"Es gammelt so vor sich hin"

Jahnstraße Landsberg: Alte Obdachlosen-Baracke steht immer noch

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Neue Unterkunft (links), alte, noch nicht abgerissene Baracke (rechts) und Reihenhaussiedlung (hinten): Immer wieder kommt es in der Jahnstraße zu Problemen.

Landsberg – Die Unterbringung der wohnungslosen Menschen in der Jahnstraße am Altöttinger Weiher ist schon lange ein Thema. Dass die alten, in den 30er Jahren gebauten, Obdachlosen-Baracken menschenunwürdig sind, ist längst klar. Deshalb wurde bereits 2017 ein Bebauungsplan vom Stadtrat beschlossen, der unter anderem den Abriss der alten Baracken vorsah. Und 2018 den Neubau der großen Unterkunft an Stelle der ehemaligen südlichen Baracke umsetzte. Schon damals stieß das auf Probleme in der Nachbarschaft. Und auch jetzt gibt es noch Probleme. Denn eine Baracke steht immer noch da.

„Das Bauvorhaben ist bis heute nicht abgeschlossen“, teilt ein Mitglied der Bürger­initiative „Leben & Wohnen am Alt­öttinger Weiher“ (LWAW), das nicht namentlich genannt werden möchte, dem KREISBOTEN mit. Die Initiative gründete sich 2017, als sich die Nachbarschaft durch den Neubau der Obdachlosenunterkunft in der dicht bebauten Reihenhaussiedlung der Jahnstraße in ihrer sozialen Struktur gefährdet sah. Durch gemeinsames Auftreten gegenüber Vertretern der Stadt und den Stadträten erreichte die Initiative, dass ein vierter Baukörpers nicht errichtet wurde und damit weniger Wohneinheiten entstanden.

Nichtsdestotrotz: Auch der Abriss der alten Baracken sei Teil des Bebauungsplans „Notunterkünfte Alltöttinger Weiher“ – und der sei nicht vollständig erfolgt, betont das Initiativen-Mitglied. Ursprünglich sei das Baugelände im Bebauungsplan als „grüne Wiese“ eingetragen und sollte im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen als Naherholungsgebiet renaturiert werden. So sollten zum Beispiel Streuobstwiesen oder sogenannte Extensivwiesen entstehen, um damit das Gebiet aufzuwerten. Hierzu hätte laut Bebauungsplan auch das „Gebäude 16“ abgerissen, der Bereich entsiegelt und umgestaltet werden müssen. Aber: „Bis heute ist da noch gar nichts renaturiert“, so der LWAW-Vertreter. Im Gegenteil: Inzwischen würden in der alten Baracke Obdachlose wild übernachten und Müll sammele sich hinter der Holzhütte. Zudem bemerkten die Anwohner der Jahnstraße ein erhöhtes Rattenaufkommen. Und die Holzbaracke sei gar nicht leergeräumt worden. „Die haben die Hütte einfach zugemacht und Strom abgeklemmt“, sagt das LWAW-Mitglied. Man wisse ja gar nicht, was da noch drin sei und was damit passiere. „Das gammelt vielleicht alles so vor sich hin.“

Zum Abbruch bereit

„Das Gebäude wurde von uns versiegelt und die Türen verschraubt“, erklärt Simone ­Sedlmair von der Pressestelle der Stadt Landsberg auf Nachfrage des KREISBOTEN. „Die Baracke steht zum Abbruch bereit.“ Es gebe bereits keinen Strom und keine Waschgelegenheiten mehr. Haushaltsmittel für den Abbruch und die Entsorgung seien in den Haushalt 2020 eingestellt worden, aber noch nicht freigegeben. Man wisse, dass sich in Einzelfällen dort jemand Zutrifft verschafft habe. Türen seien aufgeschraubt worden. Sobald man davon erfahren habe, sei die Baracke jedoch erneut verschlossen worden. Sollten Bürger beobachten, dass sich jemand unbefugt Zutritt in das Gelände verschafft, bitte die Stadt Landsberg darum, die Polizei zu verständigen.

Dass für den Abriss der zweiten Baracke eine Rückstellung seitens der Stadt gebildet wurde, weiß auch der LWAW-Vertreter. Betont aber weiterhin, dass es der Bürgerinitiative um den Abschluss einer ansonsten fertigen Baumaßnahme gehe. Dass hier nichts geschehe, empfinde man als ungerecht. Schließlich sei ja auch der Wunsch nach einem Spielplatz für die Kinder, die in der Siedlung leben, noch nicht erfüllt. Hier habe es geheißen: Wenn das Gebiet renaturiert werde, hätten die Kinder ja die Natur zum Spielen.

„Wenn von Seiten der Stadt nichts passiert, werden wir aktiv“, so der LWAW-Vertreter. Man sei bisher – auch ­coronabedingt – noch in „Abwartehaltung“. Bevor aber neue Vorhaben wie das Papierbach-Projekt vorangetrieben würden, müsse man doch zunächst mal diese Altmaßnahme abschließen. Schließlich stehe der Winter bevor. Es werde Leute geben, die dort möglicherweise in Eiseskälte, wild, ohne Heizung und Strom, übernachten. Schlimmeres, wie Erfrierungen, müsse unbedingt vermieden werden.

Für die Stadt Landsberg sei das Bauvorhaben „Neubau Obdachlosenunterkunft“ abgeschlossen, sagt Sedlmair. Der Abriss der letzten Baracke sei abhängig von der Freigabe der Haushalts­mittel. Es könne aber auch sein, dass der Abbruch wegen coronabedingter Einsparmaßnahmen doch noch einmal verschoben werden müsse.
Andrea Schmelzle

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