Gesungene Bilder und Gefühle

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Wunderbare Musik, anspruchsvolle Texte: das Gianmaria Testa Quartett beendete die aktuele Saison im Stadttheater Landsberg.

Landsberg – Mit einem bis unters Dach ausverkauften Haus verabschiedete sich das Landsberger Stadttheater in die Sommerpause. Der italienische Sänger/Song­writer Gianmaria Testa verzauberte und begeisterte die Zuhörer, die ihn und seine Musiker am liebsten noch stundenlang dabehalten hätten.

„Cantautore“, die italienische Bezeichnung für Sänger-Autor, trifft viel besser das, was Gianmaria Testa präsentiert als das eher technisch klingende deutsche „Liedermacher“, wie Programm­- macher Edmund Epple in seiner Begrüßung ausführte. Und wirklich, was Testa in seinem zurückhaltend, knappen und schnörkellosen Stil singt, sind Geschichten, Gedichte, reine Poesie wie „Nuovo“, bei dem Testas warm-raue Stimme fast hypnotisch über der sparsamen Instrumentierung schwebt.

Wenn auch die Texte nachdenklich stimmen, fast schon einen „Kloß im Hals“ produzieren wie das bittersüß-traurige „Lasciami andare“, sorgt die Musik, von Tango, Bossanova, Habanera und Jazz geprägt, trotzdem für ein warmes Gefühl. Ein seltener Spagat, der dem italienischen Kultsänger da gelingt. Zudem scheut er sich nicht, auch mal heiße Eisen anzufassen: „Da questa parte del mare“ – ein Song über die vielen Flüchtlinge, die Italien über das Meer erreichen wollen. Auch in den Zwischenmoderationen bezieht der sympathische Sänger Stellung zur ita­- lienischen Politik, zu gesellschaftlichen Realitäten.

„Er schreibt nicht nur Lieder über den Sommer und die Sonne, sondern über alle Dinge des Lebens, auch die nicht so schönen“, hatte es Epple zusammengefasst. Genau wie bei Paolo Conte, mit dem Testa manchmal verglichen wird, war die Musik erst Hobby, dann Nebenberuf zu seiner Tätigkeit als Bahnhofsvorsteher. Erst mit 35 kam mit dem Gewinn des Nachwuchswettbewerbs des Festivals von Recarnati der Durchbruch als anerkannter Cantautore. 

Seinen Beruf gab er trotzdem erst vor einigen Jahren auf, um sich nur noch der Musik zu widmen, seinen wunderschönen Bildern, die unter die Haut gehen und die zusammen mit der kongenialen Begleitung von Daniele Santimoni, der virtuos zwischen verschiedenen Gitarren wechselte, Phillipe Garcia an den Drums und Nicola Negrini an Kontrabass, E-Bass und Ukulele, einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen.

Trotz tropischer Temperaturen draußen und im Saal (Testa: „Landsberg erinnert gerade an Rio de Janeiro“) gab da Quartett noch zwei Zugaben, bevor es das begeisterte Publikum aufforderte „Gute Nacht, geht nach Hause“.

Patricia Eckstein

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