Leben in der Vertikalen

Landkreis Landsberg ruft das "Jahr der Spechte" aus

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Früh übt sich, was ein Meisterspecht werden will: Dieser junge Buntspecht wird auch im Landkreis viel für die Artenvielfalt tun.

Landkreis – Nach den Bienen ist vor den Bäumen. Die Spechte, die heuer im Mittelpunkt des Themas Artenvielfalt für den Landkreis stehen, leiten von den Insekten hin zu den Bäumen, die 2020 die Protagonisten sein werden. Zum Thema wird es mehrere Exkursionen geben, einen Vortrag, eine Ausstellung sowie ein Flyer und weitere Informationen auf der Webseite des Landkreises.

Dass die Spechte heuer beim Landkreis ganz vorne stehen, ist bei der Kreistagssitzung gestern Abend deutlich zu sehen: Auf dem Podium steht ein Baumstamm. Ein Stück Eiche, wie Zoologe Professor Dr. Volker Zahner, Prodekan der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, erzählt. Denn an Eichen und Buchen bauen die hackenden Schwarzspechte besonders gerne ihre Höhlen.

Der Herr rechts steht beim "Jahr der Spechte" im Landkreis Landsberg heuer im Mittelpunkt.

Weltweit gibt es 200 Spechtarten, von denen neun hier zu finden sind. Vom häufigsten, dem Buntspecht, über den Schwarzspecht bis hin zum schillernden Grünspecht. Ihre Schnäbel sind harte Meißel, die Schläge – „als ob man mit 25 km/h gegen eine Betonmauer fahren würde“, beschreibt Zahner – werden auf die stabilen Wirbelsäulenknochen abgeleitet. „Spechte sind hochintelligent“, erzählt Zahner. Denn sie verwenden Werkzeuge.

Wie groß in einem Wald die Artenvielfalt ist, zeigten unter anderem elf Vogelarten, sagt der Zoologe. „Vier davon sind Spechte.“ Und obwohl die Vögel Löcher in Baumstämme hacken, tun sie ihren Wirten auch Gutes. Wenn sie beispielsweise mit Widerhakenzunge die Larven des Borkenkäfers aus ihren Gängen herausholen.

Die Specht-Immobilie bauen die Männchen, das Weibchen besichtigt und befindet sie für gut – oder eben nicht. Wenn zum Beispiel der Wasserablauf nicht stimmt, den Spechte am Höhlenausgang hacken, damit bei Regen nicht die Bude vollläuft. Dafür benötigen die Tiere hohe und damit alte Bäume. Die der Mensch nicht nur deshalb stehen lassen sollte, sondern auch wegen der zahlreichen Organismen, die Totholz nutzen.

Am Anfang wird die Initialhöhle gebaut. Und von dort aus entstehen oftmals noch Schlaf-, Brut- und Aufzuchtstube – ein Vorgang, der gerne mal sieben bis acht Jahre dauern kann. „Im Generationenvertrag“, wie Zahner betont. Denn auch der Nachwuchs baut weiter, sodass nur alle zehn Jahre eine neue Höhle notwendig ist. Wird die Höhle vom Specht als nicht ideal befunden und aufgegeben, finden sich zahlreiche Nachnutzer: erst Tauben, dann Eulen, Singvögel, Segler, Fledermäuse und schließlich noch die Insekten. Oder wie Zahner formuliert: „An Spechthöhlen hängt jede Menge Leben.“

Der Flyer für die Veranstaltungen sowie weitere Informationen sind unter www.naturvielfaltlandsberg.de zu finden.

Susanne greiner

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