Mit dem Segen des Gemeinderates:

Graffity legal: Kunterbunte Bahnhofs-Welt in Utting

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Graffiti-Künstler Jakob Kettler bei der Arbeit am Uttinger Bahnhofsschuppen. Er durfte die Südseite ganz offiziell – nach Gemeinderatsbeschluss – neu gestalten mit Motiven wie dem Sprungturm oder dem Gemeindewappen.

Utting – Kommunen und die Deutsche Bahn stöhnen auf, wenn wieder einmal Sprayer unterwegs waren und Fassaden oder Waggons besprüht haben. In der Gemeinde Utting allerdings freut man sich über Graffiti-Künstler. Natürlich nur, wenn sie sich an die Regeln halten. Vor drei Jahren begeisterten die weltweit anerkannten Sprühartisten Loomit und Nils Jänisch mit ihren überdimensionalen Kunstwerken im Summerpark. Das „Kulturforum Utting“ hatte extra Stellwände aufstellen lassen, die mit ausgefallener Streetart verschönert wurden.

Jetzt war wieder ein Graffiti-Künstler am Werk – höchst offiziell mit Billigung des Gemeinderates. Jakob Kettler (30), seit 21 Jahren in Utting lebend und im Hauptberuf Erzieher im AWO-Kinderhort „Seestrolche“. Als Hobby pflegt er die Malerei und hat daraus das Arbeiten mit Schablonen und Spraydosen entwickelt.

Wann immer er am Lagerschuppen beim Uttinger Bahnhof vorbeikam, ärgerte er sich über die gedanken- und zusammenhanglosen Schmierereien, die im Laufe der Jahre hier aufgebracht wurden. „Das kann ich besser“, sagte er sich und klopfte im Rathaus an. Aus seinem Wunsch nach einer legalen Sprühaktion wurde ein Tagesordnungspunkt bei der nächsten Gemeinderatssitzung.

Man erteilte ihm nicht nur einstimmig das Okay für die Neugestaltung der Schuppen-Südseite, sondern spendierte ihm noch einen Hunderter für die Materialkosten. Man machte ihn aber darauf aufmerksam, dass seine Graffiti-Kunst nicht von Dauer sein wird.

Schon lange wird über die sinnvolle Nutzung des Schuppens im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) diskutiert: Kunst- und Kulturhaus, Jugendhaus, Öffentliche Toiletten oder eine Kombination von allem. Nach Vorberatung durch den Finanzausschuss beschloss der Gemeinderat jetzt einstimmig eine „Feinuntersuchung“ durch ein Architekturbüro, was im Güterschuppen hinsichtlich der Nutzung und der Kosten für die erforderlichen Umbaumaßnahmen die beste Lösung wäre.

Inzwischen ist Kettlers Kunstwerk auf der Schuppen-Südseite bei den Bahngleisen fertiggestellt und erfreut vor allem die Reisenden der Regiobahn. Mit bunt-fröhlichen Motiven aus Utting wie dem Gemeindewappen oder dem Sprungturm.

Vielleicht laden die Uttinger Gemeinderäte Jakob Kettler nochmals ein und beauftragen ihn mit der Gestaltung der drei anderen Fassaden des Lager­schuppens. Damit hätte Utting einen erfreulichen Blickfang im tristen Bahnhofsareal.
Dieter Roettig

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