein weiteres Problem seien die zugesagten, aber nicht gelieferten Impfdosen. Das erschwere die Planung, so Rasch. Er erhalte keine Informationen, warum eine andere Anzahl von Impfdosen als angekündigt geliefert werde. Generell richte sich die Menge nach der Bevölkerungszahl. Deshalb erhalte der Nachbarlandkreis Starnberg beispielsweise mehr. In der Woche vor Ostern seien 636 Dosen BioNTech gekommen, am heutigen Freitag knapp 1.900 Dosen BioNTech und Moderna sowie 400 Dosen AstraZeneca, für den 13. und 16. April seien 2.750 Impfdosen BioNTech und Moderna angekündigt. Rechne man weiterhin mit diesen Mengen, brauche man für die Priorisierungsgruppe 2 mit bisher 12.547 Angemeldeten noch rund zehn Wochen. Zwar sei die Rede von mehr Impfstoff im Lauf des Monats. „Aber das glaube ich erst, wenn er hier ankommt“, sagte Rasch.

AstraZeneca erhält der Landkreis ab nächster Woche vorerst wohl nicht mehr. Eichinger vermutet, dass der Impfstoff an die Praxen geht. Er wisse nicht, was mit AstraZeneca-Impfdosen geschehe, die in Arztpraxen liegenbleiben, wenn mögliche Kandidaten diesen Stoff ablehnten. Das Impfzentrum dürfe ihn nicht abgreifen. Den Impfstoff von Johnson & Johnson erwarte man erst Mitte bis Ende Mai.

In der Priorisierungsgruppe 1 gebe es noch einige Restkandidaten, bei denen die angegebene Adresse nicht korrekt sei, berichtete Rasch. Allerdings ‚wachse‘ diese Gruppe: Werde jemand 80, rutsche er auf. Auch ein Neuzugang in einem Seniorenheim sei ein neuer Prio-1-Kandidat.

Für eine Impfung angemeldet sind bisher – ohne die bereits Geimpften – 43.263 Personen. „Viele registrieren sich aber jetzt erst“, weiß Rasch. Momentan impfe man im Durchschnitt 400 Personen pro Tag, komme die angekündigte Impfstoffmenge, könnten es ab kommender Woche 600 pro Tag werden: rund 450 im Impfzentrum, die anderen beispielsweise in Behinderteneinrichtungen und Ähnlichem. Mit dem ab Montag geöffneten neuen Gebäude im Fliegerhorst mit acht ‚Impfstraßen‘ (das bisherige Gebäude dient dann der Verwaltung und als Lager) könne man – wenn genügend Stoff da ist – ohne Probleme 800 oder gar 1.000 Personen pro Tag impfen.

Prozentual liege man bei den Zweitimpfungen im Landesdurchschnitt, bei den Erstimpfungen hinke man noch um knapp ein Prozent hinterher, berichtete Rasch. Allerdings rechneten manche Landkreise für die Quote die Nicht-Impf-Fähigen, also Personen unter 18, aus der Bevölkerungsgesamtzahl heraus. Diese Statistiken seien somit mit Vorsicht zu genießen.

Luca-App

Innerhalb der nächsten Tage werde die Luca-App eingeführt, so Eichinger. Die Anwendung soll im Einzelhandel und in der Gastro bei der Erfassung der Kontaktdaten und somit bei der Kontaktnachverfolgung im Falle einer Infektion helfen. Durch die App werde man einen Überblick über weitere Kontakte erhalten, denen man eventuell einen freiwilligen Test anbieten könne, hofft Amtsarzt Manuel Müller-Hahl. Allerdings mache das mehr Arbeit, da auch die Papierlisten für Personen ohne Smartphone weitergeführt werden müssten.

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