Gedenkfeier zur Befreiung der KZ-Außenlager

Die Anonymität aufheben

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Mit einer stillen Minute und Kranzniederlegung gedachte man der Befreiung der KZ-Außenlager um Landsberg durch die Amerikaner am 27. April 1945.

Landsberg – 6.334 Menschen starben nach heutigen Erkenntnissen in den zehn KZ-Außenlagern um Landsberg und Kaufering. Dieser Opfer des Nationalsozialismus gedenkt man im Bunker der Welfenkaserne – dem ehemaligen „Weingut II“ – jedes Jahr am 27. April, dem Jahrestag der Befreiung durch die Amerikaner.

„Lernt die Welt nicht aus der Geschichte?“ Diese Frage stellte Oberst Daniel Draken als Standortältester bei der Gedenkfeier zum 72. Jahrestag der Befreiung in den Raum. Den insgesamt 23.000 Häftlingen in den Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau rund um Landsberg sei kaum vorstellbares Leid zuteil geworden. Und auch jetzt, so Draken, scheint die Welt wieder aus den Fugen zu geraten. Er erinnerte an die Situation in Syrien, an sterbende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer und an Volksabstimmungen in unmittelbarer Nähe, die man mit Sorge beobachten müsse. „Und auch Terroranschläge haben mittlerweile Deutschland erreicht“, so Draken.

Gerade deshalb sei das Gedenken so wichtig: Um künftige Gräueltaten zu verhindern. Dass es funktioniert, nachfolgenden Generationen die Geschichte näher zu bringen, würden die stetig steigenden Besucherzahlen im Bunker und auch auf den KZ-Friedhöfen beweisen.

Seit 2011 ist die Ausstellung im Bunker der Welfenkaserne als Militärgeschichtliche Sammlung „Erinnerungsort Weingut II“ anerkannt. Das Interesse an der Sammlung ist groß: Allein im vergangenen Jahr haben über 3.700 Besucher diesen geschichtsträchtigen Ort aufgesucht.

Ein wichtiger Bestandteil des Gedenkens ist für Oberst Daniel Draken auch, die Anonymität der Opfer aufzuheben. Im Bunker der Welfenkaserne stehen deshalb vier weiße Stelen mit den Namen der 6.334 Todesopfer.

Max Volpert, Überlebender des Nazi-Regimes, berichtete den Gästen von seinem Leidensweg.

Im Anschluss erzählte der KZ-Überlebende Max Volpert den Gästen der Gedenkfeier seine Geschichte: Als damals 13-Jähriger ist er in das Außenlager I gekommen. Harte Arbeit und karges Essen bestimmten fortan sein Leben: „Die saugten uns das Blut aus“, beschrieb Volpert seinen Alltag. Seine Mutter war bereits in ­Auschwitz gestorben, seinen Vater verlor er in Lager III. Er selbst musste für den Bunkerbau arbeiten, später war es seine Aufgabe, die Leichen wegzuschaffen.

„Bis zum 23. April schufteten wir“, so Volpert. Dann wurden die Häftlinge um Landsberg Richtung Dachau getrieben – die sogenannten Todesmärsche hatten begonnen. Wer nicht mehr laufen konnte, wurde erschossen. „Etwa vier Jahre war ich unter den Stiefeln des Nationalsozialismus“, sagt der Überlebende, „am 2. Mai erreichten uns die Amerikaner.“ Damit endete für Max Volpert und viele andere das Leiden.

Ihnen allen wurde im Anschluss bei einem gemeinsamen Gebet durch katholische und evangelische Geistliche sowie dem jüdischen Kantor Yoed Sorek gedacht. Begleitet wurde die Gedenkfeier vom Schülerblasorchester des Gymnasiums St. Ottilien. 

Astrid Neumann

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