Vor 65 Jahren

65 Jahre ist es her: Am 27. April 1945 wurden die Häftlinge in den KZ-Außenlagern Kaufering befreit. Mit einer Gedenkwoche vom Sonntag, 25. April, bis Montag, 3. Mai, erinnert die Marktgemeinde Kaufering an die Befreiung. In ihrem April-Mitteilungsblatt rufen die Markt­ge­meinde und Bürgermeister die Bürger auf, daran teilzunehmen.

Sieben Überlebende der Lager Kaufering III aus Israel und Deutschland hat die Gemeinde zur Gedenkwoche eingeladen. Der Verein „Gedenken in Kaufering“ wird ihnen am Montag, 26. April, seine Arbeit vorstellen und sie dazu am neuen Mahnmal „Hain der 30000“ begrüßen. Anwesend werden zudem der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller, Landrat Walter Eichner, sowie Bürgermeister und Ge­- mein­de­räte sein. Am Jahrestag der Befreiung, am Dienstag, 27. April, sollen die Gräber der KZ-Außenlager Kaufering besucht werden. Nach einer Gedenkveranstaltung (19 Uhr) am „Hain der 30000“ wird Yehuda Beilis aus seinem Buch der Erinnerung im Thomas-Morus-Haus in Kaufering lesen. Begegnungen mit Schülern der Hauptschule und der Realschule Kaufering und aus der evangelischen und ka­tho­lischen Kirchengemeinden stehen am Mittwoch an. Tags darauf wird unter anderem das Jüdische Zentrum München besichtigt. Geplant ist weiter die Teilnahme am Gedenken an den Todesmarsch von Dachau (1. Mai) und an der Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Dachau am 2. Mai. „Vernichtung durch Arbeit“ hieß die Vorgabe der Nazis auch für die elf Kauferinger Lager, die zum Außenlagerkomplex des Konzentrationslagers Dachau ge­hörten. Rund 30000 Menschen wurden in die Lager Kaufering I bis XI deportiert. Uneinigkeit herrscht darüber, wie viele Häftlinge dort starben. In dem jetzt erschienenen Buch „Landsberg in der Zeitgeschichte – Zeitgeschichte in Landsberg“ stellt Dr. Ludwig Eiber im Beitrag „Hitlers Bunker – Hitlers Gefangene: Die KZ-Lager bei Landsberg“ nun seine Erkenntnisse vor. Er bezieht sich auf die Häftlingsdatenbank der KZ-Gedenkstätte Dachau und gibt die Gesamtzahl der toten Häftlinge in den Kaufering-Lagern mit mindestens 8500 an. Außerdem weißt er auf mindestens 3000 Kaufering-Häftlinge hin, die später in anderen Lagern starben. Insgesamt sind laut Eiber 11500 Menschen in den Lagern von Kaufering umgekommen. Auf der Tafel vom „Hain der 30000“, die die Marktgemeinde im letzten Jahr eingeweiht hatte, ist jedoch von 20000 Toten die Rede. Kauferings 1. Bürgermeister Dr. Klaus Bühler und der Stifter des Denkmals Dr. Friedrich Schreiber bestehen nach wie vor auf ihre Darstellung. Historikerinnen wie die Landsbergerin Dr. Edith Raim und die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Dr. Gabriele Hammermann, hatten ihnen widersprochen und erklärt, dass die Zahl von 20000 Toten nicht belegt sei. Diskutiert wurde im vergangenen Jahr auch die Symbolik und die Platzierung des 400 Kilogramm schweren Bronzewerkes. Dr. Raim hatte es als „Themaverfehlung“ kritisiert, da es die Todesmärsche symbolisiere und nicht die KZ-Außenlager. Zudem war die Historikerin der Meinung, dass nicht alle der rund 30000 KZ-Häftlinge am Kauferinger Bahnhof angekommen seien.Das Mahnmal am Bahnhof sei daher deplatziert. Dort befindet sich auch die ebenfalls im vergange­nen Jahr eingeweihte Gedenkstätte „Rampe/Waggon“.

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