Figuren, die den Landkreis prägen

Vor 300 Jahren starb Landsbergs berühmter Bildhauer Lorenz Luidl

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Expressiver Faltenwurf: Christus auf dem Palmesel ist das erste Auftragswerk, das Lorenz Luidl als Meister erhielt. Zuvor hatte er bereits den Altar in Sandau mit Figuren ausgestattet.

Landsberg – Der Sandauer Altar war sein erstes Auftragswerk. Damals arbeitete der Barockbildhauer Lorenz Luidl noch als Geselle. Lang dauerte es aber nicht, bis er zum berühmten Bildhauer Landsbergs wurde. „Mit Lorenz Luidl verlagerte sich damals der Schwerpunkt der Skulpturenproduktion von Weilheim nach Landsberg“, betont Kreisheimatpflegerin Dr. Heide Weißhaar-Kiem. Die Stadtpfarrkirche ist Zeuge davon: Vom Christus auf dem Palmesel bis hin zu den Figuren des Hochaltars – die Handschrift Lorenz‘ prägt den gesamten Innenraum.

Wann genau Luidl geboren ist, weiß man nicht. Geschätzt wird 1645, in Mering. Dass er am 14. Januar in Landsberg starb, ist sicher. Auch wenn große Teile seiner Familie als Bildhauer arbeiteten: Lorenz ist der bedeutendste. Sein allererster Auftrag waren die Figuren des Sandauer Altars – da war er noch Geselle. Sein erstes „Meisterwerk“ ist Christus auf dem Palmesel. Und danach ergatterte er ein Riesenprojekt: die Figuren des Hochaltars. „Von da an hat ihn jeder haben wollen“, meint Weißhaar-Kiem. In der Stadtpfarrkirche zeugen David und die musizierenden Engel, die die Orgel schmücken, sowie die zwölf Apostel in mittiger Höhe an den Seitenwänden von Luidls Handwerkskunst. Zahlreiche andere Altarfiguren und eine Menge Putten stehen im ganzen Landkreis: Erhalten sind rund 300 Figuren. „Luidl hat sich hier einen Markt erobert“, so die Kreisheimatpflegerin: Insgesamt werden Lorenz rund 650 Arbeiten zugeschrieben. Wobei hier die zahlreichen Krippenfiguren der großen Stadtpfarrkirchenkrippe, die zum Großteil von Lorenz stammen, als ein Werk gezählt werden.

Grund für die Auftragsschwemme Luidls war in gewissem Sinn der 30-Jährige Krieg, sagt Weißhaar-Kiem. „Als Luidl nach Landsberg kam, erholte sich die Stadt gerade vom Krieg.“ Mehr Menschen, mehr Geld. Und die im Krieg verwüsteten gotischen Kirchen hatten hohen Restaurierungsbedarf.

Wer zu Luidl-Zeiten eine eigenen Werkstatt wollte, musste die sogenannte Handwerksgerechtigkeit erwerben: die Erlaubnis zur Ausübung des Berufes. „Mit dem Sandauer Altar hat er sich wohl bewiesen“, vermutet Weißhaar-Kiem als Grund dafür, dass Luidl die Bildhauergerechtigkeit – in Landsberg wurde nur ein Bildhauer zugelassen – erhielt. Dass er als Landsberger Bürger noch Maria Miller, Tochter des Stadtbleichers heiratete, war sicher nicht abträglich.

Gelernt hatte Lorenz bei seinem Vater, später bei David Degler in Weilheim – eine Werkstatt, aus der mehrere berühmte Bildhauer hervorgingen. 1667 schloss er die Lehre ab und ging ein Jahr darauf nach Landsberg. Nach dem Tod seiner ersten Frau Maria Miller 1678 heiratete er im gleichen Jahr Ursula Ludwig, eine Bäckerstochter. Luidl war auch Politiker: als Mitglied im „Äußeren Rat“, in dem die „Ältermänner“ saßen und sowohl den „Inneren Rat“ wie auch die drei Bürgermeister wählten. Erst zwei Jahre vor seinem Tod übergab er die Werkstatt an seinen Sohn Johann Luidl. Dem auch Lorenz‘ Söhne Ferdinand und Stephan zur Seite standen.

Lorenz Luidls Figuren zeichnen sich durch ihre Expressivität aus: Christus auf dem Palmesel, eine Skulptur, die auf Rädern die Palmsonntagsprozession anführte, trägt einen Mantel mit zahlreichen Knitterfalten, die seine Bewegung unterstützen: „Als ob er mitten im Segensgestus ist“, beschreibt Weißhaar-Kiem. Man könne diese „Theatralik“ als Reaktion auf die Gotik sehen, in der die Figuren eher ruhig, stilisiert dargestellt wurden. Zudem sei natürlich der Einfluss der Renaissance aus Italien zu spüren.

Heute bezeichnen wir Lorenz als Künstler. Die damaligen Kunstschaffenden sahen sich eher als Handwerker, in Zünften organisiert. Weshalb auch nicht alle Figuren Luidls signiert sind. „Das war denen damals noch nicht wichtig“, sagt Weißhaar-Kiem. Die Zuordnung erfolgt anhand stilistischer Merkmale.

Beim Christus auf dem Palmesel ist man hingegen sicher, erzählt die Kreisheimatpflegerin: Bei der letzten großen Konservierung der Figur habe man auch mal in den Bauch des Esels geschaut. Und einen Zettel gefunden. Mit Lorenz Luidls Namen. Sein erstes „Meisterwerk“ hat ihm offensichtlich viel bedeutet.

Susanne Greiner

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