30 Jahre Jugendvesper St. Ottilien

Brennst du noch?

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Platzte bei der 30. Jugendvesper förmlich aus allen Nähten: der Vorplatz der Klosterkirche von St. Ottilien mit der Band „WolfGang“.

St. Ottilien – Der Vorplatz der Klosterkirche von St. Ottilien ist fast aus seinen Nähten geplatzt: Mehrere hundert Kinder, Jugendliche und Jungge­bliebene versammelten sich vor der Abteikirche, um mit Erzabt Wolfgang Öxler und seiner Band „WolfGang“ die „Jugendvesper“ zu feiern. Sie beging ihren 30. Geburtstag.

„Die Jugendvesper gehört wesentlich zu meinem Leben“, sagte Pater Wolfgang Öxler im Jahr 2009 in einem Interview, kurz nachdem er St. Ottilien ver­lassen hatte, um die Leitung der Bildungsstätte der Missionsbenediktiner auf dem Jakobsberg bei Bingen am Rhein zu übernehmen. Begonnen hatte alles im Jahr 1984, als – angeregt durch den Gedanken der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit der Diözese, dass Klöster zunehmend als geistliche Zentren fungieren sollten, da die Pfarreien vieles nicht mehr leisten könnten – Pfarrer Hans Appel, Pater Claudius Bals und der heutig Erzabt Öxler die Idee der Jugendvesper in St. Ottilien entwickelten: Der ersten Einladung folgten 30 bis 40 Jugendliche in die Ottilienkapelle, die Freude am Glauben war das Thema, und Pater Wolfgang versuchte, diese Freude mit schwungvollen Liedern zum Ausdruck zu bringen. Im Anschluss daran gab es die Möglichkeit zu einem gemütlichen Umtrunk und Gedankenaustausch.

Dass dieses Konzept ein voller Erfolg war, zeigte sich über die Jahre hinweg: Immer mehr Menschen strömten, oftmals sogar mit Bussen, am ersten Freitag des Monats aus weiten Teilen Bayerns nach St. Ottilien, von der Ottilienkapelle zog man in die Klosterkirche um, manchmal mussten Besucher „wegen Überfüllung“ wieder umkehren.

"Spielmann Gottes"

25 Jahre lang gab Wolfgang Öxler, der sich selbst als „Spielmann Gottes“ bezeichnet, mit seiner Gitarre in der Hand der Jugendvesper Inhalt, Impulse und Melodien. „Musik öffnet die Herzen der Menschen. Die Herzen der Menschen für Gott zu öffnen, entspricht zutiefst meiner Berufung als Priester. Nicht nur mit der Gitarre zu spielen, sondern das, was ich im Herzen spüre, mit den Tönen zu verbinden – vielleicht ist das mein Charisma, das mir der liebe Gott geschenkt hat“, sagt der Mönch bescheiden. Nach fast fünfjähriger Pause griff er am Freitag vor Pfingsten zum ersten Mal in seiner Position als Erzabt von St. Ottilien in der Jugendvesper zur Gitarre und zeigte von der ersten Minute an, dass er musikalisch nichts verlernt und von seiner nicht nur die Jugend berührenden Ausstrahlung nichts verloren hat. Ausgehend von einem für die Vesper vor der Klosterkirche entzündeten Feuer erinnerte er seine Zuhörer daran, dass Gott im brennenden Dornbusch seine Gegenwart kundtue.

Der Erzabt forderte die Besucher auf, sich gegenseitig eine Hand auf die Schulter zu legen und zu spüren, dass so, wie Menschen da sind, auch Gott in ihrem Leben da sei. „In einer Geschichte heißt es: ,Es interessiert mich nicht, wie alt du bist, was du verdienst, welchen Titel du hast… Ich will wissen, ob du noch brennst! Wofür bist du noch Feuer und Flamme?’“, so der Abt. Viele Menschen seien heute ausgebrannt, litten an „Burnout“ oder entzündeten nur noch Strohfeuer. „Wenn wir die Feuerzungen des Heiligen Geistes auf das Eis der Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit gelegt haben, erlischt unsere Lei- denschaft, auch unsere Leidenschaft für Jesus.“ Erzabt Wolfgang ermutigte die Anwesen- den, nicht die Asche zu hüten, sondern die Glut zu entfachen, den Geist Gottes in die Welt zu tragen.

Untermalt wurde die Pfingstbotschaft des Abtes mit besinnlichen und feurigen Liedern, die das Publikum oftmals von den Bänken rissen. Am Ende dieses geistvollen Abends in St. Ottilien verabschiedete sich die Band „WolfGang“ mit den Songs „Until I see you again“ und „Möge die Straße uns zusammenführen“.

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