100 Jahre Gefängnis "erleben"

Über 30 Bilder haben Klaus Weichert und Sebastian Trager schon gerahmt. 100 könnten es am Ende werden – denn die Geschichte, von denen diese und viele weitere Exponate bald erzählen sollen, ist lang. Es sind genau 100 Jahre. Die Justizvollzugsanstalt Landsberg hat hundertjähriges Jubiläum und erinnert mit einer Ausstellung an die Zeit von 1909 als zum ersten Mal Gefangene der Anstalt „zugeführt wurden“ bis heute. Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 15. Juni, gefeiert wird am Freitag, 19. Juni (Festakt) und beim Tag der Offenen Tür am Samstag, 27. Juni, steht die JVA Besuchern soweit wie möglich offen.

Anstaltsleiterin Monika Groß sagt, dass der Geburtstag „eigentlich kein Anlass, um zu feiern ist, sondern die Gelegenheit, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen.“ Die Einrichtung spiegele besonders die Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse wieder. Und die 47-jährige Groß, liefert selbst ein Beispiel dafür: Im Oktober 2006 trat sie ihr Amt an und ist damit nach elf Männern die erste Frau, die der Vollzugsanstalt vorsteht. Seit rund zwei Wochen arbeiten die Ausstellungsmacher daran, den Wandel der Justizvollzugsanstalt für Besucher anschaulich darzustellen. Klaus Weichert, ehemaliger Anstaltslehrer und Sebastian Trager, der ebenfalls in der JVA tätig war, werden unter anderem von Personalratsvorsitzendem Klaus Wolf unterstützt. Auf vielen Dokumenten, beginnend beim Bau von 1905 bis 1908, lässt sich die Entwicklung des Gefängnisses nachvollziehen – von der „Gefangenanstalt“ über die Festungshaft-Anstalt in der Nazi-Zeit, später als „War Criminal Prison No. 1“ der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur heutigen Justizvollzugsanstalt,die JVA Landsberg, die aktuell mit 767 Ge- fangenen im geschlossenen und offenen Vollzug belegt ist. „Rund 100 Haftplätze befinden sich in der Außenstelle in Rothenfeld und über 60 in den zwei Landsberger Freigängerhäusern“, gibt Monika Groß Auskunft. Das Gefängnis mit dem charakteristischen Eingangsgebäude mit den beiden Türmen wurde bekannt als Ort, an dem Adolf Hitler ein Jahr in Festungshaft verbrachte und später Kriegsverbrecher aus den Nürnberger Prozessen inhaftiert und hingerichtet wurden. Auch der bauliche Wandel der Anstalt wird beleuchtet. „Viele Bilder und wenig Text“ auf den blauen Infotafeln“, verspricht der 64-jährige Weichert, der auch eine ausführliche Chronik der JVA Landsberg erstellt hat. Zwangsjacke testen! Die Ausstellungsräume sind zwar keine Haftzellen, aber doch authentisch: Das sogenannte Freigängerhaus 2 am Hindenburgring wird genutzt. Die „Bewohner“ wurden dafür ausquartiert. Hinter so mancher aufgestellten Pappwand lässt sich noch deren Zimmereinrichtung erahnen. Sogar „interaktiv“ kann es im Freigängerhaus werden und mancher Besucher könnte sich da vielleicht befremdlich fühlen: zum Beispiel beim Anprobieren einer Zwangsjacke oder auf dem Fotografier-Stuhl, wenn die bekannten, ernüchternden Polizei-Porträts gemacht werden. „Ein Stück weit Gefängnis“ möchte Weichert „erlebbar“ machen und thematisiert deshalb im oberen Geschoss des Freigängerhauses den Strafvollzug. Der „Weg eines Neuzugangs“, der normale Tagesablauf eines Gefangenen, die Beschäftigung in den Arbeitsbetrieben und Bereiche wie Krankenabteilung, Kirche, Schule, Bäckerei, Küche und Metzgerei in der Anstalt werden vorgestellt. Zu entdecken gibt es da beispielsweise auch das Kübelsystem. Als es noch keine Toiletten gab, wurden jeden Morgen die „Geschäfte“ der Insassen noch selbst entsorgt. Kurioses wird aus der Asservatenkammer zu bestaunen sein – mit dem „Gefängnis-Margarinebecher-Kocher“ oder der Maschinengewehr-Attrappe aus Pappe. Filme zum Thema JVA sind ebenfalls im Ausstellungsprogramm. Dazu richten die Verantwortlichen eines der Zimmer als Filmvorführungsraum ein. Schüler ab der neunten Jahrgangsstufe können die Schau „100 Jahre Justizvollzugsanstalt Landsberg“ am Hindenburgring 24, vom 16. Juni bis 5. Juli, jeweils vormittags besichtigen. Dafür bedarf es der Anmeldung unter Telefon 08191/126695, jeweils von Montag bis Mittwoch von 8 bis 10 Uhr. Nachmittags ist die Ausstellung für Interessierte von 13 bis 18 Uhr geöffnet. "Offene Gefängnistüren" Den Tag der Offenen Tür am 27. Juni organisiert Sebastian Huber, der Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes. Am Südtor, links vom Eingangsgebäude, geht es dann für Besucher hinein in eine andere Welt. Neben den Werkstätten, Schule, Spital, Anstaltskirche und weiteren Einrichtungen hinter den Gefängnismauern, kann man da sogar ein Stück weit den Zellenbau anschauen. Zum Tag der Offenen Tür wird draußen auch ein Imbiss eingerichtet. Etwa eineinhalb Stunden wird die Besichtigung dauern, schätzen Leiterin Groß und Huber die Zeit für den Rundgang durch die JVA. Der erste Einlass ist um 12, der letzte um 15.30 Uhr. Für die Vollzugsbediensteten bedeuten die „offenen Gefängnistüren“ einen ziemlichen Sicherheitsaufwand, besonders bei der Einlasskontrolle. Auch der Aufenthalt dort als Besucher ist kein Spaziergang und so muss vieles draußen bleiben: Handtaschen, Handys und Fotokameras. „Haustiere sind ebenfalls nicht erlaubt“, erklärt Groß.

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