Weltmeisterlich mit Ketten

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Nahmen am Montag den symbolischen Knopfdruck für den „Star“ des Tritan-Werks vor (von links): MdL Thomas Goppel, Erzabt Wolfgang Öxler, IHK-Präsident Dr. Eberhard Sasse, Gerhard Winklhofer, Prinz Luitpold von Bayern und Johannes Winklhofer, Geschäftsführender Gesellschafter bei IWIS.

Landsberg – Wer in der dritten Generation Erfolgsgeschichte geschrieben hat, darf mit Prominenz und lobenden Worten bei seiner Geburtstagsfeier rechnen – insofern waren weder die Gästeliste noch die Reden zum 80. Geburtstag von Gerhard Winklhofer eine Überraschung.

„Sie stehen für das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns“, fasste IHK-Präsident Dr. Eberhard Sasse zusammen. Als „Geburtstagsgeschenk“ nahm Winklhofer die neue Fertigungsanlage in Betrieb.

Bevor der Jubilar auf den Knopf drückte, durfte er zuhören, wie die Festredner auf seine außergewöhnliche Unternehmerlaufbahn zurückblickten. „Die Verkörperung des Familienunternehmertums im Freistaat“ sah etwa Dr. Thomas Goppel in ihm. Der Staatsminister a. D. würdigte das Werk Winklhofers und seiner Familie: „Wenn es um Ketten geht, spielt man um die Weltmeisterschaft mit.“ Betram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Metallverarbeitenden Betriebe, erntete Beifall für den Satz, Winklhofer habe gezeigt, dass „man international erfolgreich sein und trotzdem in Bayern zuhause sein kann.“ 

Wie sehr IWIS inzwischen international engagiert ist, zeigte sich in Videobotschaften mit Glückwünschen aus 13 Standorten, von Korea und China über Kanada bis Südafrika. Der Jubilar selbst erinnerte daran, dass eine so breite Aufstellung inzwischen alternativlos sei. „Wenn eine Fabrik mit einer bestimmten Anzahl an Mitarbeitern in München 30 Einheiten kostet, kostet sie in Landsberg 29,90, in den USA 20, in China acht und in Tschechien fünf. Wir müssen verdammt aufpassen, dass wir mit unseren Kosten auf dem Weltmarkt erfolgreich bleiben.“ 

Wertvolle Hilfe 

Winklhofer hatte zu seiner Feier auch viele Weggefährten aus früheren Tagen eingeladen, etwa eine Sekretärin, die schon für seinen Vater gearbeitet hatte. „Auch Männer müssen sich mal auskotzen, von ihr habe ich in den ersten, schwierigen, Jahren viel Hilfe bekommen.“ Auch der „großen Gruppe von Rentnern“, die gekommen waren, habe er viel zu verdanken. „Sie haben in einer Zeit der Anstrengungen und Risiken Außergewöhnliches geleistet.“ 

Sein eigenes Wirken betrachtete Winklhofer auch nachdenklich: „Manchmal überlege ich schon, ob ich altersstarr bin, weil ich meine Ratschläge so lange wiederhole, bis sie keiner mehr hören kann; oder altersweise, weil ich ihre Wichtigkeit erkannt habe und zu ihnen stehe.“ Zu diesen Grundwerten, „die heute leider nicht mehr immer viel wert sind“, gehörten „Anstand, Sitte, Moral, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.“ 

Winklhofer, inzwischen Ehrenbeiratsvorsitzender im Unternehmen, ist weiter aktiv dabei: Noch fehle ein Schritt, um die „Industrie 4.0“ zu verwirklichen, „aber wir haben genügend fähige Techniker, um auch das zu schaffen.“ Schließlich wolle man „nicht aufhören, an der Spitze der Welt zu stehen.“ Ein Gefühl, das er auch bei seinem Hobby Bergsteigen schätzt. „Es ist mühsam und beschwerlich, aber von oben kann man sich gut umschauen und man findet zu sich selbst.“ 

Weltweit einmalig 

Viel Zeit, viel Geld und viel Forschung waren nötig, bis IWIS seine neue Produktionsanlage für eine spektakuläre Spezialbeschichtung bei Antriebsketten jetzt in Betrieb nehmen konnte. Im Sommer geht man in Großserie, bis dahin war der Weg allerdings aufwendig, wie Firmenchef Johannes Winklhofer bei der Feierlichen Inbetriebnahme erklärte. 

Im Rahmen eines (dann gescheiterten) anderen Forschungsprojekts war man bei IWIS schon 2002 auf die Idee gekommen, sich näher mit neuen Beschichtungstechnologien zu beschäftigen. „Physical Vapour Deposition“ (PVD) ist das Stichwort, das wohl den wenigsten Laien etwas sagen dürfte, Chromnitrit ist der Stoff, der eine Hauptrolle spielt – recht viel mehr sagt man im Landsberger Frauenwald zur Technologie gar nicht. Produktionsleiter Dr. Jörg Pantförder bittet um Verständnis: „Niemand außer uns beherrscht weltweit dieses Verfahren, da müssen wir das Wissen auch bei uns behalten.“ 

Kein Geheimnis ist, was die Beschichtung bewirken soll. „Sie ist extrem hart“, erläutert Johannes Winklhofer, „damit erreichen wir einen Verschleißvorteil von 90 Prozent.“ Das Ergebnis: „Die Ketten werden über die gesamte Lebensdauer nicht mehr länger. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ 

Verständlich, dass man stolz auf das neue Produkt ist, zumal es nicht einfach war, es in den Markt zu bringen. 2005 startete man mit Unterstützung des Freistaates ein Forschungsprojekt, 2010 war die erste Kleinanlagenserie fertig, dann ging es darum, die Kunden aus der Automobilbranche zu überzeugen. Winklhofer: „Das Interesse war groß, aber keiner wollte der Erste sein und ins Risiko gehen.“ BMW orderte dann für ein Motorsportprojekt kleine Stückzahlen und war offenbar so überzeugt, dass man jetzt auch die Serienmodelle mit der Kette aus Landsberg ausstatten wird. Kurz darauf sprang Mercedes auf, jetzt folgte Fiat. 

"Megaleistung" 

Selbst für ein erfolgsverwöhntes Unternehmen schaffte man damit Außergewöhnliches, so Winklhofer. Über 20 Millionen Euro hat man investiert, „das ist für uns eine enorme Summe für ein Einzelprojekt“. Es sei eine „Megaleistung“ gewesen, die Anlagen in nur 24 Monaten fertigzustellen. „Dank gebührt der Stadt Landsberg, die die Bauanträge sehr schnell bearbeitet hat und allen, die am Bau beteiligt waren.“ Sein Vater sprach zudem den Finanzsektor an: „Ich bin aus 50 Jahren unternehmerischer Tätigkeit den Banken sehr dankbar. Ohne gute Zusammenarbeit mit dieser Gruppe kann man nichts Bedeutendes erreichen.“

Christoph Kruse

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