Keine Arbeit - keine Struktur

IWL-Werkstätten Landsberg: Nur nichtbetreute Menschen mit Behinderung dürfen arbeiten

+
Julia L. ist aktuell einer von nur wenigen Menschen mit Behinderung, die das Notgruppenangebot in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung nutzen können.

Landkreis – Die Allgemeinverfügungen schränken alle ein. Eine Gruppe, die davon ebenso wie beispielsweise Senioren in Heimen besonders betroffen ist, sind Menschen mit Behinderung: Werden sie von Angehörigen betreut oder sind sie im betreuten Wohnen, dürfen sie nicht in den entsprechenden Werkstätten arbeiten. Das betrifft auch die Isar-Würm-Lech-Werkstätten (IWL) in Landsberg.

So wie die Schulen beschloss der Freistaat, auch Werkstätten und Förderstätten für Menschen mit Behinderung vom 19. März bis mindestens Ende der Osterferien zu schließen. „Selbstverständlich müssen Risikogruppen besonders geschützt werden – unabhängig davon, ob es sich um Menschen mit Behinderung oder ohne Behinderung handelt“, ist Pressesprecherin der IWL-Werkstätten Annalena Mandwurf überzeugt. Dass allerdings auch Menschen mit Behinderung zu einer Risikogruppe gehören, sei in den Medien kaum aufgetaucht. Ein zweischneidiges Schwert, findet Mandwurf.

Einerseits sei es notwendig gewesen, dass der gesamten Behindertenhilfe dieser vom Staat vorgeschriebene Schutz zugekommen sei. Die später einsetzende mediale Aufmerksamkeit habe geholfen, um an die notwendigen Schutzausrüstungen für beispielsweise Wohnheime der Menschen mit Behinderung zu kommen. „Immerhin müssten positiv getestete Menschen mit Behinderung in Wohnheimen bis zur Genesung versorgt werden können“, gibt Mandwurf zu bedenken.

Andererseits würden dadurch aber Menschen mit Behinderung von der Arbeit ausgeschlossen. Obwohl nicht alle automatisch zur Risikogruppe gehörten, urteilt Mandwurf. „Dadurch, dass sie trotzdem nicht arbeiten dürfen, brechen für sie wesentliche Faktoren für ihre gesundheitliche Stabilität weg.“ Arbeit gebe Struktur und damit Sicherheit, ebenso seien bei der Arbeit soziale Kontakte häufiger und einfacher. Zudem könnten in den IWL-Werkstätten Fachkräfte helfen, Angst und Unsicherheit bei den Betroffenen zu bewältigen. Nicht zuletzt sei für den ein oder anderen auch die Versorgung mit regelmäßigen Mahlzeiten in der Kantine eine Hilfeleistung, die derzeit nicht zur Verfügung steht.

Zudem gibt es Menschen mit Behinderung, die zur Arbeit dürfen – in sogenannten Notgruppen: „Das sind laut Allgemeinverfügung diejenigen, die nicht durch Angehörige oder rechtliche Betreuer versorgt werden können“, so Mandwurf. „Und für diese Personen müssen wir als IWL ein Beschäftigungs- oder Betreuungsangebot tagsüber sicherstellen.“ Weshalb auch die Mitarbeiter ohne Behinderung zusammen mit den Menschen, die zu diesen Ausnahmen gehörten, weiterarbeiteten, beschreibt Mandwurf die momentane Situation in den Werkstätten. Der Abstand zwischen allen Mitarbeitern könne gewahrt werden, die Hygieneregeln würden strengstens eingehalten. „Betriebsfremde Personen erhalten keinen Zugang.“

Für die Zukunft wünscht sich Mandwurf jedoch eine genauere Prüfung der Risikofaktoren und der daraus resultierenden Schutzmaßnahmen speziell für Menschen mit Behinderung.
IWL/Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Dießener Seeanlagen: Tempo ist angesagt
Dießener Seeanlagen: Tempo ist angesagt
Radwegenetz im Landkreis Landsberg wächst
Radwegenetz im Landkreis Landsberg wächst

Kommentare