20 Jahre Intrigen und Morde

Schondorfer Jakobsbühne feiert heuer ihr 20-Jähriges 

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Die Gründungsmitglieder der Schondorfer Jakobsbühne von 1999 sind immer noch aktiv dabei: Alexa Dorow (sitzend links) und Burgi Dietrich (rechts). Dahinter (von links) Thomas Eichinger, Reinhard Wild, Peter Förg, Alex Dorow und Michael Schulz.

Schondorf – München hat seine SOKO, Rosenheim seine Cops und Schondorf seine Jakobsbühne. Und die sorgt wie die TV-Kollegen seit nunmehr 20 Jahren für eine hundertprozentige Aufklärungsquote bei Mord und Totschlag. Gottlob gibt es diesbezügliche Bösewichte und Schurken nicht wirklich in der beschaulichen Ammersee-Gemeinde, sondern nur auf dem Spielplan der Jakobsbühne. Die hat sich seit zwei Jahrzehnten dem Kriminaltheater verschrieben und feiert heuer mit dem Agatha-Christie-Evergreen „Zeugin der Anklage“ ihr Jubiläum. Premiere ist am 23. März in der Aula des Landheims Schondorf.

Mysteriöse Todesfälle, ein scheinbar undurchdringliches Dickicht aus Gier, Intrigen und Eitelkeit, garniert mit schwarzem Humor und einem unvorhersehbaren Ausgang - das sind die Stoffe, mit denen die Akteure um Regisseur Alex Dorow seit Jahren für ausverkaufte Vorstellungen sorgen. Der Ritterschlag für die Jakobsbühne erfolgte 2011, als sie erstmals im ehrwürdigen Landsberger Stadttheater gastieren durfte. Seitdem gehören alle ihre Stücke zum festen Spielplan in Landsberg.

Dabei begann im Frühjahr 1999 alles ganz unspektakulär und ohne die unvermeidliche Leiche. Anlässlich des 850-jährigen Bestehens der Kirche St. Jakob an der Seepromenade schrieb die Schondorfer Religionslehrerin Notburga Dietrich ein Stück über die Jakobslegende. Dafür suchte sie Mitspieler, die sich auch schnell fanden: Alexa Georg (die spätere Alexa Dorow), Alex Dorow, Thomas Eichinger, Peter Förg, Michael Schulz, Rein-hard Wild und natürlich Notburga „Burgi“ Dietrich selbst.

Da das Stück nur einmal im Freien zwischen St. Jakob und der Seepost aufgeführt werden konnte, fragten sich die Mimen „Kann das schon alles gewesen sein?“ Das Schauspielfieber hatte sie gepackt und sie beschlossen, als Theatergruppe weiterzumachen.

Blutenburg-Konzept

Wie sich herausstellte, waren alle Akteure Krimifans und regelmäßige Besucher des Münchner Blutenburg-Theaters, das seit 1983 als erste reine Kriminalbühne Deutschlands stets für Gänsehaut und ein volles Haus sorgt. Dieses Erfolgskonzept wollte man nach Schondorf transferieren und studierte das Stück „Ein Inspektor kommt“ des englischen Autors John Boynton Priestley ein. Premiere war 2001 im Vortragssaal des Internats Landheim Ammersee, wo Alex Dorow einst Schüler war und auch in der Theatergruppe gespielt hatte, unter anderem in Goethes Faust. Jetzt allerdings agierte er im Hintergrund als Dramaturg und Regisseur. Dieser Rolle blieb er bis heute treu, wobei er auch schon mal an den Texten der Stücke „feilt“. Was ihm nicht schwer fällt. Schließlich war er Redakteur, Reporter und Moderator beim Bayerischen Rundfunk und Fernsehen, bevor er als Abgeordneter in den Landtag zog. Auch Mitspieler Thomas Eichinger, damals Personalberater, konnte nicht ahnen, einmal als Landrat dem Landkreis Landsberg vorzustehen. Die politische Laufbahn von Dorow und Eichinger begann also lange nach dem Start ihrer „Schauspielkarriere“. Geblieben ist die schier „unbändige Lust und Freude“ an ihrem Bühnen-Hobby. Gründungsmitglied Michael Schulz: „Man wird geradezu süchtig nach Beifall.“

Nach der rundum geglückten Premiere wurde der Verein „Schondorfer Jakobsbühne“ gegründet, der sich später dem Theaterverein Schondorf anschloss. Bis zum nächsten Stück „Arsen und Spitzenhäubchen“ gab es allerdings eine erfreuliche Zwangspause wegen „Elternzeit“ für einen Großteil der Schauspieler. Als die Windeln wieder gegen Textbücher eingetauscht wurden, spielte man bereits auf der großen Bühne mit entsprechender Technik in der Aula des Landheims. Neue Stammspieler gesellten sich zu der Gruppe wie Holger Schmidt-Lutz, Joseph Linden oder Martin Rempfer.

Jubiläum mit Klassiker

2009 folgte das Agatha-Christie-Stück „Zeugin der Anklage“, das jetzt auf vielfachen Wunsch in aktueller Version zum Jubiläum neu aufgeführt wird. Interessantes Detail war damals die Rolle der Christine Vole, gespielt von Burgi Dietrich. Die Schondorferin war tatsächlich verwandt mit der großen Marlene Dietrich, die in der preisgekrönten Billy Wilder-Verfilmung von „Zeugin der Anklage“ diese Rolle verkörpert hatte. Bei der aktuellen Aufführung der Jakobsbühne spielt Alexa Dorow die Rolle der Christine Vole und Burgi Dietrich ist als Souffleuse unverzichtbar. Schließlich sind alle Mitspieler Laiendarsteller und brauchen schon mal ab und zu ein dezent geflüstertes Stichwort.

Weitere Erfolgsstücke der Jakobsbühne in den letzten Jahren waren „Die Falle“, „Und dann gab‘s keines mehr“, „Acht Millionäre“ oder „Ein Todesfall wird vorbereitet“. Zu den Spielstätten im Landheim Schondorf und im Landsberger Stadttheater kam der große Theatersaal im Dießener Wohnstift Augustinum dazu.

Seit dem ersten Krimistück hat sich die Jakobsbühne äußerst perfekt weiterentwickelt. Auch ein Verdienst von Kostümbildnerin Christel Gebhardt, einer professionellen Theater-Gewandmeisterin, die seit acht Jahren „mit Leib und Seele“ dabei ist. Sie arbeitet sonst für das Münchner Gärtnerplatz-Theater, die Carl Orff-Festspiele oder diverse Tournee-Gruppen. Aber wenn Alex Dorow ruft, nimmt sie sich stets frei.

Sollte sich der Traum des Abgeordneten und Hobby-Regisseurs Dorow erfüllen, käme auf Christel Gebhardt mit Agatha Christies „Tod auf den Nil“ eine Menge Arbeit zu, um die opulenten Kleider von 1937 nachzuschneidern. 

Dieter Roettig

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