Countdown des Grauens

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Noch in Partylaune waren (von links) Captain Lombard (Thomas Eichinger), Vera Claythorne (Alexa Dorow), Staatsanwalt Wargrave (Holger Schmidt-Lutz) und William Blore (Martin Rempfer) zu Beginn von „Und dann gabs keines mehr“.

Landsberg/Schondorf – Zehn Personen auf einer einsamen Insel: am Ende sind alle tot, ermordet. Aber von wem? Agatha Christies meisterhaftes Kriminalrätsel war am Samstag im Stadttheater zu sehen, mit viel Spielfreude und Spannung auf die Bühne gebracht von der Jakobsbühne Schondorf.

Die Jakobsbühne, eine Spielgruppe des Theatervereins Schondorf, die sich auf Kriminalstücke spezialisiert hat, beeindruckte zuletzt im Stadttheater mit der Inszenierung „Die Falle“. Nun hat sich Regisseur Alex Dorow ein Meisterwerk der Queen of Crime vorgenommen: die Bühnenadaption des Romans „Und dann gabs keines mehr“, besser bekannt unter dem mittlerweile aus Gründen der Political Correctness geänderten Titel „Zehn kleine Negerlein“.

Zehn Menschen, die alle nicht nur sprichwörtlich „eine Leiche im Keller“ haben, werden mit unterschiedlichen Einladungen oder Jobangeboten auf eine von der Außenwelt isolierte Insel vor der Küste Devons gelockt. Dort werden sie mit ihren Verbrechen konfrontiert, eine Flucht ist unmöglich. Und einer nach dem anderen stirbt: durch Gift, Kugel, Beil oder Messer – genau nach den Reimen des Kinderlieds „Zehn kleine Negerlein“, ein Countdown des Grauens.

Darzustellen, wie aus der vermeintlichen Wochenendparty nach und nach ein Alptraum wird, wie die anfängliche Solidarität einer Atmosphäre des Misstrauens und schließlich nackter Angst weicht, ist eine schauspielerische Herausforderung, die die Darsteller der Jakobsbühne nicht zu scheuen brauchen. Besonders hervorzuheben und vom Publikum mit begeistertem Applaus bedacht sind Simone Elsässer als selbstgerecht-fanatische Lady Emily und Holger Schmidt-Lutz als Wargrave, der besonders in der Schlussszene glänzte. Die ließ allerdings recht lange auf sich warten. Rund drei Stunden brauchte es, bis es „keins mehr gab“.

Die waren aber trotz einiger Längen amüsant, witzig und natürlich spannend – was daran zu sehen war, dass in der Pause die Frage nach dem Mörder das beherrschende Thema im Foyer war. Wer es war, wird allerdings nicht verraten, denn vielleicht gibt es ja mal eine Wiederaufnahme…

Patricia Eckstein

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