70 Jahre jung geblieben

Der Kreisjugendring Landsberg feiert am Samstag sein Jubiläum

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Mal ganz ohne Erwachsene: Tretbootfahren am Gardasee bei der Jugendreise des Kreisjugendrings nach Südtirol und Italien 2017.

Landkreis – „Ich war wieder mal bis 23 Uhr unterwegs“, erzählt der Vorsitzende des Kreisjugend­rings Landsberg Moritz Hartmann. „Anders erwischt man die ja nicht.“ Die, das sind die Jugendlichen. Und denen widmet Hartmann als Vorstandsmitglied schon seit 2000 einiges seiner Zeit. Heuer steht er nicht mehr zur Wahl: Nach 14 Jahren ist für ihn Schluss, seinen Posten übernimmt Birgit Geier. Das 70-jährige Jubiläum des Kreisjugendrings am 21. April wird er natürlich dennoch begleiten: „Der Kreisjugendring ist eine gute Plattform, um was zu bewegen“.

Bevor der Kreisjugendring (KJR) am 18. Mai 1948 seine Satzung verabschiedete, hatten die amerikanischen Besatzer bereits Vorarbeit geleistet. Die Organisation „German youth Acti­vi­ties“ (GYA) richtete ihr Augenmerk eher misstrauisch auf die deutsche Jugend: Man befürchtete neue Ableger der Hitlerjugend – insbesondere in der „Stadt der Jugend“. Die GYA löste sich drei Jahre später auf. Und der Kreisjugendring übernahm. Damaliger Schwerpunkt war die „Vorbeugung und Verhinderung der Verwahrlosung von Jugendlichen ohne festen Wohnsitz und Arbeitsplatz“. „Jugendgerechte Veranstaltungen“ – zum Beispiel ein Konzert des Münchner Jugendorchesters – sollten die jungen Leute von der Straße holen. Ab den 50er Jahren gab es „Wanderlehrgruppen“: Mehrere Personen machten sich quer durch Bayern auf den Weg, um Jugendlichen musische Bildung zu ermöglichen: Volkstanz, Gesellschaftsspiele, volkstümliches Theater und das Singen von Volksliedern standen auf dem Programm. 1961 gab es eine Art „Singwettstreit“ beim Landesjugendsingen, 1978 einen Ausflug zu Roger Whittaker nach München. Heute würde man dem KJR was husten.

Denn heute arbeitet der KJR natürlich mit anderen Mitteln. So stürzte Hartmann mit seinem Studiumspraktikum 1998 gleich in die Organisation der 1999 zum ersten Mal stattfindenden Jugendkulturtage „Isotope“: „Das war mehr Veranstaltungen organisieren als sozialpädagogische Arbeit“, lacht er. Es ging darum, die Pflugfabrik feiertauglich zu machen. Drei Wochen habe das gedauert und „es war wahnsinnig viel Arbeit“. Aufräumen, Notausgänge bauen, kurzum, ein nicht erschlossenes Gebäude für viele Menschen zugänglich machen. Noch zwei Mal gab es die Isotope, einmal in der Turnhalle der Saarburgkaserne, dann in der Ritter-von-Leeb-Kaserne, heute Obere Wiesen. Danach war Schluss: „Es war einfach zu viel Arbeit und zu wenig Geld, das konnten wir nicht mehr stemmen“, bedauert Hartmann.

Bis vor Kurzem noch der Vorsitzender beim Kreisjugendring: Moritz Hartmann

Lagen die jährlichen Gesamtausgaben in den 60ern noch bei übersichtlichen 9.000 DM, sind es heute gut 370.000 Euro. Davon gehen 71.000 Euro an die Jugendverbände, 34.000 werden für Veranstaltungen benötigt, der Rest sind Personal- und Mietkosten. 80 Prozent der Gelder bekommt der KJR, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, vom Landkreis. Der Rest wird aus Teilnehmerbeiträgen und Eintrittsgeldern finanziert. In die Trägerschaft des KJR fallen über 300 Jugendgruppen.

Die Organisation bietet Freizeiten für die Kleinen, sorgt für Aus- und Weiterbildung der Jugendleiter. Auch politisch engagiert sich der KJR. „Wir wollen zu jeder Wahl etwas machen und die Leute anregen, auch zur Wahl zu gehen“, erklärt der Vorsitzende. Zum Beispiel mit dem LTW-Checker zur Landtagswahl für Jugendliche bis 27. Geplant sind Gespräche mit Politikern, in denen die Wahlprüfsteine der Jugendlichen diskutiert werden sollen.

In den 80ern gab es noch Spielefeste auf der Waizinger Wiese

Mitte der 80er organisierte der KJR auch Ausbildungsplätze für Jugendliche „mit Erziehungsmängeln und Verhaltensaufälligkeiten“: auf dem vier Jahre bestehenden Jugendhof Lengenfeld – wohl einer der ersten Wertstoffhöfe Deutschlands. Ab 1986 gab es die Kinderfreizeit am Windachspeicher. Und im selben Jahr reiste der KJR in die DDR. Diese Jugendreisen für 13- bis 17-Jährige führten später nach Korsika, Italien oder Kroatien. Dieses Jahr wird die Jugend­reise zur Mecklenburger Seenplatte gehen, Kanufahren, erzählt Hartmann. „Wir bemühen uns, bei den Reisen immer neue Aktivitäten auszuprobieren, Bergsteigen, Fahrradfahren. Es geht nicht nur ums Chillen.“ Wir, das sind in diesem Fall sieben Erwachsene, die sich um 35 Jugendliche kümmern. Die Freizeit ist komplett alkoholfrei. „Aber wir geben den Jugendlichen ihre Freiheiten.“

Eine wohl fast jedem Landsberger bekannte Aktion des KJR ist der berühmte Poetry-Slam im Stadttheater. Initialzündung dafür war das Poesiefestival „Lyrik am Lech“, bei dem sich Hart­mann und der Münchner Slam-Leiter Ko Bylanzky zum ersten Mal trafen. Am 7. Oktober fand der erste Slam im Theater statt. Im Foyer vor 35 Zuschauern. Heute belegen die jungen Poeten den Saal, in den bis zu 350 Personen passen. Aber man sollte rechtzeitig da sein, um überhaupt noch reinzukommen.

„Wir planen eventuell auch einen U21-Slam und einen Slam-Workshop in Zusammenarbeit mit Ko“, sagt Hartmann. Denn auch hier will man die Jüngeren ins Boot holen.

Wichtig war von Anfang an natürlich auch ein Jugendheim. Das erste zog in die ehemaligen Umkleideräume der Turnhalle in der damaligen Remboldstraße. Räume, die erst vom Kriegsschutt befreit werden mussten. Von da aus ging‘s in die eher „ruinenhafte“ Unterbringung auf dem Schlossberg; schließlich zog das JuZe 1993 zum heutigen „Randstandort“ Spöttinger Straße – von wo aus es nach Fertigstellung des Neubaus ins Zentrum der Stadt rücken wird: in die Lechstraße. 

Susanne Greiner

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