"Nicht zu bremsen"

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Vize-Landrat Peter Ditsch, Gerda Plaumann-Bulenda, Alex Dorow, Veronika Döring, BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer, Roland Haberl, Sonja Haberl, Ulrich Schilasky und BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner (von links).

Landsberg – Die Aktiven des Roten Kreuzes im Landkreis, Hauptamtliche ebenso wie Ehrenamtliche, stecken noch mittendrin in einem arbeitsreichen Jahr. Das wurde mehr als deutlich beim Jahresempfang des Kreisverbands im halbfertig renovierten Sitzungssaal des Landratsamts, wo die Vertreter verschiedener Bereiche ihre Tätigkeitsberichte vorlegten. Außergewöhnliches stand an diesem Abend im Bereich der Ehrungen an: Für ganze 60 Jahre aktive Mitarbeit wurde Veronika Döring aus Landsberg ausgezeichnet.

18 hauptamtliche Mitarbeiter und 450 Ehrenamtliche kümmern sich derzeit um die 1150 Flüchtlinge im Landkreis, berichtete der Teamleiter der Asylarbeit, Johannes Moeske. Hinzu kommen unabhängige Helferkreise und Bürger aus der Umgebung von Unterkünften, die vieles in Form von Nachbarschaftshilfe leisten. Die Aufgaben des BRK reichen von der Asylsozialarbeit über die Betreuung der Unterkünfte und die Koordination des Ehrenamtes bis hin zur Einrichtung von Notaufnahmelagern wie dem in der Lechturnhalle. Letzteres fällt in den Aufgabenbereich der Bereitschaft und beschränkt sich nicht auf das Gebiet des Landkreises. Wie Kreisbereitschaftsleiter Markus Wegele sagte, waren Landsberger BRKler auch bei der Einrichtung der Notaufnahmen in München-Riem im Einsatz und leisteten medizinische Zugbegleitungen bei der Verteilung von Flüchtlingen im gesamten Bundesgebiet. 

Ausgelöst durch eine Reihe von tödlichen Badeunfällen wurde im Sommer das Thema Schwimmkurse für Asylbewerber akut, dessen sich die Kreiswasserwacht annahm. In sechs Kursen – allein fünf davon leitete die Penzingerin Birgit Geier mit ihrem Team – wurden 52 neue Schwimmer ausgebildet. Zudem sorgte das BRK für die Übersetzung der Baderegeln und hängte diese in den Unterkünften aus, gleiches ist für die Regeln zur Benutzung von Eisflächen im Winter geplant. Kreisvorsitzender Alex Dorow zitierte aus gegebenem Anlass aus dem Leitbild des Roten Kreuzes und erinnerte an dessen Grundsätze. „Wir sind im Zeichen der Menschlichkeit neutral“, so Dorow. „Und wir sind nicht bereit, Unmenschlichkeit hinzunehmen.“ Vize-Landrat Peter Ditsch überbrachte in Vertretung des erkrankten Thomas Eichinger den Dank der Landkreispolitik, und die zweite Landsberger Bürgermeisterin Doris Baumgartl tat das Gleiche im Namen der Stadt. 

„Unsere Gesellschaft braucht Sie“, rief BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer den Haupt- und Ehrenamtlichen im Publikum zu. Die Bewältigung des Flüchtlingselends, das weltweit 60 Millionen Menschen betrifft, sei nur möglich, „weil es Menschen wie Sie gibt“. Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner erinnerte daran, dass auch das größte Engagement nicht ohne Geld funktioniert. „Unsere Mittel sind endlich, und wir appellieren an andere Organisationen, uns zu unterstützen.“ Auch der Freistaat müsse sich bewegen. „Was wir momentan haben, ist keine Arbeits- und Planungsgrundlage“, sagte Lehner und erntete dafür spontanen Applaus. Als verdiente Aktive wurden Ulrich Schilasky sowie Roland und Sonja Haberl mit dem staatlichen Ehrenzeichen für 25 Dienstjahre ausgezeichnet. Detlef Böckmann erhält die Auszeichnung für 40 Jahre, und Gerda Plaumann-Bulenda von der Wasserwacht Utting freute sich über die Goldene Ehrennadel für außergewöhnliche Verdienste. 

Das Außergewöhnlichste überhaupt war jedoch die Ehrung für Veronika Döring, die praktisch ihr ganzes Leben in den Dienst des Roten Kreuzes gestellt hat. 1955 begann die Landsbergerin als Schwesternhelferin beim BRK, wurde dann Krankenschwester, leitete unter anderem die Frauenbereitschaft und den Seniorenclub, war aktiv in den Bereichen Blutspende, Sanitätsdienst und Haussammlungen, kümmerte sich um DDR-Flüchtlinge und Jugendzeltlager – kurz gesagt: „Die Vroni war nicht zu bremsen, sie war einfach überall“, so Laudator Siegfrid Lutzenberger. Dafür gab es die DRK-Ehrennadel in Gold – und stehende Ovationen.

Ulrike Osman

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