Leidenschaft für Farbe

Jahresausstellung des Kunstvereins Landsberg in der Säulenhalle

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Heute Abend startet die Jahresausstellung des Kunstvereins Landsberg in der Säulenhalle. 14 Künstler zeigen ihre aktuellen Arbeiten.

Landsberg – Keine Vernissage, keine Finissage, kein Sekt und keine Häppchen. Aber die Jahresausstellung des Landsberger Kunstvereins findet statt. Ab heute Abend (Donnerstag, 10. September) um 18 Uhr sind die aktuellen Arbeiten von 14 Künstlern in der Säulenhalle zu sehen. Von Malerei über Fotografie und Fotodruck sowie Zeichnungen bis hin zu Skulpturen: alles vertreten. heute startet der Verein mit einer ‚Soft-Eröffnung‘. Oder auch „zwei Stunden ganz ohne Klimbim“, wie es der Vereinsvorsitzende Rudolf Bille ausdrückt. Viele der Künstler werden anwesend sein.

Natürlich dürfen sie in der kargen Säulenhalle nicht fehlen: die Richtungspfeile, die angeben, wie Besucher entlang der Bilder durch die nicht vorhandenen Gänge der Halle zu gehen haben. Oder das Desinfektionsmittel, samt Hinweistafeln zum coronaconformen Verhalten mit Rücksicht auf andere. Die Pandemie macht auch Kunstausstellungen zu schaffen: „Generell fehlen gerade die Touristen“, gibt Bille zu bedenken. Viele Ausstellungen seien schlechter besucht als gewohnt. Dem versucht der Kunstverein entgegenzutreten: mit deutlich ‚sichtbaren‘ Arbeiten in kräftigen Farben und vorwiegend großen Formaten.

Heute Abend startet die Jahresausstellung des Kunstvereins Landsberg in der Säulenhalle. 14 Künstler zeigen ihre aktuellen Arbeiten.

Die Hängung überzeugt durch einen strengen Rhythmus. Bilder schmücken die Wände entlang der Innenseite, an der Stirnseite strahlt in vier Bildern ein leuchtendes Rot, die Außenwand ist nur in den zwei Nischen behängt. Die meisten Bilder arbeiten mit starken Farben, nur wenige halten sich dezent in Schwarz-Weiß. Die Skulpturen reihen sich entlang der Säulen in thematisch und auch farblich aufeinander bezogenen Gruppen. Insgesamt ein harmonisches Bild, das dem Besucher die Möglichkeit gibt, sich ganz den Werken zu widmen.

Innerhalb der Bilder zeigen sich dennoch Gegensätze. Da stehen gleich am Eingang Inge Diepolds Bilder in rotbraun sowie deutlichen Kontrasten in Schwarz und Weiß neben den fast pastellfarbenen Werken von Gudrun Daum. Und während Diepold abstrakt malt, vielleicht schemenhaft Formen andeutet, zeigt Daum ihre Protagonisten, zwei junge Frauen, gegenständlich. Während die eine nur in Rückansicht zu sehen ist und sich in Farbflächen aufzulösen scheint – sogar ein Funken Rosa springt in die Haare der um die Ecke Schauenden –, zeichnet sich die sitzende Leserin durch deutliche Konturen vom farbigem Umfeld ab.

Monika Neubauer zieht nur mit Kreide Konturen. So schälen sich Kühe aus dem zartem Grün-Braun heraus. Tanja Popp setzt sich politisch mit der USA auseinander. Mit derem „Niedergang“, mit dem dort herrschenden „Krieg“. Neben Rike Brysch, die in „Frühling 2020“ mit Gesichtern, in deren Hirnen ein Virus zu schweben scheint, die Coronakrise aufgreift, widmet sich auch die aus Südamerika stammende Lisa Wehrmann der Politik: mit einem sattgrünen neben einem leuchtendrot brennenden Urwald.

Nicht politisch, aber ebenfalls leuchtendrot sind die „Musen“ und „Power of Love“ von Andrea Reiners am Kopfende der Halle. Die aufgetragene Acrylfarbe ist dabei körnig, durchscheinende Frauenkörperumrisse bewegen sich in einem Fantasieraum, der durch Netze und Schrift strukturiert ist. Und durch ein Rot, das so viel Tiefe hat, das es den Betrachter fast verschluckt.

„Meine Arbeiten sollen wie eine Collage wirken“, erläutert Bille zu seinen Bildern, die Ausschnitte von überklebten, zerrissenen Plakatwänden zeigen. Bilder, die wie die von Heidi Bille und Ulla Schweizer geometrisch aufgebaut sind. Strukturen nimmt auch Ronny Wetzel als Thema: in seinen Schwarzweiß-Fotodrucken verlassener Gebäude.
Einen fast nicht existenten Kontrast - hellgrau zu weiß - hat der ehemalige Vorsitzende Rainer Walch, der Ende letztes Jahres starb, in einer seiner letzten Arbeiten gewählt. Auf einer 'zerknitterten' Leinwand stehen hellgraue Flächen neben weißen - und türmen sich aus der Ferne gesehen zu einem Gebirge. 

Heute Abend startet die Jahresausstellung des Kunstvereins Landsberg in der Säulenhalle. 14 Künstler zeigen ihre aktuellen Arbeiten.

Die Skulpturen widmen sich der Zweisamkeit. Eva Radeks Keramik im Erdbrand verbinden zwei angedeutete Körper, einer rosa, der andere schwarz. Die sich dann wieder in den gleichnamigen Arbeiten „entfalten“. Gina Borrmann ‚verschlingt‘ ebenfalls zwei Körper miteinander – weitaus konkreter als Radek. Die schwarze Oberfläche überzieht sie mit goldener Farbe, die wie eine Sternbild-Karte wirkt. Der Titel von Borrmanns zwei Keramikarbeiten: „Leidenschaft Farbe“. Könnte auch das Motto der Ausstellung sein.

Susanne Greiner

Öffnungszeiten:

Die Jahresausstellung des Kunstvereins läuft noch bis zum 20. September. Sie ist Montag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, am Samstag und Sonntag bereits ab 14 Uhr geöffnet.


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